Donnerstag, 14. März 2013

[Rezension] "Ein dunkler Wille. Das Schicksal der Brüder Frankenstein" von Kenneth Oppel







Titel: Ein dunkler Wille. Das Schicksal der Brüder Frankenstein
Originaltitel: Such Wicked Intent, The Apprenticeship of Victor Frankenstein
Reihe: Band 2
Autorin: Kenneth Oppel
Genre: Jugendliteratur
Verlag: Beltz & Gelberg (28. Januar 2013)
ISBN: 978-3407811332
Seiten: 384
Vom Hersteller empfohlenes Alter: ab 12 Jahren




Nachdem mir der erste Band "Düsteres Verlangen" so gut gefallen hatte, musste ich unbedingt wissen, wie es weitergeht . . . 



Victor Frankenstein hat die schlimmste Niederlage seines jungen Lebens erfahren: Trotz aller Anstrengungen um das Elixier des Lebens konnte er den Tod seines geliebten Zwillingsbruders Konrad nicht verhindern.
Doch ist das ein Grund aufzugeben? Nicht für Victor Frankenstein ...


Nach Konrads Tod schwört Victor Frankenstein all seinen Leidenschaften ab: Nie wieder will er sich mit der Alchemie befassen. Nie mehr wird er Elizabeth bedrängen, die doch nur Konrad liebt. Aus, vorbei! In seiner Verzweiflung verbrennt er die Bestände der Dunklen Bibliothek. Allein ein eisernes Buch widersteht dem Feuer – und verheißt einen Zugang zur Welt der Toten. Victor ist elektrisiert: Wird er dort seinen Bruder wiederfinden? Ihn vielleicht ins Leben zurückholen können? Vergessen sind alle guten Vorsätze: Zusammen mit Elizabeth wagt Victor den Schritt in die Totenwelt. Sie entdecken Faszinierendes – und merken zu spät, dass eine uralte Macht ihr Kommen bereits hungrig erwartet hat ... 
(Bild- und Textquelle: Beltz & Gelberg)







Einstieg ins Buch:
Die Bücher klappten auf wie erschreckte Vögel, die versuchten, den Flammen zu entkommen. Eines nach dem anderen warf ich brutal in das grosse Feuer, wo es am heissesten war, und beobachtete, wie sie bereits Feuer fingen, noch bevor sie gelandet waren.

Nach dem Tod von Konrad werden im Hause Frankenstein alle Bücher aus der dunklen Bibliothek verbrannt und die Türen zum Brunnen sollen zugemauert werden. Das Elixier des Lebens, das die Jugendlichen gebraut hatten, hatte versagt und niemand soll mehr in die Versuchung kommen, seine alchemistischen Fähigkeiten zu testen.

Auch der zweite Band ist aus der ich-Perspektive von Victor geschrieben. Zu Beginn erleben wir einen ganz anderen Victor. Er ist viel sensibler und leidet stark unter dem Verlust seines Zwillingsbruder. Erst als ihm das metallene Buch in den Überresten der dunklen Bibliothek in die Hände fällt, erwacht sein Lebensgeist und sein Ehrgeiz wieder. Er möchte unbedingt mit Konrad Kontakt aufnehmen und ihn zurückholen. Seine alten Charakterzüge treten wieder zu Tage und auch im Handeln fällt er rasch wieder ins alte Schema.
Victor ist für mich nicht wirklich ein sympathischer Protagonist, denn seine Besessenheit und sein Egoismus schrecken einen zeitweise etwas ab. Es ist aber sehr spannend, einen Einblick in seine Psyche zu erhalten. Seine Zerrissenheit bekommt man oft zu spüren. Auf der einen Seite möchte er Konrad unter allen Umständen zurück haben, auf der anderen Seite erkennt er auch Vorteile, denn ohne seinen Bruder rechnet er sich grosse Chancen bei Elizabeth aus. So ging es mir auch mit ihm: Ich entwickelte eine regelrechte Hassliebe zu ihm.

Elizabeth ist nach Konrads Tod auch am Boden zerstört. Sie überlegt sogar, in ein Kloster einzutreten. Und doch ist sie hin- und hergerissen. Auf der einen Seite möchte sie Konrad ruhen lassen, auf der anderen Seite möchte sie ihn natürlich wieder an ihrer Seite haben. Und dann muss sie sich auch noch eingestehen, dass ihr Victor doch nicht ganz gleichgültig ist.

Der ängstliche, schüchterne Henry macht in diesem Buch die grösste Entwicklung durch. Er wirkt immer geerdet und war mir am sympathischsten.

Nachdem Victor mit der Alchemie gescheitert war, tauchen wir in diesem Teil ins Okkulte ein. Zusammen mit Elizabeth und Henry betritt er das Totenreich und versucht mit allen Mitteln, Konrad ins Leben zurückzuholen. Doch soll man dem Lauf des Lebens wirklich ins Handwerk pfuschen? Soll man wirklich alle Geister wecken?

Ich kratzte mich an der Stirn und wurde irgendwie das Gefühl nicht los, dass wir einen Fehler begangen hatten, aber der konnte jetzt nicht mehr rückgängig gemacht werden.
(Seite 167)

Kenneth Oppels Schreibstil ist auch in diesem Band sehr flüssig und sehr kurzweilig. Wo es in Band eins noch die eine oder andere Durststrecke gab, vermag er in "Ein dunkler Wille" den Spannungsbogen während der ganzen Geschichte aufrecht zu halten. Die Atmosphäre empfand ich noch dichter und auch hier schafft es der Autor mich mit überraschenden Wendungen zu fesseln.





Auch das Cover des zweiten Bandes ist sehr gelungen. Mir gefällt es wegen der Farbe sogar noch besser als das erste. Wieder wurde mit einem Tintenklecksbild gearbeitet, in dem man bei näherer Betrachtung einiges aus der Geschichte entdecken kann . . . Protagonisten und vor allem kann man auch die Form eines Schmetterlings erkennen. Diese kleinen Tiere bekommen in diesem Buch eine spezielle Rolle zugeteilt . . .


Mit "Ein dunkler Wille" ist es Kenneth Oppel gelungen, dem Vorgänger noch ein Tüpfchen aufzusetzen. Das Buch war spannender, die Atmosphäre noch dichter und düsterer, die facettenreichen Charakteren überzeugten und die Exkurse ins Okkulte waren einfach faszinierend. Ich bin schon gespannt, in welchen Wissenschaftszweig wir im dritten Band eintauchen.
Auch der moderne Frankenstein ist definitiv eine Leseempfehlung!








  1. Düsteres Verlangen. Die wahre Geschichte des jungen Victor Frankenstein
  2. Ein dunkler Wille. Das Schicksal der Brüder Frankenstein







Kenneth Oppel wurde am 31. August 1967 in British Columbia geboren. Er studierte an der University of Toronto in Ontario und lebt heute mit seiner Frau Philippa Shepphard in Cornerbrook, Neufundland. Seine liebsten Freizeitbeschäftigungen: Lesen, Filme schauen, lange Spaziergänge und Reisen.

Und wer noch mehr über den Autor wissen möchte:
Kenneth Oppel über sich selbst: *klick*

(Bild- und Textquelle: Beltz & Gelberg)

Kommentare:

  1. Hallo Favola,

    ich gebe dir absolut recht! Beide Bücher sind eine definitive Leseempfehlung :-)

    LG

    Kay

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  2. @Kay:
    Ja, nur leider sind sie wohl etwas zu unbekannt . . . vor allem vom zweiten Band hat man kaum mehr etwas gehört . . .
    Sehr schade.

    lG Favola

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Ich freue mich über jeden Kommentar :-)