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Freitag, 4. September 2020

"Wer ist Edward Moon?" von Sarah Crossan






Titel: Wer ist Edward Moon
Reihe: nein
Autorin: Sarah Crossan
Übersetzerin: Cordula Setsman
Verlag: mixtvision Mediengesellschaft mbH (9. Oktober 2019)
Genre: Jugendliteratur, Drama
Seiten: 357
vom Hersteller empfohlenes Alter: ab 14 Jahren




Von Sarah Crossan habe ich bereits "Apple und Rain" gelesen und "One" liegt schon viel zu lange auf meinem SuB. "Wer ist Edwart Moon?" ist ihr neustes Werk und für den Jugendliteraturpreis nominiert.


Montag, 22. Oktober 2018

"Der nächstferne Ort" von Hayley Long





Titel: Der nächstferne Ort
Autorin: Hayley Long
Übersetzerin: Josefine Haubold
Originaltitel: The Nearest Faraway Place
Genre: Jugendroman, Drama
Verlag: Königskinder (21. März 2018)
ISBN: 978-3551560407
Seiten: 336
vom Hersteller empfohlenes Alter: ab 14 Jahren








"Der nächstferne Ort" von Hayley Long ist eines der Bücher auf dem letzten Programm des Königskinder Verlags. Es wurde mir an der Frankfurter Buchmesse ans Herz gelegt, so dass ich nicht widerstehen konnte.



Dienstag, 14. August 2018

"Beautiful Liars 01. Verbotene Gefühle" von Katharine McGee


Titel: Beautiful Liars, Verbotene Gefühle
Reihe: Beautiful Liars, Band 1
Autorin: Katharine McGee
Übersetzerin: Franziska Jaekel
Verlag: Ravensburger Buchverlag (23. August 2017)
Genre: Dystopie, Drama, Jugendthriller
Originaltitel: The Thousandth Floor
Seitenzahl: 512
vom Hersteller empfohlenes Alter: ab 14 Jahren


Inhalt:
New York, 2118: Die wunderschöne Avery lebt im Penthouse des höchsten Gebäudes der Welt. Doch ihr scheinbar perfektes Leben wird durch ein dunkles Geheimnis bedroht. Denn hinter der glitzernden Fassade verbirgt sich ein gefährliches Netz aus Lügen.
(Bild- und Textquelle: Ravensburger Buchverlag)  




Ich muss zugeben, dass ich "Beautiful Liars" vom Cover her nicht gelesen hätte. Nachdem ich aber viele begeisterte Stimmen gehört hatte, wagte ich es doch noch, einen Blick hinter die Fassade zu werfen - und ich kann jetzt schon verraten, dass es sich gelohnt hat.
Katharine McGee steigt gleich mit der Schlussszene ins Buch ein, so dass man sich während der Lektüre immer wieder fragt, wen diese denn nun betrifft und wie es dazu gekommen war.

Freitag, 4. Mai 2018

"Mädchen in Scherben" von Kathleen Glasgow


Titel: Mädchen in Scherben
Autorin: Kathleen Glasgow
Übersetzerin: Yvonne Hergane
Verlag: FISCHER Kinder- und Jugendtaschenbuch (21. März 2018)
Genre: Jugendroman, Drama, Sicklit
ISBN: 978-3733504151
Seitenzahl: 448
empfohlenes Lesealter: ab 14 Jahren


Inhalt:
Charlotte ist zerbrochen. Mit nur siebzehn Jahren hat sie mehr verloren, als die meisten Menschen im Leben. Mehr als ein Mensch ertragen kann. Aber sie hat gelernt, wie man vergisst. Wie man seinen Körper gefühllos gegen Schmerz macht. Jede neue Narbe macht Charlottes Herz ein wenig härter, doch irgendwann begreift sie, dass sie mehr ist, als die Summe ihrer Verluste – und beginnt zu kämpfen!
(Bild- und Textquelle: Fischer Verlage)  




Schon auf der ersten Seite merkt man, dass "Mädchen in Scherben" kein locker-flockiges Wohlfühl-Buch ist. Nach einem Suicidversuch ist Charlotte in einer psychiatrischen Klinik. Um ihrem seelischen Schmerz zu entkommen, verletzt sie sich selbst. Ihr Körper ist übersät von Narben, die sie in jedem Moment daran erinnern, wie kaputt sie ist.

Montag, 7. August 2017

[Rezension] "Du & Ich - Best friends for never" von Hilary T. Smith






Titel: Du und Ich - Best friends for never
Autorin: Hilary T. Smith
Übersetzerin: Jenny Merling
Genre: Drama, coming-of-age
Verlag: FISCHER FJB; Auflage: 1 (23. März 2017)
ISBN: 978-3841440044
Seiten: 368
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: ab 12 Jahren








"Du & ich - Best friends for never" von Hilary T. Smith wurde mir von Verlagsseite ans Herz gelegt. Es soll eine grosse Freundschaftsgeschichte sein, aber auf eine ganz andere Art. Und da ich andere, besondere Bücher mag, konnte ich nicht widerstehen.

Mittwoch, 17. Mai 2017

[Rezension] "Das Jahr, in dem ich lügen lernte" von Lauren Wolk






Titel: Das Jahr, in dem ich lügen lernte
Reihe: nein
Autorin: Lauren Wolk
Übersetzerin: Birgitt Kollmann
Genre: Jugendbuch, Drama
Verlag: Carl Hanser Verlag  (30. Januar 2017)
ISBN: 978-3446254947
Seiten: 272
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: ab 12 Jahren








"Das Jahr, in dem ich Lügen lernte" wurde mir an der Buchmesse ans Herz gelegt. 



Erst ist es ein Stock, der Annabelle trifft, dann die Hand, die sich um den Hals eines Vogels schließt, und schließlich der gespannte Draht, der für James lebensbedrohlich wird. Das ist Betty, das neue Mädchen in Annabelles Klasse, die letztendlich das ganze Dorf gegen den kauzigen Außenseiter Toby aufbringt. Doch Annabelle durchschaut ihre Lügen und falschen Anschuldigungen. Und sie kennt Toby, der ihr schon oft zur Seite gestanden hat. Als Betty plötzlich verschwindet und alle Finger auf Toby zeigen, nimmt Annabelle ihren ganzen Mut zusammen und versucht, seine Unschuld zu beweisen.
(Bild- und Textquelle: Hanser Literaturverlage)





Einstieg ins Buch:
In dem Jahr, als ich zwölf wurde, lernte ich zu lügen.
Damit meine ich nicht die üblichen kleinen Schwindeleien von Kindern. Ich meine wirkliche Lügen, die von wirklichen Ängsten gespeist werden.

"Das Jahr, in dem ich lügen lernte" spielt 1943. Das Leben der zwölfjährigen Annabelle gerät völlig aus den Fugen. Nicht wegen des Krieges, wie man vielleicht denken könnte, sondern wegen einem Mädchen, das in ihre Gegend zog.

Es ist eine Zeit, in der die Gemeinschaft, die Familie einen sehr hohen Stellenwert hat und jeder seinen Beitrag dazu beitragen muss. Die Kinder haben lange Schulwege. Annabelle und ihre beiden jüngeren Brüder müssen durch den Wald und sogar durch eine Schlucht. Und genau am Eingang zur Wolfsschlucht steht eines Tages ein grosses, kräftiges Mädchen namens Betty. Sie war aus der Stadt hergeschickt worden und hinter vorgehaltener Hand erzählt man sich, Betty sei 'schwer erziehbar'.

Es beginnt mir Drohungen, Schlägen, gefährlichen Fallen und irgendwie schafft es Betty, das ganze Dorf gegen den Aussenseiter Toby aufzubringen. Nur Annabelle durchschaute das Lügengespinst und als Betty plötzlich verschwindet, beginnt eine regelrechte Hetzjagd gegen Toby. Annabelle nimmt all ihren Mut zusammen, denn sie möchte ihm helfen und seine Unschuld beweisen.

Ich glaube, mir ist noch nie so ein böses Mädchen in einem Jugendbuch begegnet. Wie Annabelle konnte ich es erst gar nicht wahrhaben, dann bekam ich einen Knoten in der Brust und je mehr ich las, desto stärker wurde die Wut in meinem Bauch. Wie konnte ein Mädchen so gemein und skrupellos sein?

Viel zuviel Zeit vergeht, bis sich Annabelle endlich ihren Eltern anvertraut, aber auch danach kann man noch nicht aufatmen. Es dauert lange bis Bettys ganze Intrigen ans Licht kommen. Und als Leser hofft man mit der Protagonistin, dass dieses schreckliche Mädchen zur Rechenschaft gezogen wird, Einsicht zeigt, sich vielleicht sogar entschuldigt. Doch das Buch endet ganz anders, wie man es erwartet hätte.

Doch dann kam mir ein besserer Gedanke, und der begleitete mich von da an: Wenn mein Leben nicht mehr war als eine einzige Note in einer endlosen Sinfonie, musste ich dann nicht diesen einen Ton so lange und so laut spielen wie ich konnte?     (Seite 211)

"Das Jahr, in dem ich lügen lernte" ist eine äusserst hochwertige Geschichte. Es ist unglaublich, wie es ein einzelnes Mädchen schafft, eine ganze Dorfgemeinschaft umzukrempeln und gegen jemanden aufzubringen. Lauren Wolk zeigt uns schonungslos die menschlichen Schwächen. Sie schreibt sehr eindringlich und schafft es schnell, eine dichte Atmosphäre aufzubauen. So ist ein dramatischer Jugendroman über Solidarität und Gerechtigkeit entstanden. Ein Buch, das schockiert, aufrüttelt und noch lange nachhallt.





fesselnd, eindringlich, erschütternd
"Das Jahr, in dem ich lügen lernte" ist eine ernste Geschichte, die schockiert und aufwühlt. Lauren Wolk zeigt uns, was die Macht der Lügen alles anrichten kann und wie wichtig Solidarität, Freundschaft und Gerechtigkeit sind.








Lauren Wolk ist Schriftstellerin, Dichterin und bildende Künstlerin. Sie studierte an der Brown University Literatur, arbeitete u. a. als Redakteurin, Feuilletonistin und Lehrerin und ist derzeit stellvertretende Leiterin des Cultural Center of Cape Cod. Auf der Halbinsel ist sie mit ihrer Familie auch zu Hause. Das Jahr, in dem ich lügen lernte (2017) ist ihr Debüt.





© Favolas Lesestoff

Montag, 20. März 2017

[Rezigramm] "Hier musst du glücklich sein" von Lisa Heathfield


Titel: Hier musst du glücklich sein
Autorin: Lisa Heathfield
Übersetzerin: Birgit Schmitz
Genre: Drama
Verlag: Carlsen (22. Dezember 2016)
ISBN: 978-3551583383
Seiten: 320
empfohlenes Alter: ab 14 Jahren


Inhalt:
Eine kleine Gemeinschaft, abgeschottet von der Welt. Hier ist Pearl aufgewachsen und hier fühlt sie sich sicher, denn ihr Oberhaupt Papa S. beschützt sie alle vor der vergifteten Welt da draußen. Doch als sich der gleichaltrige Ellis und seine Familie ihrer Gemeinschaft anschließen, wird Pearls Weltbild auf die Probe gestellt: Ellis wächst Pearl täglich mehr ans Herz – und er scheint nicht an die Lehren von Papa S. zu glauben! Langsam wird auch Pearl klar, dass sie fliehen müssen, um sich zu retten …
(Bild- und Textquelle: Carlsen Verlag 




"Hier musst du glücklich sein" startet schon mit einer erschreckenden Szene. Pearl hat ihre erste Menstruation und hat keine Ahnung, warum sie blutet. Sie fragt sich, ob sie für etwas bestraft wird. Aufgewühlt läuft sie zu Elizabeth, denn sie denkt sogar, dass sie sterben muss. Diese erklärt ihr, dass sie zur Frau wird und dass sie nun, damit ihr eigener Schoss fruchtbar werde, tief im Schoss der Natur bleiben müsse. So wird Pearl mit all ihren Ängsten bis zum nächsten Morgen in einem unterirdischen Raum eingesperrt.


Es folgen einige bizarre Szenen und wir erleben, welches Gedankengut Oberhaupt Papa S. in seiner Sekte gesät hat.
Doch dann kommt der gleichaltrige Ellis mit seiner Mutter und seiner kleinen Schwester nach Saat. Er ist so anders als alle Menschen, die Pearl kennt. Und vor allem hinterfragt er Papa S., bezeichnet ihn sogar als Lügner. Pearl ist hin- und hergerissen, denn so eine Gehirnwäsche von klein auf lässt sich nicht so schnell niederreissen. Doch nach und nach gerät ihr Weltbild ins Wanken ....


Die fünfzehnjährige Pearl ist zu Beginn ein sehr treues Mitglied der Gemeinschaft. Sie himmelt Papa S. an und würde alles für ihn tun. Von der Welt hat sie keine Ahnung, denn sie lebt nach den strengen Regeln von Papas S. und hinterfragt diese nie. So ist sie vor allem am Anfang sehr naiv. Doch nach und nach beginnt sie eigenständiger zu denken und erste Zweifel keimen auf.

Lisa Heathfield schafft es, eine enorm dichte und beklemmende Atmosphäre aufzubauen und die allgegenwärtige, unterschwellige Gefahr lässt einen durch die Seiten fliegen. Die Autorin arbeitet gekonnt mit den bösen Vorahnungen, die einem beim Lesen die Haare zu Berge stehen und kaum zu Atem kommen lassen.
Die Thematik mit der Sekte ist sehr glaubwürdig aufgearbeitet Es ist spannend, aber vor allem unglaublich erschreckend, wie ein einzelner Mensch eine ganze Gruppe beherrschen und wie weit er gehen kann.


Viel Negatives gibt es zu "Hier musst du glücklich sein" wirklich nicht zu sagen. Am Ende ging es mir etwas zu schnell, dafür ist die Wirkung wohl umso grösser.
Es muss einem bewusst sein, dass dieses Buch nicht glücklich macht. Eine rosa Brille hatte zu Beginn nur Pearl auf, die Autorin ganz bestimmt nicht. Und so gibt es die eine oder andere haarsträubende oder brutale Szene, die unter die Haut geht.


Der Schreibstil von Lisa Heathfield ist schlicht und eindringlich. Mit wenigen Worten schafft sie es, dass einem beim Lesen der Atem stockt. Viele Dinge schreibt sie nicht direkt, sondern lässt zwischen den Zeilen lesen und spielt mit den Fantasien der Leser. So entwickelt sich ein regelrechter Lesesog und man muss das Buch einfach so schnell wie möglich beenden.




beklemmend, intensiv, dramatisch
In "Hier musst du glücklich sein" gewährt uns Lisa Heathfield einen erschreckenden Einblick in eine Sekte. Ein Buch voller Gegensätze: ruhig und rasant, faszinierend und schockierend. Nur eins wird man mit dieser Geschichte ganz bestimmt nicht: glücklich. Lesen sollte man sie aber trotzdem!





"Man darf den Honig nicht essen", erkläre ich ihm. "Wenn du das tust, werden die Eier in deinem Inneren ausgebrütet, und dann hast du ganz viele Bienen im Bauch." Ellis sieht mich schockiert an. Als hätte er das nicht gewusst.     (Seite 106)

Es fühlt sich an, als würde ich Sonnenschein tragen, aber irgendwo in mir drin liegt ein schwerer Stein. Ich weiss nicht genau, wo oder warum, und versuche, ihn mit der Kraft der Gedanken wegzuschieben, aber er bleibt da und summt leise vor sich hin.     (Seite 133)

Im Weggehen schaut er zu mir zurück, nur ein Mal.
Und ich? Ich sitze im Apfelbaum und lasse mich von seinen Worten und meinen Gedanken an enen Ort führen, von dem ich weiss, dass ich ihn besser nicht aufsuchen sollte. Aber ich tue es trotzdem. Schritt für Schritt, mit geschlossenen Augen und brennenden Füssen gehe ich dorthin.     (Seite 166/167)



© Favolas Lesestoff


Sonntag, 6. November 2016

[Rezigramm] "Falsche Schwestern" von Cat Clarke


Titel: Falsche Schwestern
Autorin: Cat Clarke
Übersetzerin: Jenny Merling
Genre: psychologischer Spannungsroman
Themen: Familie, Drama, Psychogramm
Verlag: FISCHER FJB (25. August 2016)
ISBN: 978-3841402257
Seiten: 400
empfohlenes Alter: ab 14 Jahren


Inhalt:
Stell dir vor, du hast deine Schwester verloren. Kidnapping. Seit der Entführung vergehen deine Eltern vor Kummer. Das Loch, das deine Schwester in der Familie hinterlassen hat, ist immer schmerzhaft präsent. Alles fällt auseinander.
Stell dir vor, deine Schwester taucht plötzlich wieder auf. 13 Jahre später! Bei deinen Eltern ist die Freude riesig. Alle scheinen glücklich, aber sie drängt sich so in den Mittelpunkt, dass für dich kein Platz mehr in der Familie ist. Sogar deinen Freund spannt sie dir aus.

Doch dann passiert etwas, das alles verändert.
(Bild- und Textquelle: Fischer FJB 



Den Fall Natascha Kampusch haben wohl damals sehr viele mitverfolgt, denn wenn jemand nach so langer Gefangenschaft frei kommt, bewegt das die Leute und wirft viele Fragen auf.
"Falsche Schwestern" wird aus der Sicht der jüngeren Schwester erzählt, so dass der Leser hautnah miterlebt, wie es ist, wenn die eigene Schwester 13 Jahre vermisst wird und wie es sich anfühlt, wenn diese dann plötzlich wieder auftaucht.


Wenn einer Familie so ein schwerer Schicksalsschlag wie Kindesentführung widerfährt, hinterlässt dies seine Narben. Faiths Eltern haben sich getrennt. Sie lebt bei ihrer Mutter, die über die Jahre alles dafür getan hat, dass der Fall Laurel Logan nie in Vergessenheit geraten ist. Die Wochenenden verbringt sie bei ihrem Vater, der mit seinem Freund zusammen wohnt. Faith hat sich, so gut es geht, mit ihrer Situation arrangiert und versucht, jegliche Aufmerksamkeit zu vermeiden. Das Auftauchen der Schwester lässt sie sehr vieles hinterfragen.


Faith hat es wirklich nicht einfach. Erst muss sie jahrelang mit der Situation zurecht kommen, dass zum einen ihre Schwester vermisst ist, zum anderen muss sie miterleben, wie sich ihre Eltern unter dieser schweren Last verändern. Als Laurel dann wieder auftaucht, ist sie zwiegespalten. Selbstverständlich freut sie sich, dass ihre Schwester wieder da ist, doch sie muss auch erst lernen, mit der neuen Familiensituation umzugehen, vor allem, weil sich nun noch mehr alles um Laurel dreht und die Presse an jeder Ecke lauert.

Cat Clarke hat eine schwierige und brisante Thematik sehr eindringlich umgesetzt. Zudem erzählt Faith sehr fesselnd. Mit "Falsche Schwestern" bekommen wir eine äusserst interessante Charakterstudie und viel unterschwellige Spannung. Die Emotionen beim Lesen schwanken zwischen Neugierde und Beklemmung, so dass man das Buch kaum noch aus der Hand legen kann.


Leider verraten die Inhaltsangabe und vor allem der Titel schon sehr viel über die Geschichte. Doch dies ist nur ein Wermutstropfen, "Falsche Schwestern" ist trotzdem sehr spannend.


Der Schreibstil von Cat Clarke ist ruhig und eindringlich. Allein mit ihren Charaktere und einer unheimlich dichten Atmosphäre schafft die Autorin es, die Leser total an die Seiten zu fesseln. Sie setzt viel mehr auf den psychologischen Blick in Faiths Gefühlswelt als auf actionreiche Szenen.





"Falsche Schwestern" ist ein sehr gelungener psychologischer Spannungsroman. Cat Clarke überzeugt mit facettenreichen Charaktere, einer sehr dichten und bedrückenden Atmosphäre und dem brisanten Thema einer Kindesentführung, die sofort unsere Erinnerungen an den Fall Natascha Kampusch wecken.
Obwohl der Titel leider schon einiges verrät, konnte ich mich dem Lesesog des Buches nicht entziehen und konnte es kaum noch aus der Hand legen. Eine tiefgründige Geschichte, die man nicht so schnell vergessen wird.







In diesem Haus lauern überall Fallen und Schuldgefühle, sie verstecken sich unter den Dielen und hinter der Tapete. Man kann sie nachts sogar flüstern hören .     (Seite 12)

Aber in 13 Jahren kann sich viel ändern. Da kann eine Mutter sich schon mal vor lauter Trauer fast auflösen, ein Vater mit einem tollen Franzosen zusammenziehen und eine kleine Schwester aufhören, Sandburgen zu bauen und stattdessen anfangen, Mauern um sich herum zu errichten.     (Seite 40)

Alle wollen was vom Kuchen abhaben, und Mum hat anscheinend nicht das geringste Problem damit, jedem ein Stück abzuschneiden und auch noch mit einer hübschen Verzierung auf dem Teller zu überreichen.     (Seite 170) 



©  Favolas Lesestoff


Montag, 16. November 2015

[Rezension] "In deinem Licht und Schatten" von Louisa Reid





Titel: In deinem Licht und Schatten
Reihe: nein
Autorin: Louisa Reid
Übersetzerin: Alexandra Ernst
Genre: Jugendbuch, Drama
Verlag: FISCHER FJB (25. September 2014)
ISBN: 978-3841421524
Seiten: 320






"In deinem Licht und Schatten" hat mich sofort mit seinem speziellen Cover angesprochen. Es ist sehr atmosphärisch und düster und das Bild auf dem Friedhof verspricht ein bedrückendes, ja trauriges Buch zu werden.





Rebecca und ihre Zwillingsschwester könnten unterschiedlicher nicht sein: Die eine schön wie im Märchen, die andere hässlich wie die Nacht. Nur eines haben sie gemeinsam: das Elternhaus, in dem Kälte und Gewalt regieren. Seit sie denken können. retten die Schwestern sich gegenseitig vor den Ausbrüchen des Vaters. Bis eine den Ausbruch wagt und die andere zurücklässt. 
Denn wenn dein Leben die Hölle auf Erden ist, was hast du dann noch zu verlieren?
Alles.
(Bild- und Textquelle: Fischer FJB)





Einstieg ins Buch:
Sie haben mich gezwungen, heute zur Beerdigung meiner Schwester zu gehen.

Die  16-jährigen Zwillingsschwestern Rebecca und Hephzibah leben bei ihren Eltern im Pfarrhaus. Nur schon an ihren hebräischen, biblischen Namen erkennt man, dass sie sicher streng gläubig aufwachsen. Doch was sich wirklich hinter den Mauern des Pfarrhauses abspielt, wagt wohl kaum jemand zu denken, denn der Vater ist nicht nur fundamentalistisch sondern auch sehr gewaltbereit. So erleiden die Schwestern tagtäglich Erniedrigungen und tragen tiefe seelische und körperliche Narben.  Von der Mutter bekommen die beiden Mädchen leider keinerlei Unterstützung, denn sie steht voll hinter ihrem Mann und ist wohl froh, dass nicht sie negative Aufmerksamkeit ihres Mannes abbekommt. 

Heute ist ein weiterer schwarzer Tag, der sich tief in mein Herz eingeritzt hat. Es sind so viele, dass ich sie nicht mehr zählen kann. Wenn man mich öffnen würde, würde man unter Haut und Knochen eine Bibliothek der Schmerzen finden.     (Rebecca, Seite 8)

Schon im ersten Satz erfahren wir, dass die eine Zwillingsschwester stirbt. Die Kapitel sind dann trotzdem aus beiden Perspektiven erzählt. Von Rebecca erfahren wir das Danach - nach dem Tod von Hephzibah - und Hephzi erzählt und das Davor. So erleben wir, wie unterschiedlich die beiden Schwestern sind, welch verschiedene Ziele und Interessen sie haben. Hephzi möchte in der Schule beliebt sein, ist auf der Suche nach Bestätigung und Liebe. So agiert sie ihrer Schwester gegenüber oft sehr egoistisch. Rebecca leidet am Treacher-Collins-Syndrom (erbliche Erkrankung mit Gesichtsfehlbildungen) und bekommt so die Wut des Vaters noch öfters zu spüren, denn so 'etwas' ist ganz bestimmt nicht von Gott gewollt .... Rebecca würde alles für ihre Schwester tun; seien das nun die Hausaufgaben, für sie zu lügen, sie zu decken oder sie zu schützen. 

Es ist ziemlich anstrengend, jede Sekunde irgendjemanden anlügen zu müssen. Entweder ich spiele in der Schule Theater oder zu Hause. Ich kann mich nur abends im Bett entspannen, und selbst da ist Rebecca, die mich ausquetscht. Allerdings weiss sie sowieso fast alles über mich. Das Einzige, was sie nicht weiss, ist die Tatsache, dass mein Leben genauso beschissen ist wie ihres.        (Hephzi, Seite 74)

Durch die Schilderungen der Töchter sehen wir hinter die Fassade des tyrannischen Vaters. Als Pfarrer stellt er sich jedoch jeden Sonntag auf die Kanzel und mimt den tollen Gottesmann. Er ist gross und attraktiv und die meisten Kirchengänger schauen zu ihm auf. Und so kommt niemand auf die Idee, was die Mädchen alles durchmachen müssen oder aber es wird einfach nicht genau hingeschaut. Denn dass mit den beiden etwas nicht stimmt, kann nicht von der Hand zu weisen sein. Sie besuchen erst seit kurzem die öffentliche Schule und haben keine Ahnung vom normalen weltlichen Leben.

Die Gewalt ist nicht von Anfang an fassbar. Wir bekommen sie zuerst durch die Ängste der Schwestern zu spüren, sie wiegelt sich dann jedoch langsam hoch. Es werden Andeutungen gemacht und Seiten später bekommen wir dann die schreckliche Bestätigung: Hephzibah und Rebecca sind durch die Hölle gegangen - immer und immer wieder - und hatten nur einander .... und nun ist Rebecca allein und sie weiss, dass sie unbedingt von zuhause ausbrechen muss, wenn sie nicht so enden möchte wie ihre Schwester.

Eltern, wie Hephzi und ich sie hatten. Irre, die in ganz normalen Kleidern durch die Strasse gingen, die lächelten und Geld für wohltätige Zwecke sammelten. Und die zum Gebet auf die Knie fielen, wenn niemand sie sah, und sich die Masken von den Gesichtern rissen und den Teufel aus sich herausliessen.     (Rebecca, Seite 64) 

Louisa Reid schreibt eindringlich, ergreifend und beschwört eine beklemmende Atmosphäre herauf. Die dramatische Geschichte lässt wohl niemanden kalt, sondern geht unter die Haut und lässt einen entsetzt zurück. Man kann sich kaum vorstellen, dass es so etwas heutzutage noch gibt, doch Fanatismus macht leider viel Unvorstellbares möglich.





"In deinem Licht und Schatten" ist wirklich eine schwere Kost und liegt einem noch lange auf dem Magen. Louisa Reid erzählt das Schicksal der Zwillingsschwestern Rebecca und Hephzibah, die ein Schattendasein führen und kaum einen Lichtblick haben. Doch es ist auch eine emotionale, eindringliche Lektüre, die einen in seinen Bann zieht und nicht mehr so schnell loslässt.







Louisa Reid ist glückliche Mutter von zwei Töchtern, die sie jeden Tag zum Lachen bringen. Ihre Texte hingegen waren schon immer ungewöhnlich – so ungewöhnlich, dass ihre kleine Schwester manchmal bei der bloßen Beschreibung der Textideen zu schluchzen anfing. Für ihr Debüt ›In deinem Licht und Schatten‹ wurde die Autorin mit Lob überschüttet, und der Text rührte – wie könnte es anders sein – viele Leser zu Tränen. Louisa Reid lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Cambridge.

(Textquelle: Fischer Verlage)




© by Favolas Lesestoff

Dienstag, 16. Juni 2015

[Rezension] "Kindheit. Wie unsere Mutter uns vor den Nazis rettete" von Peggy Parnass





Titel: Kindheit. Wie unsere Mutter uns vor den Nazis rettete
Autorin: Peggy Parnass
Illustratorin: Tita do Rego Silva
Genre: Drama, Biografie, Historisches
Verlag: FISCHER KJB (22. September 2014)
ISBN: 978-3596856725
Seiten: 80
empfohlenes Lesealter: ab 12 Jahren





Manchmal gibt es Bücher, die müssen einem in die Hand gedrückt werden, damit man sie entdeckt.





Die Schauspielerin, Kolumnistin, Gerichtsreporterin und Autorin Peggy Parnass erzählt in diesem bewegenden Memoire ihre Kindheitsgeschichte: 1939 wurde sie mit ihrem vierjährigen Bruder mit einem Kindertransport nach Stockholm geschickt. Ihre Eltern sah sie nie wieder. Sie wurden in Treblinka von den Nazis ermordet.
Die leuchtenden Farbholzschnitte der brasilianischen Künstlerin Tita do Rêgo Silva stehen im Kontrast zum Inhalt und verleihen ihm damit eine noch größere Intensität.
(Bild- und Textquelle: Fischer Verlage)





Einstieg ins Buch:
Natürlich habe ich gleich ja gesagt, als es um Kindheitserlebnisse ging. So wie ich immer viel zu schnell ja sag, wenn ein Thema mich reizt. Erst hinterher fiel mir ein, dass ich nie Kind war. Vielleicht jetzt inzwischen bin ich's. Gelegentlich.

Ich habe in meiner Jugend sehr viele Bücher mit dem Holocoust-Hintergrund gelesen, so dass ich seit einigen Jahren eine Übersättigung feststellen musste und immer einen Bogen um Bücher gemacht habe, die den 2. Weltkrieg thematisieren. Hier konnte ich jedoch nicht widerstehen, denn "Kindheit" wurde mir ans Herz gelegt und ich musste feststellen, dass mir mit diesem Werk ein richtiger Schatz in die Hand gedrückt wurde. Manchmal muss man halt zu seinem Glück 'gezwungen' werden.

Autorin und Illustratorin haben sich 1989 kennenglernt und beide Frauen waren von der Kunst der jeweils anderen sehr angetan. Tita do Rego Silva hatte einige Bücher von Peggy Parnass gelesen, besonders gefallen hat ihr das Kapitel 'Kindheit' aus "Unter die Haut". Gemeinsam haben sie sich daran gemacht, dieses einzelne Kapitel aufzuarbeiten und Peggy Parnass bat die Illustratorin, für die Holzschnitte viel gelb zu verwenden, da ihre ersten Jahre sehr schön waren - voller Liebe und Licht. 

In sehr kurzen Abschnitten und kindlich direkter Sprache erzählt Peggy Parnass Ausschnitte aus ihrer Kindheit. Im Zentrum steht vor allem ihre herzensgute Mutter, die die Familie zusammengehalten hat. Doch schnell spüren wir auch das Leid, das zwischen fast jeder Zeile zu uns durchdringt. Obwohl die Thematik der Juden im zweiten Weltkrieg eher unterschwellig behandelt wird, lesen sich die Seiten aufwühlend und eindringlich und es ist uns sofort klar, wie prägend solche Kinderjahre sind.
Die bildgewaltigen, farbenfrohen Illustrationen sind aussergewöhnlich und unterstreichen die Textpassagen zusätzlich.

Obwohl sie wusste, dass sie uns nie wiedersieht, stand sie da und hat gelacht, ihr herrliches Lachen mit weit aufgerissenem Mund, und gewunken, solange wir sie sehen konnten. Damit uns der Abschied nicht so schwerfällt.     (Seite 43)

Die grossformatige Originalausgabe erschien 2012 in limitierter Auflage in einem Hamburger Kunstverlag und wurde von der Stiftung Buchkunst als eines der schönsten Bücher 2013 ausgezeichnet. Da diese Ausgabe jedoch sehr schnell vergriffen war, brachte Fischer KJB und Die Bücher mit dem blauen Band eine kleinformatigere Neuauflage heraus, so dass auch ich in den Genuss dieses eindrücklichen Gesamtkunstwerks kam.






Kindlich direkte Textpassagen und bildgewaltige Holzdrucke machen "Kindheit. Wie unsere Mutter uns vor den Nazis rettete" zu einem Gesamtkunstwerk.
In wenigen Worten gelingt es Peggy Parnass aufzuwühlen und verhindert zu vergessen ....





Ein Blick auf die Homepage von Peggy Parnass lohnt sich definitiv. Die vielen Informationen und Fotos sind eine Bereicherung und man sieht auch, wie die Illustrationen entstanden sind: *klick*





Peggy Parnass studierte in Stockholm, London, Hamburg und Paris. Siebzehn Jahre lang schrieb sie Gerichtsreportagen für die Zeitschrift »Konkret« und veröffentlichte fünf preisgekrönte Bestseller: ›Prozesse‹, ›Unter die Haut‹, ›Kleine radikale Minderheit‹, ›Süchtig nach Leben‹ und ›Mut und Leidenschaft‹. Sie wurde mehrfach ausgezeichnet u.a. mit dem Joseph-Drechsel-Preis für herausragende Leistungen im Journalismus, dem Fritz-Bauer-Preis, der Biermann-Ratjen-Medaille und dem Goldenen Drachen St. Georgs.

(Textquelle: Fischer Verlage)