Montag, 25. Mai 2026

"Weavingshaw" von Heba Al-Wasity




TitelWeavingshaw
Reihe: Band 1
Autorin: Heba Al-Wasity 
Übersetzer: Diana Bürgel
Verlag: Forever (30. April 2026)
Genre: Fantasy, Gothic Fantasy
Seiten: 544






Lesegrund:

Ja, ich liebe schöne Bücher und die Optik von "Weavingshaw" sprach mich sofort an, doch auch die Inhaltsangabe klang wirklich vielversprechend. Eine Protagonistin, die mit den Toten spricht, ein verfluchtes Anwesen in den Mooren und ein morally grey Charakter versprachen eine gute Mischung aus Spannung, Romantik und Abgründen. So musste ich unbedingt herausfinden, ob mehr hinter der wunderschönen Fassade steckte...


Kurzbeschreibung:


Je dunkler das Geheimnis, desto höher der Preis.
Leena hat ein schreckliches Geheimnis: Die Toten sprechen nur zu ihr. Um ihren Bruder zu retten, verkauft sie ihr Geheimnis an den unergründlichen Saint, einen Mann, der Schuld in Gold verwandelt. Trotz aller Warnungen gerät Leena in die Fänge des Saints und muss für ihn einen Geist finden. Die Suche führt sie in die düsteren Hallen von Weavingshaw, einem verfluchten Anwesen auf den Mooren. Dort beginnt ein gefährlicher Tanz aus Anziehung und Verrat …
(Bild- und Textquelle: Forever) 



meine Meinung:



Einstieg ins Buch:
"Sag mir, wie ich den Saint finden kann."
Eine geraume Weile starrte die alte Frau das Mädchen nur an, die Augen schmal, die schrumpeligen Lippen geschürzt. Ohne den Blick zu senken, nahm sie langsam einen Zug aus ihrer Pfeife. "Hast du ein Geständnis zu machen, Leena?"


"Weavingshaw" von Heba Al-Wasity ist ein Gothic-Fantasy-Auftakt, der zuerst mit seiner Optik und dann vor allem mit seiner Atmosphäre überzeugt. Schon nach wenigen Seiten zieht die Geschichte einen in eine dunkle Welt voller Geheimnisse, Geister und verborgener Abgründe.

Im Mittelpunkt steht Leena, die ein gefährliches Geheimnis mit sich trägt. Sie kann nämlich die Toten sehen. Als ihr Bruder schwer krank wird, bleibt ihr keine andere Wahl, als sich an den Saint der Stille zu wenden, einen Mann, der mit Geheimnissen handelt und Schuld in Gold verwandelt. Doch aus einem einfachen Handel wird schnell weit mehr. Leena gerät immer tiefer in seine Welt hinein und soll für ihn einen bestimmten Geist finden. Die Spur führt sie nach Weavingshaw, einem alten Anwesen mitten in den Mooren, wo die Geschichte immer düsterer und bedrückender wird.

Besonders gelungen fand ich die Atmosphäre. Die Autorin erschafft eine Welt, die wie unter einem grauen Schleier liegt. Verlassene Hallen, Geister, dunkle Gänge und neblige Landschaften sorgen dafür, dass das Buch fast schon etwas Melancholisches bekommt.

Auch Leena mochte ich als Hauptfigur sehr. Sie ist nicht perfekt, aber genau das macht sie sympathisch. Sie kämpft für ihren Bruder, trifft nicht immer die richtigen Entscheidungen, bleibt aber trotzdem stark und standhaft. 

Mit Saint Silas hatte ich dagegen etwas mehr Schwierigkeiten. Er bleibt lange kühl, verschlossen und schwer greifbar. Teilweise wirkte er eher bedrohlich als anziehend, was zwar zur Geschichte passt, die Liebesgeschichte aber manchmal etwas distanziert wirken liess. Der Slow Burn zwischen den beiden entwickelt sich sehr langsam, was grundsätzlich gut funktioniert, ich hätte mir aber definitiv mehr Tiefe gewünscht.

Der Schreibstil ist angenehm und sehr bildhaft. Die Geschichte ist sehr ruhig und lebt nicht von grossen Actionszenen. Vor allem im Mittelteil hatte die Geschichte für mich einige Längen und die Handlung drehte sich stellenweise im Kreis, so dass ich mich ab und zu richtiggehend dazu aufraffen musste, weiterzulesen. Im letzten Drittel zieht Heba Al-Wasity dann aber das Tempo an, was das Buch für mich rettete.

Spannend fand ich die gesellschaftlichen Themen, die immer wieder zwischen den Zeilen auftauchen: Ausgrenzung, Machtmissbrauch und soziale Ungleichheit fügen sich gut in die düstere Welt ein, ohne sich zu sehr in den Vordergrund zu drängen.


Fazit:

"Weavingshaw" wäre für mich beinahe eine Bruchlandung geworden. Nach einem vielversprechenden Einstieg in die Geschichte, versank diese leider immer mehr im Moor von Weavingshaw, wo sie sich nur noch schleppend vorwärtsbewegte. Zum Glück konnte mich die Idee und die Atmosphäre so begeistern, dass ich dranblieb. Im letzten Drittel lichteten sich die Nebel, die Geschichte nahm an Fahrt auf und am Ende hat sich der beschwerliche Weg durch das Moor doch gelohnt.
Wer düstere Gothic Fantasy mit Geistern, Geheimnissen und langsam aufgebauter Spannung mag, sollte definitiv einen Blick auf dieses Buch werfen.






© Favolas Lesestoff

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