Sonntag, 28. Mai 2017

[Rezension] "Witch Hunter - Herz aus Dunkelheit" von Virginia Boecker





Titel: Witch Hunter - Herz aus Dunkelheit
Reihe: Witch Hunter, Band 2 / 2
Autorin: Virginia Boecker
Übersetzerin: Alexandra Ernst
Genre: Fantasy
Verlag: dtv Verlagsgesellschaft (11. November 2016)
ISBN: 978-3423761512
Seiten: 384
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: ab 14 Jahren









Im Januar 2016 habe ich "Witch Hunter" gelesen. Die tolle Mischung der mittelalterlichen Hexenjagd und einigen fantastischen Aspekten zauberten ein unterhaltsames Lesevergnügen, das ich gar nicht mehr aus der Hand legen wollte. Und so freute ich mich schon auf die Fortsetzung.



Was bleibt der gefürchteten Hexenjägerin Elizabeth Grey, nachdem sie ihr Stigma und damit ihre magische Unverwundbarkeit verloren hat? Ihr Kampfgeist. Und ihre Liebe. Doch nicht alle trauen der ehemaligen Gegnerin. Und was hat John, der Heiler, gewonnen, nachdem die Kraft des Stigmas auf ihn übergegangen ist? Sein Leben. Und eben jene Unverwundbarkeit. Aber diese Kraft verändert ihn. Und schon bald erkennt Elizabeth ihn kaum wieder. Denn seine neue Macht treibt ihn in den tobenden Krieg. Wird Elizabeth John vor dem Sog des Stigmas schützen können? Ohne ihre einstige Stärke, aber mit dem Mut der Verzweiflung?
(Bild- und Textquelle: dtv Verlagsgesellschaft)




Einstieg ins Buch:
Ich sitze auf der Bettkante und warte. Heute ist der Tag, vor dem ich mich seit Monaten fürchte. 

Virginia Boecker war mit "Witch Hunter" ein erfrischender Auftakt gelungen, der nicht nur mit Hexen und Hexenmeistern sondern auch mit Piraten, Geistern, Ghouls, Wiedergängern und vor allem mit sympathischen Charaktere aufwartete. Die tolle Mischung der mittelalterlichen Hexenjagd und einigen fantastischen Aspekten zauberten ein unterhaltsames Lesevergnügen, das ich gar nicht mehr aus der Hand legen wollte. Kein Wunder also, dass ich mich auf das Finale dieser Dilogie freute. Und ich kann schon vorab verraten, dass mir "Witch Hunter - Herz aus Dunkelheit" sogar fast noch ein bisschen besser gefallen hat.

Band 2 steigt an einer taktisch gut gewählten Stelle ein. Der ehemaligen Hexenjägerin Elizabeth steht nämlich ihre Anhörung vor dem Rat an. 
Virginia Boecker geht es am Anfang ruhig an und gibt dem Leser Zeit, sich wieder in der Geschichte mit all ihren Charaktere und Wesen zurechtzufinden. Danach zieht die Autorin den Spannungsbogen gekonnt an und weiss auch zu überraschen.

Hier sitze ich, angekettet an einen Stuhl, in einem blutgetränkten Kleid mit einer blutgetränkten Vergangenheit, und wieder einmal verlangt man von mir, dass ich Blut vergiesse, um Frieden zu finden.     (Seite 42)

Auch dieser zweite Teil ist aus der ich-Perspektive von Elizabeth geschrieben. Durch das Präsens ist man wieder hautnah am Geschehen dabei.
Elizabeth ist eine starke und sympathische Protagonistin, denn sie wirkt ehrlich und authentisch. Im ersten Band hat sie ihr Stigma auf John übertragen und genau das bringt sie nun in ein Dilemma. Auf der einen Seite ist sie froh, dass sie ihm damit helfen kann, auf der anderen Seite hätte sie den Schutzzauber gerne zurück um besser kämpfen zu können. Zudem sieht sie, wie sich John durch das Stigma verändert: aus dem mitfühlenden Heiler wird ein skrupelloser Kämpfer. So überrascht es nicht, dass die harmonische Beziehung zwischen den beiden zu bröckeln beginnt.

Es ist sehr spannend, die Entwicklung von Elizabeth und John mitzuverfolgen. Zudem treffen wir etliche Charaktere aus dem ersten Band wieder. Sehr gut gefallen hat mir, dass der Widergänger Skyler mehr Platz bekommen hat. Die Szenen mit ihm hatten immer einen extra hohen Unterhaltungswert. Aber auch sonst ist "Witch Hunter - Herz aus Dunkelheit" ein richtig klasse Schmöker, aus dessen Welt man nicht mehr so schnell wieder auftauchen möchte.
Zwar ist er etwas düsterer als noch sein Vorgänger doch in Sache Spannung und Unterhaltungswert steht er ihm in nichts nach. Im Gegenteil: Virginia Boecker konnte mich noch mehr faszinieren und fesseln, so dass ich am Ende etwas traurig das Buch zuklappte und gerne auf einen weiteren Band gewartet hätte. Aber wie lautet ein bekanntes Sprichwort? Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist!





spannend, fesselnd, magisch
"Witch Hunter - Herz aus Dunkelheit" ist wieder ein klasse Buch und somit ein wirklich gelungener Abschluss der Dilogie. Virginia Boecker vereint ein historisches Setting mit Fantasy und facettenreichen Charaktere in einem absolut lesenswerten Schmöker.
Eine fantastische Dilogie, die ich nur weiterempfehlen kann!








      


          1.     Witch Hunter     →      zu meiner Rezension
          1.5   Witch Hunter - Johns Geschichte   (Eine Witch Hunter Novella)          
          2      Witch Hunter - Herz aus Dunkelheit
Mehr über die Welt von "Witch Hunter" gibt es im Reihenspecial.







Virginia Boecker hat ihren Abschluss in Englischer Literatur an der University of Texas gemacht. Sie lebte vier Jahre in London, während der sie sich auf jedes kleinste Detail zur mittelalterlichen Geschichte Englands gestürzt hat, die die Grundlage für „Witch Hunter“, ihren ersten Roman, bildet.





© Favolas Lesestoff

Freitag, 26. Mai 2017

[Rezigramm] "Pearl - Liebe macht sterblich" von Julie Heiland



Titel: Pearl - Liebe macht sterblich
Reihe: nein
Autorin: Julie Heiland
Verlag: FISCHER FJB (24. Mai 2017)
Genre: Urban Fantasy
ISBN: 978-3841440174
Seitenzahl: 352
empfohlenes Lesealter: ab 14 Jahren


Inhalt:
Die ungestillte Sehnsucht nach Liebe macht sie unsterblich. Aber alles, was sie will, ist endlich zu lieben. 
„Zweihundert Jahre habe ich die Liebe gesucht, wollte sie mehr als alles andere – nie hat sie sich meiner erbarmt. Ich habe noch nie geliebt. Wurde noch nie geliebt.“
Pearl ist eine Suchende. Ihre Sehnsucht nach Liebe ist so groß, dass sie selbst im Tod keine Ruhe gefunden hat und zur Unsterblichkeit verdammt ist. Sie hat nur eine Möglichkeit, erlöst zu werden: sie muss die wahre, aufrichtige Liebe erfahren. Aber der, den sie endlich lieben kann, stellt sich als ihr größter Feind heraus. Wird er ihre Gefühle erwidern und sie befreien oder wird er ihr Schicksal auf ewig besiegeln?
(Bild- und Textquelle: Fischer FJB)  




Als Einstieg ins Buch begleiten wir Pearl zu ihrem Date mit John. Er könnte der Richtige sein und sie erlösen. Doch sollte er nicht ihr Seelenpartner sein, würde sie ihm durch den Kuss seine Liebe rauben, so dass er nie wieder dieses Gefühl empfinden könnte. Und da sich Pearl einfach nicht sicher ist, schliesslich hat sie selber noch nie Liebe empfunden, lässt sie ihn ziehen.


Trotzdem gerät sie in den Fokus der Jäger, die 'böse' Suchende ausfindig machen und eliminieren.
Julie Heiland startet recht einfach in ihr neues Buch "Pearl - Liebe macht sterblich", bevor sie immer tiefer in ihre Thematik eintaucht. 


Pearl ist damals mit 18 Jahren ungeliebt gestorben und weilt nun schon seit 200 Jahren als Suchende auf der Erde, um ihre wahre Liebe zu finden und erlöst zu werden. Trotz dieser langen Zeit, in der sie Erfahrungen sammeln konnte, erschien sie mir zu Beginn recht naiv. Zum Glück entwickelt sie sich jedoch weiter, so dass sie einem immer mehr ans Herz wächst.
Pearl wohnt mit zwei anderen Suchenden in einem wunderschönen Palazzo. Damian und Alexa sind ihre Familie und ich fand es sehr spannend, die beiden besser kennenzulernen, denn sie zeigen einem sehr schön auf, in welche beiden Richtungen Suchende sich entwickeln können.

Auch in "Pearl" schafft Julie Heiland eine dichte Atmosphäre. Das Setting in Venedig, der Stadt der Liebe, könnte nicht passender sein und die Autorin setzt die typischen Merkmale der Lagunenstadt gekonnt ein.
Die Idee der Suchenden und Jäger bringt wieder einmal etwas frischen Wind in den Buchmarkt und hat mir sehr gut gefallen. Die komplexe Thematik wird sehr gut eingeführt und mit kursiv gedruckten Rückblicken auf Pearls bitteres Leben eindrucksvoll untermauert.

Unsterblichkeit, die Suche nach der wahren Liebe, Venedig .... all diese Stichwörter deuten daraufhin, dass "Pearl" ein Buch der grossen Gefühle ist. Und ja, wir erleben Freundschaft, Eifersucht, Hass, Sehnsucht und selbstverständlich auch die Liebe. Manchmal war mir die Geschichte sogar etwas zu kitschig.


Julie Heilands Schreibstil ist schlicht, aber auch bildhaft und mitreissend. Ihre oft kurzen Sätzen entwickeln beim Lesen eine tolle Dynamik so dass man das Buch kaum noch aus den Händen legen kann.
Die Geschichte ist meistens aus der ich-Perspektive von Pearl erzählt, so dass wir ihre Gefühlswelt sehr schön zu spüren bekommen. Zwischendurch bekommen wir jedoch auch Einblicke in das Leben eines verbittertenJägers, was sehr interessant ist.




Mit "Pearl - Liebe macht sterblich" bietet uns Julie Heiland einmal mehr Lesestoff, den man kaum aus der Hand legen kann. Ihre Idee und das Setting ist grandios umgesetzt und die Geschichte löst beim Lesen viele Emotionen aus - ab und zu jedoch auch ein Augenrollen, weil es etwas zu kitschig ist. Der Ausflug nach Venedig lohnt sich aber trotzdem!






Alles in meinem Dasein ist auf die Liebe ausgerichtet, und dennoch weiss ich so gut wie nichts über sie. Weiss nicht, wie sie sich anfühlt. Kann es nur ahnen. Mir in meiner Phantasie ausmalen.     (Seite 11)

Sein Grinsen ist das eines gerissenen Gauners, der weiss, dass er problemlos aus dem eigentlich so fest verschlossenem Tresor das teure Kunststück erbeuten kann: mein Herz.    (Seite 112)

Die Zeit vergeht, aber das stört mich nicht. Davon habe ich mehr als genug.     (Seite 148)

Mein Herz schlägt laut und heftig. Und mit jedem Schlag reisst das Loch in meiner Brust ein Stück weiter auf. Meine Sehnsucht wächst, seit ich Noah kenne. Breitet sich aus wie Unkraut.     (Seite 152) 






     

  1. Bannwald      →   zu meinem Rezigramm
  2. Blutwald          →    zu meinem Rezigramm
  3. Sternenwald          →    zu meinem Rezigramm



© Favolas Lesestoff

Donnerstag, 18. Mai 2017

10 Bücher von meiner Wunschliste




Ich nutze den heutigen Beitrag, um euch die zehn Titel aus dem Herbstprogramm zu zeigen, auf die ich mich am meisten freue. Leicht ist es mir nicht gefallen, mich auch nur zehn Bücher festzulegen, denn der kommende Leseherbst wird toll!


            

           


Erika Johansen konnte mich schon mit dem ersten und zweiten Band von "Die Königin der Schatten" begeistern. Und so freue ich mich schon riesig auf die Fortsetzung, denn wer einen solch fesselnden und überzeugenden Mittelteil schreiben kann, legt bestimmt ein fulminantes Finale hin. "Die Königin der Schatten. Verbannt" erscheint am 26. Juni 2017.

Vor kurzem habe ich "Das Reich der sieben Höfe - Dornen und Rosen" von Sarah J. Maas gelesen. Es ist in toller Schmöker, der mir viel Lesespass bereitet hat. So freue ich mich, dass es schon am 4. August mit "Flammen und Finsternis" weitergehen wird.

Am 11. September wird dann eine weitere Fortsetzung erscheinen, auf die ich mich schon riesig freue. "Amani - Rebellin des Sandes" ist eine excellente Fantasygeschichte mit einem Hauch von 1001 Nacht und einem Schuss Western. Mit viel Spannung, einem atemberaubenden Setting und perfekt dosierter Leidenschaft entführt uns Alwyn Hamilton nach Maraji und wirbelt viel Staub auf. So bin ich schon sehr gespannt, ob mich "Amani - Verräterin des Throns" wieder so begeistern kann.

Von Nina Blazon habe ich schon einige Bücher gelesen und enttäuscht wurde ich bisher von keinem. Richtig begeistern konnte sie mich mit "Der dunkle Kuss der Sterne". Ich finde es bewundernswert, wie breit gefächert die Autorin schreibt. High Fantasy, Urban Fantasy, historisch angehaucht .... und kein Buch gleicht dem anderen. So muss ich natürlich auch herausfinden, was zwischen den wunderschönen Buchdeckeln von "Fayra - Das Herz der Phönixtochter" steckt.

"Illuminae" von Amie Kaufman und Jay Kristoff ist momentan in aller Munde. Vor allem die Gestaltung des Buches soll sehr spektakulär sein und es schwappt ein regelrechter Hype von Amerika zu uns rüber. Von Amie Kaufman habe ich schon "These Broken Stars" gelesen, welches mir intergalaktischen Lesespass beschert hatte.

Leigh Bardugo wurde mit ihrer Grischa-Trilogie bekannt. Am 2.10. erscheint nun "Das Lied der Krähen", der Nr. 1-Beststeller aus den USA, bei uns. Es soll temporeiche Abenteuer-Fantasy über eine Gruppe Verbrecher sein.

Von Teri Terry habe ich schon einige Bücher gelesen und immer konnte sie mich fesseln und faszinieren. Kein Wunder also, dass auch ihr nächstes Buch sofort auf meiner Wunschliste gelandet ist. "Infiziert" soll schon am 1. Juli erscheinen.

Lange habe ich darauf gewartet, dass "Fangirl" von Rainbow Rowell übersetzt wird. Alle, die das Original gelesen hatten, waren begeistert. Nur gut, hat sich Hanser dem Buch angenommen, so dass wir die Zwillinge Cath und Wren ab dem 24. Juli kennenlernen dürfen.

Kasie West ist eine Autorin, die ich einfach gerne lesen. Ob richtig tolle Urban Fantasy oder wunderschöne Wohlfühl-Bücher mit Tiefgang - die Autorin kann beides. Am 28. Juli erscheint nun ihr nächstes Buch auf Deutsch und ich bin überzeugt, dass mir auch "PS: Ich mag dich" tolle Lesestunden bescheren wird.

"Liebe ist was für Idioten. Wie mich." war ein wahnsinnig fesselndes Buch, das für mich alles für ein Lesehighlight hatte: Emotionen, Drama, Spannung, Humor und vor allem einen ausserordentlichen Schreibstil. In "So was passiert nur Idioten. Wie uns." erfahren wir nun, wie es mit Viki und Jay weitergeht.
Endlich ist alles gut, endlich hat Viki jemanden gefunden, dem sie vertrauen kann, der ohne Wenn und Aber zu ihr steht. Doch dann findet Viki heraus, dass Jay sich nachmittags heimlich duscht. Das tut doch nur jemand, der etwas zu verbergen hat. Oder?


Welche Bücher stehen bei euch ganz oben auf der Wunschliste?


Mittwoch, 17. Mai 2017

[Rezension] "Das Jahr, in dem ich lügen lernte" von Lauren Wolk






Titel: Das Jahr, in dem ich lügen lernte
Reihe: nein
Autorin: Lauren Wolk
Übersetzerin: Birgitt Kollmann
Genre: Jugendbuch, Drama
Verlag: Carl Hanser Verlag  (30. Januar 2017)
ISBN: 978-3446254947
Seiten: 272
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: ab 12 Jahren








"Das Jahr, in dem ich Lügen lernte" wurde mir an der Buchmesse ans Herz gelegt. 



Erst ist es ein Stock, der Annabelle trifft, dann die Hand, die sich um den Hals eines Vogels schließt, und schließlich der gespannte Draht, der für James lebensbedrohlich wird. Das ist Betty, das neue Mädchen in Annabelles Klasse, die letztendlich das ganze Dorf gegen den kauzigen Außenseiter Toby aufbringt. Doch Annabelle durchschaut ihre Lügen und falschen Anschuldigungen. Und sie kennt Toby, der ihr schon oft zur Seite gestanden hat. Als Betty plötzlich verschwindet und alle Finger auf Toby zeigen, nimmt Annabelle ihren ganzen Mut zusammen und versucht, seine Unschuld zu beweisen.
(Bild- und Textquelle: Hanser Literaturverlage)





Einstieg ins Buch:
In dem Jahr, als ich zwölf wurde, lernte ich zu lügen.
Damit meine ich nicht die üblichen kleinen Schwindeleien von Kindern. Ich meine wirkliche Lügen, die von wirklichen Ängsten gespeist werden.

"Das Jahr, in dem ich lügen lernte" spielt 1943. Das Leben der zwölfjährigen Annabelle gerät völlig aus den Fugen. Nicht wegen des Krieges, wie man vielleicht denken könnte, sondern wegen einem Mädchen, das in ihre Gegend zog.

Es ist eine Zeit, in der die Gemeinschaft, die Familie einen sehr hohen Stellenwert hat und jeder seinen Beitrag dazu beitragen muss. Die Kinder haben lange Schulwege. Annabelle und ihre beiden jüngeren Brüder müssen durch den Wald und sogar durch eine Schlucht. Und genau am Eingang zur Wolfsschlucht steht eines Tages ein grosses, kräftiges Mädchen namens Betty. Sie war aus der Stadt hergeschickt worden und hinter vorgehaltener Hand erzählt man sich, Betty sei 'schwer erziehbar'.

Es beginnt mir Drohungen, Schlägen, gefährlichen Fallen und irgendwie schafft es Betty, das ganze Dorf gegen den Aussenseiter Toby aufzubringen. Nur Annabelle durchschaute das Lügengespinst und als Betty plötzlich verschwindet, beginnt eine regelrechte Hetzjagd gegen Toby. Annabelle nimmt all ihren Mut zusammen, denn sie möchte ihm helfen und seine Unschuld beweisen.

Ich glaube, mir ist noch nie so ein böses Mädchen in einem Jugendbuch begegnet. Wie Annabelle konnte ich es erst gar nicht wahrhaben, dann bekam ich einen Knoten in der Brust und je mehr ich las, desto stärker wurde die Wut in meinem Bauch. Wie konnte ein Mädchen so gemein und skrupellos sein?

Viel zuviel Zeit vergeht, bis sich Annabelle endlich ihren Eltern anvertraut, aber auch danach kann man noch nicht aufatmen. Es dauert lange bis Bettys ganze Intrigen ans Licht kommen. Und als Leser hofft man mit der Protagonistin, dass dieses schreckliche Mädchen zur Rechenschaft gezogen wird, Einsicht zeigt, sich vielleicht sogar entschuldigt. Doch das Buch endet ganz anders, wie man es erwartet hätte.

Doch dann kam mir ein besserer Gedanke, und der begleitete mich von da an: Wenn mein Leben nicht mehr war als eine einzige Note in einer endlosen Sinfonie, musste ich dann nicht diesen einen Ton so lange und so laut spielen wie ich konnte?     (Seite 211)

"Das Jahr, in dem ich lügen lernte" ist eine äusserst hochwertige Geschichte. Es ist unglaublich, wie es ein einzelnes Mädchen schafft, eine ganze Dorfgemeinschaft umzukrempeln und gegen jemanden aufzubringen. Lauren Wolk zeigt uns schonungslos die menschlichen Schwächen. Sie schreibt sehr eindringlich und schafft es schnell, eine dichte Atmosphäre aufzubauen. So ist ein dramatischer Jugendroman über Solidarität und Gerechtigkeit entstanden. Ein Buch, das schockiert, aufrüttelt und noch lange nachhallt.





fesselnd, eindringlich, erschütternd
"Das Jahr, in dem ich lügen lernte" ist eine ernste Geschichte, die schockiert und aufwühlt. Lauren Wolk zeigt uns, was die Macht der Lügen alles anrichten kann und wie wichtig Solidarität, Freundschaft und Gerechtigkeit sind.








Lauren Wolk ist Schriftstellerin, Dichterin und bildende Künstlerin. Sie studierte an der Brown University Literatur, arbeitete u. a. als Redakteurin, Feuilletonistin und Lehrerin und ist derzeit stellvertretende Leiterin des Cultural Center of Cape Cod. Auf der Halbinsel ist sie mit ihrer Familie auch zu Hause. Das Jahr, in dem ich lügen lernte (2017) ist ihr Debüt.





© Favolas Lesestoff

Montag, 15. Mai 2017

[Rezension] "Rat der Neun - Gezeichnet" von Veronica Roth






Titel: Rat der Neun - Gezeichnet
Reihe: Rat der Neun, Band 1
Autorin: Veronica Roth
Übersetzerinnen: Petra Koob-Pawis, Michaela Link
Genre: Science Fiction
Verlag: cbt (17. Januar 2017)
ISBN: 978-3570164983
Seiten: 608
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: ab 14 Jahren








Veronica Roth hat mich mit ihrer Divergent-Reihe in den Bann gezogen. Im Januar erschien nun "Rat der Neun". Ich war sehr gespannt, was sie uns nach ihrem ersten grossen Wurf zeigt.



In einer Galaxie, in der Gewalt und Rache das Leben der Völker beherrschen, besitzt jeder Mensch eine besondere Lebensgabe, eine einzigartige Kraft, die seine Zukunft mitgestaltet. Doch nicht jeder profitiert von seiner Gabe …
Cyra ist die Schwester des brutalen Tyrannen Ryzek. Ihre Lebensgabe bedeutet Schmerz, aber auch Macht – was ihr Bruder gezielt gegen seine Feinde einsetzt. Doch Cyra ist mehr als bloß eine Waffe in seinen Händen: Sie ist stark und viel klüger, als er denkt.
Akos stammt aus einem friedliebenden Volk und steht absolut loyal zu seiner Familie. Als Akos und sein Bruder von Ryzek gefangen genommen werden, trifft er auf Cyra. Er würde alles dafür tun, seinen Bruder zu retten und mit ihm zu fliehen, doch mächtige Feinde stehen ihm im Weg. Akos und Cyra müssen sich entscheiden: sich gegenseitig zu helfen oder zu zerstören …
(Bild- und Textquelle: cbt Verlag)






Einstieg ins Buch:
Die Rauschblumen blühten nur in der längsten Nacht. Die ganze Stadt feierte, wenn sich die Blütenblätter zu einem satten Rot entfalteten - zum einen, weil die Rauschblumen das Herzblut des Volkes darstellte, zum anderen - das vermutete Akos -, damit nicht alle in der Kälte den Verstand verloren.

Nachdem mich Veronica Roth mit ihrer Divergent-Trilogie begeistern konnte, war ich sehr gespannt, was sie sich nach ihrem grossen Wurf hat einfallen lassen.

Es gibt Bücher, die lassen sich weglesen wie nichts, eignen sich perfekte als lockeres Lesefutter für zwischendurch. Wenn ihr zu "Rat der Neun" greift, muss euch klar sein, dass dies hier nicht der Fall sein wird. Veronica Roth hat eine komplexe Welt mit vielen facettenreichen Charaktere geschaffen, die eure ganze Aufmerksamkeit verlangen. Man muss sich auf die Geschichte einlassen, konzentriert lesen und vorab vielleicht die am Ende angehängte Karte und das Glossar studieren, damit einem der Einstieg in die Geschichte leichter fällt. Ich habe mir sogar je einen Stammbaum mit den fremd klingenden Namen aufgezeichnet, damit ich einen besseren Überblick habe. 

Aber ich kann euch sagen, es lohnt sich dran zu bleiben, denn "Rat der Neun" konnte mich genau mit diesem komplexen Weltenentwurf und den spannenden Charaktere packen und faszinieren.

Die Geschichte von Akos und Cyra spielt sich in einer eigenen Galaxie ab, und ist somit ganz klar im Genre Science Fiction anzusiedeln. Doch mit den Lebensgaben und Schicksalsbestimmungen bringt Veronica Roth auch eine gute Portion Fantasy mit ein, so dass ein überaus spannender Genre-Mix entsteht.

Alle Menschen sind gewalttätig. Einige widerstehen dem Impuls, einige tun es nicht.
Besser, du akzeptierst es und nutzt es, um dein Wesen zu erkenne, statt dich selbst zu belügen.     (Seite 126)


In "Rat der Neun" begleiten wir zwei Protagonisten. Cyra erleben wir in der ich Perspektive. Sie bringt definitiv frischen Wind in die oft ähnlichen Heldinnen der Jugendbücher. Sie tritt sehr stark und selbstbewusst auf, doch durch ihre Lebensgabe ist sie eigentlich gebrochen. Sie muss ständig schlimme Schmerzen aushalten, kann diese jedoch auch auf andere übertragen, so dass sie von ihrem Bruder sehr gerne als Folterwerkzeug missbraucht wird. Dieser ist nämlich ein tyrannischer Herrscher und ein sehr gelungener Antagonist.

Akos' Kapitel werden in der dritten Person geschildert. Seine Lebensgabe unterbindet die Gaben anderer und so werden er und sein Bruder entführt, denn er soll Cyras Schmerzen erträglich machen. So ist es klar, dass sich die beiden näher kommen, doch Akos hat nur ein Ziel, seinen Bruder zu befreien und zu fliehen. 

Ich kann euch nur dazu ermutigen, "Rat der Neun" in die Hand zu nehmen, denn es bietet eine unheimlich spannungsgeladene und explosive Geschichte mit einigen (bösen) Überraschungen. Eine anhaltend unterschwellige Bedrohung übt einen enormen Lesesog aus, so dass man, einmal in Roths Galaxie angekommen, ihr kaum noch entfliehen kann. 

Das Buch ist in fünf Teile gegliedert und mit jedem gewinnt es an Tiefe um schlussendlich in einem mitreissenden Showdown zu enden. "Gezeichnet" endet zwar einigermassen zufriedenstellend, ist jedoch ganz klar der Anfang für etwas noch Grösseres. Ich bin gespannt ....






düster, komplex, mitreissend
Wer bereit ist, in Veronica Roths neue, komplexe Welt einzutauchen, bekommt eine grossartige Geschichte mit facettenreichen und ausserordentlich spannenden Charaktere geboten. "Rat der Neun - Gezeichnet" begeistert mit mit einem gelungenen Mix aus Science Fiction und Fantasy.









Veronica Roth lebt in Chicago und studierte an der dortigen Northwestern University Creative Writing. Im Alter von nur 20 Jahren schrieb sie während ihres Studiums den Roman, der später "Die Bestimmung" wurde und den Auftakt zu ihrer internationalen Bestseller-Trilogie bildet. Nun hat ihr Buchhit auch die Leinwand erobert. In der Verfilmung der preisgekrönten Romane begeistern die Stars Shailene Woodley als die tapfere junge Heldin Tris und Theo James als deren große Liebe Four.





© Favolas Lesestoff