Dienstag, 19. März 2013

[Rezension] "Dark Destiny" von Jennifer Benkau







Titel: Dark Destiny
Reihe: Band 2/2
Autorin: Jennifer Benkau
Genre: Jugendliteratur, Dystopie
Verlag: Script5 (März 2013
ISBN: 978-3-8390-0145-5
Seiten: 464  





"Dark Canopy" hat mich im letzten Jahr sehr beeindruckt, ja aufgerüttelt und kam am Ende mit einem so fiesen Cliffhanger daher, dass ich "Dark Destiny" schon lange sehnlichst erwartet habe. Ich glaube, das ist die Neuerscheinung, auf die ich mich 2013 am meisten gefreut habe.



Hilflos musste Joy mit ansehen, wie Neél von ihren eigenen Leuten gefangen genommen und gefoltert wurde. Ihre große Liebe, all ihre Hoffnungen und Zukunftspläne zersplittern zu einem Scherbenhaufen, als sie schließlich von Neéls Tod erfährt. Trotz ihrer unendlichen Trauer fasst Joy einen folgenschweren Entschluss: Sie will nicht länger zu Matthials Clan gehören. Also macht sie sich allein und schlecht ausgerüstet auf den Weg durch Bomberland und von feindlichen Clans besetztes Gebiet. Es ist eine Suche nach Antworten: Wie starb Neél? Und warum? Doch es ist auch eine Suche, an deren Ende Hoffnung steht. Hoffnung auf eine zweite Chance.

„Dark Destiny“ ist der letzte von zwei Bänden. Der Titel des ersten Bandes lautet „Dark Canopy“. ...

(Bild- und Textquelle: Script5)






Einstieg ins Buch:
Ich hatte immer gedacht, der erste gewonnene Gerichtsprozess würde meine Zweifel verstummen lassen.
Wie bei so vielen Dingen hatte ich erst später erkannt, wie wenig ich wusste.

Kennt ihr das Gefühl, ein Buch sorgsam Stück für Stück einzuteilen, obwohl ihr es am liebsten in einem Stück verschlingen würdet?
Kennt ihr die Angst vor den nächsten Seiten, das beklemmende Gefühl, weil ihr der Autorin alles zutraut?
Kennt ihr die aufkommende Leere, weil etwas bald zu Ende sein wird?
Kennt ihr die Wehmut, lieb gewonnene Charakteren, mit denen ihr euch auseinander setzen musstet, ziehen lassen zu müssen?

Wenn nicht, dann habt ihr "Dark Canopy" und "Dark Destiny" noch nicht gelesen . . . .

Wer jedoch den ersten Teil von Jennifer Benkaus Dilogie auch gelesen hat, wird sich genau wie ich die Fortsetzung herbeigesehnt haben. Und weil ich unter keinen Umständen zuviel verraten möchte, werde ich gar nicht gross auf den Inhalt eingehen.

Nach der Folter von Neél und seiner Todesnachricht merkt Joy, dass sie nicht mehr im Rebellenlager bleiben kann. Die Zeit in der Stadt, die Zeit mit Neél hat sie so stark verändert, dass sie sich total fehl am Platz vorkommt und ihre "alte Familie" verlässt.

Ich war ein Leib aus Asche, den ein blosser Windhauch zerbrechen konnte, sodass das darin verborgene Tier freikam.     (Seite 38)

Joy ist ein toller Charakter. Sie hat Ecken und Kanten und nicht jeder freundet sich sofort mit ihr an. In "Dark Destiny" ist sie jedoch viel sensibler und auch wenn sie ab und zu immer noch unüberlegt handelt, hat sie sich stark weiterentwickelt, ist reifer geworden. Und sie ist zu bewundern: Obwohl ihr kaum etwas geblieben ist, siegt immer ihr innerer Wille, die gnadenlose, knallharte Kämpferin lässt sich nicht unterkriegen und klammert sich an jeden Hoffnungsschimmer - denn ehrlich gesagt ist das das einzige, was ihr noch geblieben ist: Hoffnung und ihre Erinnerungen.

Der Tag, an dem ich mein Glück gefunden hatte - an einem Ort, wo ich es nie gesucht hätte.     (Seite 90)

In "Dark Destiny" herrscht noch eine düstere Atmosphäre. Joys Verzweiflung ist regelrecht greifbar. Trauer, Wut, ausschliesslich negative Gefühle schlagen vor allem zu Beginn gebündelt über uns zusammen. Jennifer Benkau hat es wieder geschafft, mich von der ersten Seite an zu fesseln. Sie schreibt so intensiv und dicht, dass ich kaum wagte durchzuatmen. Ich traue ihr als Autorin so viel zu . . . so dass ich bei jedem Umblättern eine Katastrophe, ein Unglück erwartete, so dass ich als Leser wohl genau so viel litt wie die Protagonisten. "Dark Destiny" ist definitiv ein Buch, das keinen kalt lässt.

Tja und das Ende . . .  was soll ich dazu sagen? Alles kommt anders als man denkt und auch wir Lesern klammern uns an die Hoffnung. Und für mich ist es hohe Kunst, dass ich mit diesem Ende diese aufwühlende Geschichte doch einigermassen zufrieden schliessen kann. Klar habe ich mir etwas anderes erwünscht, aber es passt einfach und ist in sich schlüssig.

Noch nie habe ich mich mit einer Rezension so schwer getan. Auf der einen Seite möchte ich so vieles los werden und auf der anderen Seite ist mein Kopf einfach leer gefegt. Dark Destiny hat mich sprachlos zurückgelassen.




Auf das Cover möchte ich für einmal gar nicht gross eingehen, doch etwas muss ich einfach noch hervorheben und zwar die Kapitelüberschriften. Diese haben es mir schon im ersten Band angetan. Sie sind einfach grossartig, einmalig, ein kleines Stückchen Poesie und regen zum Mitdenken an.


Kapitel 8
wie weit dürfen wünsche gehen,
wenn jemand für sie zahlen muss?


Der Buchmarkt wird seit einiger Zeit von Dystopien überschwemmt. Doch Jennifer Benkaus Dilogie hat es geschafft, sich von der breiten Masse abzuheben. "Dark Destiny" und "Dark Canopy" überzeugen, begeistern, schockieren und wühlen auf.
Diese zwei Bücher möchte ich jedem ans Herz legen, doch seid gewarnt, es wird nicht einfach.






  1. Dark Canopy
  2. Dark Destiny
   







Foto: Ute Klein

Jennifer Benkau wurde 1980 in Solingen geboren, wo sie auch heute noch mit ihrem Mann, drei Kindern und zwei Katzen inmitten lauter Musik und vielen Büchern lebt. Nachdem sie in ihrer Kindheit Geschichten in eine Schreibmaschine gehämmert hatte, verfiel sie pünktlich zum Erwachsenwerden in einen literarischen Dornröschenschlaf, aus dem sie zehn Jahre später, an einem verregneten Dezembermorgen, von ihrer ersten Romanidee stürmisch wachgeküsst wurde. Von dem Moment an gab es kein Halten mehr. Dark Canopy ist ihr erster Roman für junge Erwachsene.
(Bild- und Textquelle: Script5)





Jennifer Benkau hat auch bei meiner Autoren-Aktion "Wer "A" sagt ..." mitgemacht:







Kommentare:

  1. Wirklich schön das du es geschafft hast, nicht zu spoilern. Hatte auch überlegt gar nicht auf die Frage einzugehen, das war mir dann jedoch unmöglich erschienen :D

    Das Ende finde ich auch am Besten am ganzen Buch. Eigentlich finde ich es gut wie es nun letztendlich ausgegangen ist, wobei das jeder für sich selbst entscheiden muss und sicherlich nicht viele damit glücklich werden können.

    Wirklich schöne Rezension.

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    1. Danke Ayanea.
      Mir ist es immer sehr wichtig, nicht zu Spoilern .... und da das Ende von Band 1 genau das wollte, fand ich, dass man in dem Bereich nichts verraten darf ....
      Ich finde das Ende auch sehr mutig von Jennifer Benkau

      lg Favola

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  2. Wie du schon mit deiner Rezension angefangen hast, ist genial. Wer danach die Bücher nicht lesen will, da weiß ich auch nicht weiter :-).
    Ich habe die teile noch nicht gelesen und habe wohl wirklich was verpasst! Das muss ich nachholen!

    Liebe Grüße
    Vanessa

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    1. Hoi Vanessa

      Danke :-)
      Ich sass wirklich ewig an dieser Rezi, gerade am Anfang ....
      Und ja, wenn du gerne zwischendurch eine Dystopie liest, solltest du dir diese Dilogie nicht entgehen lassen, es ist eine der besten.

      lg Favola

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