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Mittwoch, 1. April 2015

[Rezension] "Marmorkuss" von Jennifer Benkau






Titel: Marmorkuss
Autorin: Jennifer Benkau
Verlag: script5 (14. Oktober 2014)
Genre: Jugendliteratur, Urban Fantasy, Märchen
ISBN: 978-3839001660
Seiten: 432
Vom Hersteller empfohlenes Alter: ab 14 Jahren






Nachdem mich Jennifer Benkau mit "Dark Canopy" und "Dark Destiny" richtig begeistern konnte - Band 1 hat von mir sogar die goldene Leseente verliehen bekommen - war ich sehr gespannt auf ein anderes Buch von ihr.





Jarno, ein rastloser Underdog, küsst ein Dornröschen aus dem letzten Jahrhundert wach – und wird mit ihr in einen Strudel aus Liebe und Gefahr gezogen. Ein berührender Roman mit zwei Liebenden aus verschiedenen Zeiten, meisterhaft erzählt.

Er war ihr in einer alten, mit Rosen überwucherten Villa begegnet – der geheimnisvollen Figur aus weißem Marmor. Und Jarno hatte sich tatsächlich beim Fotografieren der steinernen Schönheit ein bisschen in sie verliebt. Wie verwirrt ist er nun, als nach seinem schüchternen Kuss eine lebendige junge Frau vor ihm steht, die weder elektrisches Licht noch zerrissene Jeans kennt und offenbar hundert Jahre geschlafen hat.
Es beginnt eine märchenhafte Liebesgeschichte und gleichzeitig ein Spiel auf Leben und Tod. Denn Jarno ist kein Prinz – im wirklichen Leben steckt er tief in einem Sumpf aus Verbrechen ...

(Text- und Bildquelle: Script5)



Einstieg ins Buch:
Pisseflecken an grauer Betonwand. Eine umgeworfene Bierflasche; ihr auslaufender Inhalt mischt sich mit Schneetau, der aus dem Profil von Springerstiefeln rinnt.

Märchenadaptionen sind ja schwer in Mode, doch Jennifer Benkaus modernes Dornröschen hebt sich definitiv von der breiten Masse ab.
Ich muss jedoch zugeben, dass sie es mir nicht ganz einfach gemacht hat, in "Marmorkuss" Tritt zu fassen, denn es ist eine recht komplexe Märchenadaption. Die Geschichte enthält zwei Handlungsstränge. Im Jetzt begleiten wir Jarno (Präteritum & personaler Erzählstil), der mit seiner Canon auf der Jagd nach dem perfekten Foto ist, damit er eine Ausbildung zum Fotografen machen kann. In der Vergangenheit erleben wir Klaras Geschichte (Präsens und ich-Perspektive), die sich für Frauenrechte einsetzt, die Ausbildung zur Lehrerin absolviert und gerne Hosen tragen würde.
Die einzelnen Abschnitte in den verschiedenen Zeiten sind meistens sehr kurz, was es mir anfangs erschwerte, richtig reinzukommen. Die Übergänge zwischen den Handlungssträngen sind jedoch richtig gut gemacht. Ein Satz, der zu beiden passt, wird wie als Brücke genutzt.
Da merkt man wieder, dass die Autorin einfach ihr Handwerk versteht, tolle Ideen und einen brillanten Schreibstil auszuweisen hat. 

Einen Traum hatte er auch, so war es nicht. Aber seiner war ein Luftschloss in den Loken und die Leitern, die er zu bauen versuchte, trugen sein Gewicht nicht. Nie.      (Seite 20)

Doch "Marmorkuss" ist weit mehr als 'nur' eine Märchenadaption. Jennifer Benkau arbeitet hier nicht nur die Grundidee der Gebrüder Grimm auf, nein, sie bietet dem Leser zudem auch noch eine Art von Zeitreisegeschichte. Wenn man Klaras Passagen liest, wird einem schnell klar, dass sie in einer früheren Zeit lebt, denn die Regeln der Gesellschaft und auch ihr Erzählstil sind sehr 'altmodisch' und zeigen einen tollen Gegensatz zu Jarnos Sequenzen auf. Durch Klara lernen wir einiges aus der Zeit vor 111 Jahren und vor allem muss die Protagonistin erleben, wie viel sich in dieser Zeit alles verändert hat, was ab und zu sehr amüsant ist. 

Jarno hat sich selber so im Sumpf der bösen Machenschaften verstrickt, dass er unmöglich der Märchenprinz sein kann. Oder brauchen Prinzen heute keine schimmernde Rüstung und keinen Schimmel mehr?
"Marmorkuss" ist definitiv eine sehr realistische Märchenadaption, das uns aber nicht dieses typische schwarz-weiss aufzeigt, sondern sehr viele Graunuancen. Und trotzdem bringt die Autorin gekonnt einig klassische Märchenelemente unter, die Farbe und Magie ins Spiel bringen.

Im zweiten Teil werden die Fäden langsam zusammengezogen und wir durchleben mit Klara und Jarno einen eher ruhigen Abschnitt, bevor die Autorin nochmals aufs Gas tritt und einen astreinen Zielspurt hinlegt. Ob uns Jennifer Benkau bei einem 'Märchen' ein Happy End gönnt? Das wird hier nicht verraten. 

Mut kann sehr viel sein, wenn man sonst nichts hat.     (Seite 422)






Wer einen Ritter in schimmernder Rüstung und auf einem Schimmel sucht ist bei Jennifer Benkau an der falschen Adresse.
Doch wenn man erst einige Dornenranken durchbrochen hat, gibt "Marmorkuss" einem vieles: eine moderne Dornröschen-Adaption mit klassischen Märchenelementen, einer Zeitreisegeschichte mit viel Atmosphäre und einem Schuss Romantik und vor allem hohe Schreibkunst. 






 

Jennifer Benkau lebt mit ihrem Mann, vier Kindern und zwei Hunden inmitten lauter Musik und vieler Bücher im Rheinland. Nachdem sie in ihrer Kindheit Geschichten in eine Schreibmaschine gehämmert hatte, verfiel sie pünktlich zum Erwachsenwerden in einen literarischen Dornröschenschlaf, aus dem sie zehn Jahre später, an einem verregneten Dezembermorgen, von ihrer ersten Romanidee stürmisch wachgeküsst wurde. Von dem Moment an gab es kein Halten mehr.

(Textquelle: Script5)




Dienstag, 17. März 2015

gemeinsam lesen #104


eine Aktion von Asaviels Bücher-Allerlei
die nun von Weltenwanderer und Schlunzen-Bücher weitergeführt wird




1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?


Aktuell lese ich "Marmorkuss" von Jennifer Benkau, bin jedoch erst auf der Seite 73.


2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?


Ich habe ... ein ernsthaftes Problem.





3. Was willst du unbedingt aktuell zu deinem Buch loswerden?


Nachdem mich Jennifer Benkau mit "Dark Canopy" und "Dark Destiny" richtig begeistern konnte - Band 1 hat von mir sogar die goldene Leseente verliehen bekommen - war ich sehr gespannt auf ein anderes Buch von ihr.  Ich muss aber zugeben, dass ich in der Geschichte noch nicht wirklich Tritt gefasst habe, denn sie ist recht komplex. "Marmorkuss" enthält zwei Handlungsstränge. Im Jetzt begleiten wir Jarno (Präteritum & personaler Erzählstil), der mit seiner Canon auf der Jagd nach dem perfekten Foto ist, damit er eine Ausbildung zum Fotografen machen kann. In der Vergangenheit erleben wir Klaras Geschichte (Präsens und ich-Perspektive), die sich für Frauenrechte einsetzt, die Ausbildung zur Lehrerin absolviert und gerne Hosen tragen würde.
Die einzelnen Abschnitte in den verschiedenen Zeiten sind meistens sehr kurz, was es mir erschwert, richtig reinzukommen. Die Übergänge zwischen den Handlungssträngen finde ich jedoch richtig gut gemacht. Ein Satz, der zu beiden passt, wird wie als Brücke genutzt (Wie oben der erste Satz meiner aktuellen Seite).
Ich muss wohl noch etwas Geduld haben und hoffe, dass mich Jennifer Benkau ein weiteres Mal zu begeistern weiss.




4. Was ist euer liebster Leseplatz? Zeigt uns auch gerne ein Foto!


Es gibt natürlich verschiedene Orte, an denen ich gerne lese . . . am meisten lese ich auf dem Bauch liegend im Bett oder in meiner Sofaecke. Ich entspanne auch sehr gerne mit einem Buch in der Badewanne, aber mein liebster Leseplatz ist eigentlich mein Schaukelstuhl im Büro. Den habe ich von meiner letzten Schulklasse als Abschiedsgeschenk bekommen und nun steht er am Fenster mit Blick direkt auf den Rhein. Da kann ich richtig die Seele baumeln lassen.






Was lest ihr aktuell und wo ist euer liebster Leseplatz?





Dienstag, 19. März 2013

[Rezension] "Dark Destiny" von Jennifer Benkau







Titel: Dark Destiny
Reihe: Band 2/2
Autorin: Jennifer Benkau
Genre: Jugendliteratur, Dystopie
Verlag: Script5 (März 2013
ISBN: 978-3-8390-0145-5
Seiten: 464  





"Dark Canopy" hat mich im letzten Jahr sehr beeindruckt, ja aufgerüttelt und kam am Ende mit einem so fiesen Cliffhanger daher, dass ich "Dark Destiny" schon lange sehnlichst erwartet habe. Ich glaube, das ist die Neuerscheinung, auf die ich mich 2013 am meisten gefreut habe.



Hilflos musste Joy mit ansehen, wie Neél von ihren eigenen Leuten gefangen genommen und gefoltert wurde. Ihre große Liebe, all ihre Hoffnungen und Zukunftspläne zersplittern zu einem Scherbenhaufen, als sie schließlich von Neéls Tod erfährt. Trotz ihrer unendlichen Trauer fasst Joy einen folgenschweren Entschluss: Sie will nicht länger zu Matthials Clan gehören. Also macht sie sich allein und schlecht ausgerüstet auf den Weg durch Bomberland und von feindlichen Clans besetztes Gebiet. Es ist eine Suche nach Antworten: Wie starb Neél? Und warum? Doch es ist auch eine Suche, an deren Ende Hoffnung steht. Hoffnung auf eine zweite Chance.

„Dark Destiny“ ist der letzte von zwei Bänden. Der Titel des ersten Bandes lautet „Dark Canopy“. ...

(Bild- und Textquelle: Script5)






Einstieg ins Buch:
Ich hatte immer gedacht, der erste gewonnene Gerichtsprozess würde meine Zweifel verstummen lassen.
Wie bei so vielen Dingen hatte ich erst später erkannt, wie wenig ich wusste.

Kennt ihr das Gefühl, ein Buch sorgsam Stück für Stück einzuteilen, obwohl ihr es am liebsten in einem Stück verschlingen würdet?
Kennt ihr die Angst vor den nächsten Seiten, das beklemmende Gefühl, weil ihr der Autorin alles zutraut?
Kennt ihr die aufkommende Leere, weil etwas bald zu Ende sein wird?
Kennt ihr die Wehmut, lieb gewonnene Charakteren, mit denen ihr euch auseinander setzen musstet, ziehen lassen zu müssen?

Wenn nicht, dann habt ihr "Dark Canopy" und "Dark Destiny" noch nicht gelesen . . . .

Wer jedoch den ersten Teil von Jennifer Benkaus Dilogie auch gelesen hat, wird sich genau wie ich die Fortsetzung herbeigesehnt haben. Und weil ich unter keinen Umständen zuviel verraten möchte, werde ich gar nicht gross auf den Inhalt eingehen.

Nach der Folter von Neél und seiner Todesnachricht merkt Joy, dass sie nicht mehr im Rebellenlager bleiben kann. Die Zeit in der Stadt, die Zeit mit Neél hat sie so stark verändert, dass sie sich total fehl am Platz vorkommt und ihre "alte Familie" verlässt.

Ich war ein Leib aus Asche, den ein blosser Windhauch zerbrechen konnte, sodass das darin verborgene Tier freikam.     (Seite 38)

Joy ist ein toller Charakter. Sie hat Ecken und Kanten und nicht jeder freundet sich sofort mit ihr an. In "Dark Destiny" ist sie jedoch viel sensibler und auch wenn sie ab und zu immer noch unüberlegt handelt, hat sie sich stark weiterentwickelt, ist reifer geworden. Und sie ist zu bewundern: Obwohl ihr kaum etwas geblieben ist, siegt immer ihr innerer Wille, die gnadenlose, knallharte Kämpferin lässt sich nicht unterkriegen und klammert sich an jeden Hoffnungsschimmer - denn ehrlich gesagt ist das das einzige, was ihr noch geblieben ist: Hoffnung und ihre Erinnerungen.

Der Tag, an dem ich mein Glück gefunden hatte - an einem Ort, wo ich es nie gesucht hätte.     (Seite 90)

In "Dark Destiny" herrscht noch eine düstere Atmosphäre. Joys Verzweiflung ist regelrecht greifbar. Trauer, Wut, ausschliesslich negative Gefühle schlagen vor allem zu Beginn gebündelt über uns zusammen. Jennifer Benkau hat es wieder geschafft, mich von der ersten Seite an zu fesseln. Sie schreibt so intensiv und dicht, dass ich kaum wagte durchzuatmen. Ich traue ihr als Autorin so viel zu . . . so dass ich bei jedem Umblättern eine Katastrophe, ein Unglück erwartete, so dass ich als Leser wohl genau so viel litt wie die Protagonisten. "Dark Destiny" ist definitiv ein Buch, das keinen kalt lässt.

Tja und das Ende . . .  was soll ich dazu sagen? Alles kommt anders als man denkt und auch wir Lesern klammern uns an die Hoffnung. Und für mich ist es hohe Kunst, dass ich mit diesem Ende diese aufwühlende Geschichte doch einigermassen zufrieden schliessen kann. Klar habe ich mir etwas anderes erwünscht, aber es passt einfach und ist in sich schlüssig.

Noch nie habe ich mich mit einer Rezension so schwer getan. Auf der einen Seite möchte ich so vieles los werden und auf der anderen Seite ist mein Kopf einfach leer gefegt. Dark Destiny hat mich sprachlos zurückgelassen.




Auf das Cover möchte ich für einmal gar nicht gross eingehen, doch etwas muss ich einfach noch hervorheben und zwar die Kapitelüberschriften. Diese haben es mir schon im ersten Band angetan. Sie sind einfach grossartig, einmalig, ein kleines Stückchen Poesie und regen zum Mitdenken an.


Kapitel 8
wie weit dürfen wünsche gehen,
wenn jemand für sie zahlen muss?


Der Buchmarkt wird seit einiger Zeit von Dystopien überschwemmt. Doch Jennifer Benkaus Dilogie hat es geschafft, sich von der breiten Masse abzuheben. "Dark Destiny" und "Dark Canopy" überzeugen, begeistern, schockieren und wühlen auf.
Diese zwei Bücher möchte ich jedem ans Herz legen, doch seid gewarnt, es wird nicht einfach.






  1. Dark Canopy
  2. Dark Destiny
   







Foto: Ute Klein

Jennifer Benkau wurde 1980 in Solingen geboren, wo sie auch heute noch mit ihrem Mann, drei Kindern und zwei Katzen inmitten lauter Musik und vielen Büchern lebt. Nachdem sie in ihrer Kindheit Geschichten in eine Schreibmaschine gehämmert hatte, verfiel sie pünktlich zum Erwachsenwerden in einen literarischen Dornröschenschlaf, aus dem sie zehn Jahre später, an einem verregneten Dezembermorgen, von ihrer ersten Romanidee stürmisch wachgeküsst wurde. Von dem Moment an gab es kein Halten mehr. Dark Canopy ist ihr erster Roman für junge Erwachsene.
(Bild- und Textquelle: Script5)





Jennifer Benkau hat auch bei meiner Autoren-Aktion "Wer "A" sagt ..." mitgemacht:







Mittwoch, 6. Februar 2013

[kurz & bündig] "Frostzauber" herausgegeben von Tanja Heitmann










Titel: Frostzauber: Magische Liebesgeschichten
Herausgeberin: Tanja Heitmann
Genre: Jugendbuch, Fantasy
Verlag: rororo (1. Dezember 2012)
ISBN: 978-3499216640  
Seiten: 192 Seiten
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 14- 17 Jahre






Tanja Heitmann, Antonia Michaelis, Gesa Schwartz und andere Autorinnen verzaubern und verführen mit magischen Liebesgeschichten!

Eine Nymphe, die in einem zugefrorenen Fluss auf den Liebsten wartet, der sie befreit; ein junger Mann ohne Gestern und Morgen, der nur durch die Tränen einer Liebenden in der Silvesternacht von seinem tragischen Schicksal erlöst werden kann; eine Elfe, zart und zerbrechlich, die die Kraft der Ewigkeit in sich trägt – diese und viele weitere Geschichten laden ein zu einer spannenden Reise voll großer Gefühle!
(Bild- Textquelle: Rowohlt)







"Frostzauber" ist eine Anthologie mit fantastischen Liebesgeschichten. Sechs deutsche Autorinnen sind mit je einer Kurzgeschichte vertreten:

  • Tanja Heitmann: Unter dem Frosthauch
  • Lilach Mer: Cirque Indigo
  • Mechthild Gläser: Die gefrorene Zeit
  • Gesa Schwartz: Jenseits des Lichts
  • Antonia Michaelis: Preussischblau
  • Jennifer Benkau: Das Lied des Eiswolfs
Wie der Name "Frostzauber" verrät, spielen alle sechs Geschichten im Winter und eignen sich so auch hervorragend als Lektüre in der kalten Jahreszeit - bequem eingekuschelt in eine warme Decke - denn die Atmosphäre ist in den meisten Geschichten etwas melancholisch, bedrückend, aber auch romantisch und magisch.

Im Normalfall lese ich kaum Anthologien, doch hier habe ich die Gelegenheit am Schopf gepackt, um Autorinnen kennenzulernen, von denen ich sowieso schon lange einmal etwas lesen wollte. Darin sehe ich den grossen Vorteil von Anthologien: In relativ kurzer Zeit kann man sich in die verschiedenen Schreibstile  einlesen und sich ein Bild der Autoren machen. Das kann eine gute Hilfe sein, ob man noch weitere Werke dieser Schriftsteller lesen möchte.

Am meisten überzeugen konnte mich Jennifer Benkau mit ihrer Geschichte über den Eiswolf. Über die gesamten 26 Seiten konnte sie mich in ihren Bann ziehen und sie hat die schwere Kunst, eine ganze Geschichte auf wenigen Seiten zu erzählen, bravurös gemeistert.
Sie hat für das Buch die Eisen aus dem Feuer geholt, denn sonst konnte ich mich für keine Geschichte so richtig erwärmen. Durch die eine oder andere Geschichte musste ich mich etwas durchbeissen. Obwohl es Kurzgeschichten sind, waren sie mir zu langatmig, aber vor allem vermisste ich die auf der Rückseite versprochenen grossen Gefühle. Die meisten Charakteren blieben mir zu blass und die Geschichten zu oberflächlich.

Das Cover passt sehr gut zu den frostigen Geschichten. Mir persönlich ist es aber ein bisschen zu blass. Und da es wieder einmal ein Frauengesicht ziert, ist es für mich auch kein Eyecatcher, sondern geht eher ein bisschen unter.









Mit "Frostzauber" bekommt man sechs winterlich romantische, magisch melancholische Kurzgeschichten geboten. Wirklich überzeugen konnte mich nur eine Geschichte, nämlich "Das Lied des Eiswolfs" von Jennifer Benkau.



Samstag, 28. Juli 2012

[Wer "A" sagt . . .] mit Jennifer Benkau








Vor meiner Karriere als Autorin war ich . . . .

… habe ich im Groß- und im Einzelhandel gearbeitet und täglich gebetet, niemand möge merken, dass ich ein wahnsinniges Problem mit Zahlen habe.


Mir gefällt an meinem Beruf . . . .

… dass ich mit Buchstaben zu tun habe und mein Textverarbeitungsprogramm das Nummerieren der Seiten von allein erledigt ;-) Noch mehr gefällt es mir, in andere Rollen zu schlüpfen, Figuren lebendig werden zu lassen und im besten Fall nicht nur einen Film, sondern auch Musik im Kopf der Leser abspielen zu lassen.


Ein Tag im Leben einer Autorin . . . .

… bedeutet manchmal, dass die Zähne erst mittags geputzt werden, weil man vor allem anderen unbedingt noch das spannende Kapitel zu Ende schreiben muss, das man in der Nacht durchgeplant hat.


Meine Ideen für ein Buch . . .

… liegen überall, sind aber meistens gut versteckt. Manchmal hocken sie in einer zerdrückten Coladose im Rinnstein. Die Kunst ist es, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen und die Ideen zu finden.


Ein unvergessliches Erlebnis als Autorin . . .

… ist jedes Mal die erste Ansicht eines neuen Covers.


Mein Lieblingsbuch . . .

… bereitet mir auch beim xten Lesen noch Herzrasen.


Als nächstes plane ich . . .

… mich mal wieder zu entscheiden. Denn Ideen sind Rudeltiere: Entweder sie kommen gar nicht oder gleich in großer Zahl, und dann steht man vor der schweren Überlegung, welche der Ideen man denn nun als nächstes umsetzen soll.








Als Kind . . . .

… habe ich mir Geschichten ausgedacht und gleich im Wald nachgespielt.


Bücher . . . .

… sind so schön, dass sie mir sämtlichen Wandschmuck und Dekoration ersetzen.


Es war einmal . . . .

… ein kleines Mädchen, dem klassische Märchen viel zu gruselig waren, obwohl es sich gerne heimlich Papas Star Wars-Videos ansah.


Am liebsten . . . .

… schreibe ich mit guter Laune im Kopf, Musik in den Ohren, Kaffee in der Tasse, einer Katze auf dem Schoß und mindestens einem Hund an den Füßen.


Seit gestern weiß ich . . . .

… wie der Protagonist in einem meiner nächsten Bücher aussehen und heißen wird.


Schon immer . . . .

… wollte ich eine abenteuerliche Fernreise mit dem Rucksack machen.


Ich will gar nicht wissen, . . . .

… ob es etwas gibt, das ich nicht wissen wollen würde. Tut mir leid – ich würde grundsätzlich alles wissen wollen, fürchte ich  J





Foto: Ute Klein


Jennifer Benkau wurde 1980 in Solingen geboren, wo sie auch heute noch mit ihrem Mann, drei Kindern und zwei Katzen inmitten lauter Musik und vielen Büchern lebt. Nachdem sie in ihrer Kindheit Geschichten in eine Schreibmaschine gehämmert hatte, verfiel sie pünktlich zum Erwachsenwerden in einen literarischen Dornröschenschlaf, aus dem sie zehn Jahre später, an einem verregneten Dezembermorgen, von ihrer ersten Romanidee stürmisch wachgeküsst wurde. Von dem Moment an gab es kein Halten mehr. Dark Canopy ist ihr erster Roman für junge Erwachsene.









  • Phoenixfluch
  • Nybbas Träume. Schattendämonen 01
  • Nybbas Nächte. Schattendämonen 02
  • Dark Canopy     → zu meiner Rezension




Liebe Jennifer, herzlichen Dank, dass du bei meiner Aktion "Wer A sagt . . " mitgemacht hast. Es war ein sehr interessanter Kontakt mit dir und ich warte schon ungeduldig auf die Fortsetzung von "Dark Canopy".
 
 
Und wer die ersten beiden B-Sagerinnen verpasst hat, kann diese gerne noch nachlesen:
 

Montag, 23. April 2012

[Rezension] Dark Canopy von Jennifer Benkau







Titel: Dark Canopy
Reihe: Band 1/2
Autorin: Jennifer Benkau
Genre: Jugendliteratur, Dystopie
Verlag: Script5 (1. März 2012)
ISBN: 978-3839001448
Seiten: 524







Da ich zur Zeit sehr gerne Dystopien lese, hat mich die Inhaltsangabe dieses Buches sofort angesprochen und auch das Cover hat mir wirklich gut gefallen.






Die Percents, für den dritten Weltkrieg geschaffene Soldaten, haben die Weltherrschaft übernommen und unterjochen die Menschen. Rebellenclans versuchen, außerhalb des Systems zu überleben. Mit ihnen kämpft die 20-jährige Joy gegen das Gewaltregime. Doch dann fällt sie dem Feind in die Hände und muss feststellen, dass sich auch unter den vermeintlichen Monstern Menschlichkeit findet. Und sogar noch mehr . . .





Einstieg ins Buch:

Ich hatte immer behauptet, der erste Percent, der in meinen Wurfradius tritt, würde ihn nicht lebend verlassen.

Aber es kam alles ganz anders.

Die Welt sieht nach dem dritten Weltkrieg alles andere als rosig für die Menschen aus. Die von ihnen eigens künstlich erschaffenen Percents sind als Sieger aus dem Krieg hervorgegegangen und beherrschen  seitdem die Welt. Diese Krieger sind stark, furchtlos und sie hassen die Menschen. Doch auch sie haben trotz all ihrer Stärken eine Schwäche: Ihre Haut ist so sensibel, dass sie nicht ans Sonnenlicht gehen können. Damit dieses Problem kein Nachteil ist, wurde "Dark Canopy" erschaffen. Diese Maschine schleudert Staub in den Himmel, der die Sonne verdunkelt.

Genau das sieht man auch auf dem Cover. Der starke Farbkontrast hat mich sofort angesprochen und das Cover ist für mich ein totaer Eyecatcher. Es ist sehr düster gehalten, aufgewirbelter Staub verhüllt den Himmel, nur eine Weibliche Person steht im Sonnenlicht und streckt eine Hand aus.

In dieser düsteren Atmosphäre spielt die Geschichte von Joy.  Sie wächst in einem Rebellenclan ausserhalb der Stadt auf und lernt dort von Kindesbeinen an, sich gegen die verhassten Percents zu wehren. Doch eines Tages gerät sie in eine Falle und ihr Leben verändert sich auf drastische Weise: Die freiheitsliebende Joy wird von ihren Todfeinden gefangen genommen und soll von einem von ihnen zur Soldatin ausgebildet werden.

Wegen der Dicke des Buches habe ich es mir zweimal überlegt, ob wirklich "Dark Canopy" meine nächste Lektüre sein sollte. Doch kaum hatte ich mit dem Lesen begonnen, hat mich die Geschichte gepackt. Nur schon die einzelnen Kapitelüberschriften machen hungrig auf mehr, sind sehr gut gewählt und etwas Spezielles:

Kapitel 6

wer sich verstecken muss,

lernt im dunkeln zu sehen.


Kapitel 18

die welt ist grösser, als wir denken -

weit draussen und tief in uns drin.

was mag alles möglich sein?

Die Geschichte ist mehrheitlich aus der Perspektive der Hauptprotagonistin Joy geschrieben, einzelne Kapitel zeigen uns durch Matthial`s Augen, wie es nach der Gefangennahme von Joy im Rebellenlager weitergeht.

Die Charakteren sind sehr facettenreich und interessant gezeichnet. Vor allem Joy hat mir sehr gut gefallen. Das Leben in dieser düsteren Welt und im Rebellenlager hat sie stark und kämpferisch gemacht. So will sie sich mit ihre Lage nicht einfach abfinden, obwohl sie auswegslos scheint. Mit allen Mitteln kämpft sie so für ihre Freiheit und auch ihre Wortgefechte mit dem Percent Neél sind nicht ohne.  Jennifer Benkau hat ihre Gefühlswelt sehr schön beschrieben. Toll finde ich es auch, wie sich die Hauptprotagonistin ihre Gedanken macht, einiges hinterfragt und wie sie sich als Person weiterentwickelt. Schon nach kurzer Zeit kann man sich sehr gut in sie hineinversetzen und fühlt mit ihr mit.

Daneben ist Neél, der Percent, der Joy zum Soldaten ausbilden soll. Joy ist überzeugt, er ist wie alle Percents: bedrohlich, egoistisch, brutalt, halt einfach unmenschlich. Als Leser merkt man bald, dass an ihm etwas anders ist. Er weiss dies aber gut vor seinen Kollegen zu verstecken. Sein Charakter hat mich überrascht, überzeugt und war ein Lichtblick in Joys düsteren Welt.

"Helden findet man dort, wo man nicht nach ihnen sucht."

Jennifer Benkau hat mir mit "Dark Canopy" ein weiteres Lesehighlight in diesem Jahr beschert. Das Lesen ihres Erstlingswerks hat mich in einen Rausch versetzt und hat mich aufgewühlt: Eine grosse Liebesgeschichte in einer düsteren Zukunft, die einen wieder einmal die eigene Gesellschaft überdenken lässt. Ein Buch, das nachdenklich macht und überrascht.

Die Autorin schreibt sehr spannend, klar und verständlich. Sie benutzt beim Erzählen viele Metapher und so bekommt man ein tolles Leseerlebnis und ihr Schreibstil hebt sich von der grossen Masse ab, hat Wiedererkennungswert. Sie schafft es, für ihre Geschichte eine passend düstere, emotionsgeladene und aussergewöhnliche Welt zu erschaffen.

Das Ende ist wirklich grausam. Und das nicht nur wegen dem fiesen Cliffhanger, so dass man kaum den zweiten Teil erwarten kann. Dieser soll im Frühling 2013 erscheinen.





"Dark Canopy" ist eine düstere, emotionsgeladene Dystopie, die einem zum Nachdenken anregt und überrascht. Ein packendes Lesehighlight, das einen bei der Lektüre nicht mehr loslässt.



Hiermit verleihe ich dem Buch "Dark Canopy"

von Jennifer Benkau die goldene Leseente.








Foto: Ute Klein


Jennifer Benkau wurde 1980 in Solingen geboren, wo sie auch heute noch mit ihrem Mann, drei Kindern und zwei Katzen inmitten lauter Musik und vielen Büchern lebt. Nachdem sie in ihrer Kindheit Geschichten in eine Schreibmaschine gehämmert hatte, verfiel sie pünktlich zum Erwachsenwerden in einen literarischen Dornröschenschlaf, aus dem sie zehn Jahre später, an einem verregneten Dezembermorgen, von ihrer ersten Romanidee stürmisch wachgeküsst wurde. Von dem Moment an gab es kein Halten mehr. Dark Canopy ist ihr erster Roman für junge Erwachsene.