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Mittwoch, 1. April 2015

[Rezension] "Marmorkuss" von Jennifer Benkau






Titel: Marmorkuss
Autorin: Jennifer Benkau
Verlag: script5 (14. Oktober 2014)
Genre: Jugendliteratur, Urban Fantasy, Märchen
ISBN: 978-3839001660
Seiten: 432
Vom Hersteller empfohlenes Alter: ab 14 Jahren






Nachdem mich Jennifer Benkau mit "Dark Canopy" und "Dark Destiny" richtig begeistern konnte - Band 1 hat von mir sogar die goldene Leseente verliehen bekommen - war ich sehr gespannt auf ein anderes Buch von ihr.





Jarno, ein rastloser Underdog, küsst ein Dornröschen aus dem letzten Jahrhundert wach – und wird mit ihr in einen Strudel aus Liebe und Gefahr gezogen. Ein berührender Roman mit zwei Liebenden aus verschiedenen Zeiten, meisterhaft erzählt.

Er war ihr in einer alten, mit Rosen überwucherten Villa begegnet – der geheimnisvollen Figur aus weißem Marmor. Und Jarno hatte sich tatsächlich beim Fotografieren der steinernen Schönheit ein bisschen in sie verliebt. Wie verwirrt ist er nun, als nach seinem schüchternen Kuss eine lebendige junge Frau vor ihm steht, die weder elektrisches Licht noch zerrissene Jeans kennt und offenbar hundert Jahre geschlafen hat.
Es beginnt eine märchenhafte Liebesgeschichte und gleichzeitig ein Spiel auf Leben und Tod. Denn Jarno ist kein Prinz – im wirklichen Leben steckt er tief in einem Sumpf aus Verbrechen ...

(Text- und Bildquelle: Script5)



Einstieg ins Buch:
Pisseflecken an grauer Betonwand. Eine umgeworfene Bierflasche; ihr auslaufender Inhalt mischt sich mit Schneetau, der aus dem Profil von Springerstiefeln rinnt.

Märchenadaptionen sind ja schwer in Mode, doch Jennifer Benkaus modernes Dornröschen hebt sich definitiv von der breiten Masse ab.
Ich muss jedoch zugeben, dass sie es mir nicht ganz einfach gemacht hat, in "Marmorkuss" Tritt zu fassen, denn es ist eine recht komplexe Märchenadaption. Die Geschichte enthält zwei Handlungsstränge. Im Jetzt begleiten wir Jarno (Präteritum & personaler Erzählstil), der mit seiner Canon auf der Jagd nach dem perfekten Foto ist, damit er eine Ausbildung zum Fotografen machen kann. In der Vergangenheit erleben wir Klaras Geschichte (Präsens und ich-Perspektive), die sich für Frauenrechte einsetzt, die Ausbildung zur Lehrerin absolviert und gerne Hosen tragen würde.
Die einzelnen Abschnitte in den verschiedenen Zeiten sind meistens sehr kurz, was es mir anfangs erschwerte, richtig reinzukommen. Die Übergänge zwischen den Handlungssträngen sind jedoch richtig gut gemacht. Ein Satz, der zu beiden passt, wird wie als Brücke genutzt.
Da merkt man wieder, dass die Autorin einfach ihr Handwerk versteht, tolle Ideen und einen brillanten Schreibstil auszuweisen hat. 

Einen Traum hatte er auch, so war es nicht. Aber seiner war ein Luftschloss in den Loken und die Leitern, die er zu bauen versuchte, trugen sein Gewicht nicht. Nie.      (Seite 20)

Doch "Marmorkuss" ist weit mehr als 'nur' eine Märchenadaption. Jennifer Benkau arbeitet hier nicht nur die Grundidee der Gebrüder Grimm auf, nein, sie bietet dem Leser zudem auch noch eine Art von Zeitreisegeschichte. Wenn man Klaras Passagen liest, wird einem schnell klar, dass sie in einer früheren Zeit lebt, denn die Regeln der Gesellschaft und auch ihr Erzählstil sind sehr 'altmodisch' und zeigen einen tollen Gegensatz zu Jarnos Sequenzen auf. Durch Klara lernen wir einiges aus der Zeit vor 111 Jahren und vor allem muss die Protagonistin erleben, wie viel sich in dieser Zeit alles verändert hat, was ab und zu sehr amüsant ist. 

Jarno hat sich selber so im Sumpf der bösen Machenschaften verstrickt, dass er unmöglich der Märchenprinz sein kann. Oder brauchen Prinzen heute keine schimmernde Rüstung und keinen Schimmel mehr?
"Marmorkuss" ist definitiv eine sehr realistische Märchenadaption, das uns aber nicht dieses typische schwarz-weiss aufzeigt, sondern sehr viele Graunuancen. Und trotzdem bringt die Autorin gekonnt einig klassische Märchenelemente unter, die Farbe und Magie ins Spiel bringen.

Im zweiten Teil werden die Fäden langsam zusammengezogen und wir durchleben mit Klara und Jarno einen eher ruhigen Abschnitt, bevor die Autorin nochmals aufs Gas tritt und einen astreinen Zielspurt hinlegt. Ob uns Jennifer Benkau bei einem 'Märchen' ein Happy End gönnt? Das wird hier nicht verraten. 

Mut kann sehr viel sein, wenn man sonst nichts hat.     (Seite 422)






Wer einen Ritter in schimmernder Rüstung und auf einem Schimmel sucht ist bei Jennifer Benkau an der falschen Adresse.
Doch wenn man erst einige Dornenranken durchbrochen hat, gibt "Marmorkuss" einem vieles: eine moderne Dornröschen-Adaption mit klassischen Märchenelementen, einer Zeitreisegeschichte mit viel Atmosphäre und einem Schuss Romantik und vor allem hohe Schreibkunst. 






 

Jennifer Benkau lebt mit ihrem Mann, vier Kindern und zwei Hunden inmitten lauter Musik und vieler Bücher im Rheinland. Nachdem sie in ihrer Kindheit Geschichten in eine Schreibmaschine gehämmert hatte, verfiel sie pünktlich zum Erwachsenwerden in einen literarischen Dornröschenschlaf, aus dem sie zehn Jahre später, an einem verregneten Dezembermorgen, von ihrer ersten Romanidee stürmisch wachgeküsst wurde. Von dem Moment an gab es kein Halten mehr.

(Textquelle: Script5)




Dienstag, 17. März 2015

gemeinsam lesen #104


eine Aktion von Asaviels Bücher-Allerlei
die nun von Weltenwanderer und Schlunzen-Bücher weitergeführt wird




1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?


Aktuell lese ich "Marmorkuss" von Jennifer Benkau, bin jedoch erst auf der Seite 73.


2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?


Ich habe ... ein ernsthaftes Problem.





3. Was willst du unbedingt aktuell zu deinem Buch loswerden?


Nachdem mich Jennifer Benkau mit "Dark Canopy" und "Dark Destiny" richtig begeistern konnte - Band 1 hat von mir sogar die goldene Leseente verliehen bekommen - war ich sehr gespannt auf ein anderes Buch von ihr.  Ich muss aber zugeben, dass ich in der Geschichte noch nicht wirklich Tritt gefasst habe, denn sie ist recht komplex. "Marmorkuss" enthält zwei Handlungsstränge. Im Jetzt begleiten wir Jarno (Präteritum & personaler Erzählstil), der mit seiner Canon auf der Jagd nach dem perfekten Foto ist, damit er eine Ausbildung zum Fotografen machen kann. In der Vergangenheit erleben wir Klaras Geschichte (Präsens und ich-Perspektive), die sich für Frauenrechte einsetzt, die Ausbildung zur Lehrerin absolviert und gerne Hosen tragen würde.
Die einzelnen Abschnitte in den verschiedenen Zeiten sind meistens sehr kurz, was es mir erschwert, richtig reinzukommen. Die Übergänge zwischen den Handlungssträngen finde ich jedoch richtig gut gemacht. Ein Satz, der zu beiden passt, wird wie als Brücke genutzt (Wie oben der erste Satz meiner aktuellen Seite).
Ich muss wohl noch etwas Geduld haben und hoffe, dass mich Jennifer Benkau ein weiteres Mal zu begeistern weiss.




4. Was ist euer liebster Leseplatz? Zeigt uns auch gerne ein Foto!


Es gibt natürlich verschiedene Orte, an denen ich gerne lese . . . am meisten lese ich auf dem Bauch liegend im Bett oder in meiner Sofaecke. Ich entspanne auch sehr gerne mit einem Buch in der Badewanne, aber mein liebster Leseplatz ist eigentlich mein Schaukelstuhl im Büro. Den habe ich von meiner letzten Schulklasse als Abschiedsgeschenk bekommen und nun steht er am Fenster mit Blick direkt auf den Rhein. Da kann ich richtig die Seele baumeln lassen.






Was lest ihr aktuell und wo ist euer liebster Leseplatz?