Montag, 2. Mai 2016

[Rezension] "Herzflattern mit Karamell oder Wie ich in zwei Wochen mein Leben ruinierte" von Erin Gough





Titel: Herzflattern mit Karamell oder Wie ich in zwei Wochen mein Leben ruinierte
Reihe: nein
Autorin: Erin Gough
Übersetzerin: Yvonne Hergane
Genre: Coming-of-Age
Verlag: FISCHER KJB (22. März 2016)
ISBN: 978-3737340281
Seiten: 352
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: 14 - 17 Jahre




"Herzflattern mit Karamell oder Wie ich in zwei Wochen mein Leben ruinierte" wurde mir vom Verlag ans Herz gelegt und da ich mit diesen Insidertipps bisher immer gut gefahren bin, muss ich natürlich auch diesem beiden nachkommen.




Als Delilahs Vater auf Weltreise geht, muss die Siebzehnjährige plötzlich alleine sein Café in Sydney leiten, das ›Flywheel‹. In die Schule will sie sowieso nicht mehr. Außerdem hat sie vom Café aus den perfekten Blick auf Rosa, die Kellnerin im Restaurant gegenüber. Für sie und ihren besten Freund Charlie wird das ›Flywheel‹ ihre eigene kleine Welt. Doch dann scheint sich alles und jeder gegen Delilah zu verschwören, und sie muss sich der entscheidenden Frage stellen: Wie viel Flywheel-Spezial-Karamell-Milchshake braucht man wirklich, um ein ruiniertes Leben zu retten?
(Bild- und Textquelle: Fischer Verlage)



Einstieg ins Buch:
In Sachen Englischlehrer hätte ich es wirklich schlimmer treffen können als mit Mr Hammer. Er ist ein schlauer Typ mit einem ordentlichen Haarschnitt und einer bewundernswerten Leidenschaft für Zeichensetzung. Seit meinem ersten Tag auf der Highschool habe ich ihn als Lehrer, und im Grunde nehme ich ihm nur zwei Sachen übel: seine Ansichten zum Thema Semikolon und die Tatsache, dass er mein Leben zerstört hat.

Delilah hat es wirklich nicht einfach. Nachdem ihre Muter sie und ihren Vater für einen anderen Mann verlassen hatte, ermunterte Del ihren Vater dazu, eine Weltreise zu machen. Als der Geschäftsführer verhaftet wird, versucht sie alleine das Flywheel am Laufen zu halten. Eine grosse Hilfe ist ihr bester Freund Charlie, der auch gerade eine Auszeit brauchen kann. Am Anfang klappt alles noch ganz gut, doch dann flattern Rechnungen ins Haus und zu allem Elend macht ihr auch noch eine grössere Coffee Shop Kette das Leben schwer. Als sich ihre Mobbing-Situation in der Schule zuspitzt, entschliesst sie, sich vorerst nur auf das Café zu konzentrieren und die Schule zu schwänzen.  Ihre einzigen Lichtblicke sind die Abende, denn dann tanzt Rosa im benachbarten Restaurant Flamenco.

Wenn dir das Leben auf die Füsse kotzt, pflegt mein Vater gern zu sagen, dann such dir was, was dich vom Gestank ablenkt.     (DelilahSeite 11)

Delilah ist eine sehr facettenreiche und interessante Protagonistin. Sie wirkt sehr authentisch, auch wenn ihre Probleme beinahe überdimensional sind. Für sie ist eigentlich schon immer klar, dass sie lesbisch ist und sie macht auch kein Geheimnis daraus. Doch in der Schule haben einige ein Problem damit. Und so wird sie böse gemobbt und erhält auch von den Lehrern keine Unterstützung, ausser sie würde ihre Probleme offenlegen. Doch im Verschweigen ist Del erste Klasse. Auch als es mit dem Café den Bach runtergeht, möchte sie ihren Vater nicht beunruhigen und versucht alles alleine zu regeln.  Daneben versucht sie sich auch noch um die Probleme ihrer Freunde zu kümmern ..... das kann ja auf Dauer nicht gut gehen.

"Herzflattern mit Karamell" bietet also die unterschiedlichsten Thematiken, doch der Schwerpunkt liegt auf den zwischenmenschlichen Beziehungen und der Selbstfindung einer Jugendlichen.
Homosexualität ist im Jugendbuchbereich in letzter Zeit stark vertreten, doch bisher ging es immer um Schwule. So finde ich es erfrischend, auch einmal von einer jungen lesbischen Liebe zu lesen. Und wenn sie dann noch so dezent und doch bedeutend erzählt wird, ist Herzflattern garantiert.

Vom Setting Sidney hatte ich mir etwas mehr versprochen, denn bis auf die Rucksacktouristen hat mir das australische Feeling etwas gefehlt.
Obwohl ich mir vom Inhalt etwas anderes vorsprochen hatte, konnte mich "Herzflattern mit Karamell" kurzweilig unterhalten. Auch wenn die Autorin viele Problempunkte in einer Geschichte vereint, versteht sie es, diese nicht zu stark zu dramatisieren sondern realistisch rüberzubringen.

"Gewalt erzeugt nur Gegengewalt", fuhr er fort. "Also wozu soll man Karate oder Kickboxen oder sonst irgendwelche Kampfsportarten lernen, die gerade angesagt sind? Menschen beizubringen, Kindern beizubringen, wie sie gegeneinander kämpfen, senkt nur die Hemmschwelle - und hat noch nie auch nur ein einziges Problem gelöst."     (Charlie, Seite 82/83) 

Erin Goughs Schreibstil ist frisch und humorvoll. Sie versteht es, vielseitige Charaktere zu skizzieren und ihnen Leben einzuhauchen, spielt mit ihren Gedanken, Träumen, Gefühlen und lässt sie eine spannende Entwicklung durchlaufen.





"Herzflattern mit Karamell" ist ein charmantes Buch über Freundschaft, übers Erwachsenwerden und darüber, wie wichtig es ist, sich nicht zu verstellen, sondern zu dem zu stehen, was man ist. Erin Goughs Debüt ist ruhig, macht nachdenklich, weist zugleich aber auch humorvolle Seiten auf - eine gute Mischung, bei der mir persönlich aber das gewisse Etwas noch gefehlt hat.








Erin Gough gewann 2013 mit dem Manuskript zu ihrem Debüt ›Herzflattern mit Karamell oder Wie ich in zwei Wochen mein Leben ruinierte‹ einen Nachwuchspreis. Zuvor veröffentlichte sie Kolumnen und Kurzgeschichten. Sie lebt in Sydney, Australien, und liebt Karamell-Milchshakes und Kaffee über alles.
(Textquelle: Fischer Verlage)




© by Favolas Lesestoff


Kommentare:

  1. Hoi die Liebe,
    ach, das ist ja witzig. Gerade habe ich meine Rezension auch online gestellt. Ich empfand das Buch als etwas spröde und stellenweise schwierig. Aber auch humorvoll und erkenntnisreich. Auch wenn ich Delilah als Person nicht ganz erreichte, konnte ich ihrer Geschichte etwas abgewinnen. Ich sehe, wir sind uns wieder einig :-)
    Drück!
    Damaris

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    1. Huhu Damaris
      Oh, dann muss ich mir deine Rezension gleich noch durchlesen. Ich muss sagen, dass ich nicht nur ab und zu Schwierigkeiten mit Delilah hatte, sondern mir auch das Verfassen des Rezigramms Mühe bereitete.
      glg Nicole

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