Sonntag, 27. April 2014

[Rezension] "Dornenherz. Jedem Ende wohnt ein Anfang inne" von Jutta Wilke





Titel: Dornenherz. Jedem Ende wohnt ein Anfang inne
Autorin: Jutta Wilke
Genre: Jugendliteratur,
Verlag: Coppenrath (Januar 2014)
ISBN: 978-3649613701
Seiten: 224
empfohlenes Alter: 14 - 17 Jahre
    



Viele wissen, dass ich extrem auf das Äussere von Büchern anspreche und Dornenherz ist einfach ein optischer Hingucker - wunderschön.




Seit dem Unfalltod ihrer Schwester vor einem Jahr ist Anna wie gelähmt und droht, sich ganz und gar darin zu verlieren, den Eltern die verstorbene Tochter ersetzen zu wollen. Bei einem Streifzug über den Friedhof wird sie von einer geheimnisvollen schwarzen Katze angelockt, die sie zu einer längst vergessenen Lichtung führt. Die Wege sind mit Moos bewachsen. Efeu rankt über die verwitterten alten Grabsteine. Und inmitten all dessen erblickt Anna mit einem Mal eine Engelsstatue umgeben von einem Meer aus weißen Rosen. Wie magisch angezogen, tritt sie näher an den Engel heran und berührt eine der weißen Blüten zu seinen Füßen. Nicht ahnend, dass sie damit eine schicksalhafte Wendung in Gang setzt …
(Bild- und Textquelle: Coppenrath)




Einstieg ins Buch:
Heute vor einem Jahr habe ich gelernt, dass man sterben kann, ohne tot zu sein.

Das grosse Thema in "Dornenherz" ist der Umgang mit Trauer und Schuldgefühlen. Vor einem Jahr ist Annas Schwester bei einem Unfall ums Leben gekommen und sie kommt nicht darüber hinweg. Sie ist gefangen in ihrer Trauer, fühlt sich schuldig und möchte darum ihren Eltern die verlorene Tochter ersetzen und ist sogar mit Ruths damaligen Freund zusammen. Diese Ausgangslage gepaart mit einer beklemmenden Atmosphäre machte es mir nicht immer einfach, den Zugang zur Geschichte zu finden. Doch Jutta Wilke hat es geschafft, diese schwierige Situation verständlich zu schildern, so dass ich Annas Handeln doch zu einem grossen Teil nachvollziehen konnte.

Die Verantwortung liegt auf meinem Herzen wie ein Stein, der mich in die Tiefe zieht.     (Seite 85)

Ein Jahr nach dem tragischen Unfall, entdeckt Anna eine alte Leidenschaft wieder: das Malen. So haben mir die Szenen auf dem Friedhof am besten gefallen, in denen sie sich durch das Malen, durch die dort gefundene Engelsstatue und durch Phil, den sie dort kennenlernt, Stück für Stück wieder findet.
Das Kennenlernen der beiden ist sehr minimal gehalten. Gerade für ein Jugendbuch hätte ich mir da doch noch etwas mehr gewünscht.

Das Hauptaugenmerk dieses Buches liegt ganz klar im emotionalen Bereich. Sei das nun bei der erstarrten Familiensituation, in der sich wohl kaum jemand wohl und geborgen fühlen würde, bei Annas Gesprächen mit Leon und Phil, aber vor allem auch mit dem tiefen Einblick in Annas Inneres. Dadurch dass Jutta Wilke ihre Protagonistin in der ich-Form erzählen lässt, bekommen wir ihre Gefühle und Gedanken hautnah mit. Es ist sehr spannend, Annas inneren Konflikt, was sie fühlen darf, soll, will und dann vor allem aber auch ihre Entwicklung mitzuverfolgen.

Die Tränen laufen mir über die Wangen, mishen sich mit den Schweisstropfen, Salzwasser, das mit die Luft zum Atmen nimmt.     (Seite 86)

Es gibt jedoch noch einen zweien Handlungsstrang, der in der Vergangenheit spielt. Es wird einem zwar relativ schnell klar, dass es zwischen Gegenwart und Vergangenheit Parallelen gibt, doch ich muss zugeben, dass mich diese kurzen Sequenzen Johanna und Philipp nicht wirklich faszinieren konnten. Immer wieder habe ich überlegt, wozu diese in die eigentliche Geschichte eingewoben wurden, doch ganz schlüssig, bin ich mir bis ganz am Ende nicht geworden.

"Dornenherz" ist ein sehr ruhiges, melancholisches, fast schon beklemmendes Buch, das sich für mich zwischenzeitlich etwas zog. Gegen das Ende hin konnte mich die Story dann aber immer mehr packen und viele Fragen und unverständliche Gefühle wurden aufgeklärt.

Irgendjemand hat einmal gesagt, dass etwas erst dann Vergangenheit ist, wenn man dran denken kann, ohne dass es wehtut.     (Seite 92)

Ein grosses Plus ist auch die tolle Optik und ich finde es sehr toll, dass sich die Rose durch das ganze Buch zieht. So ziert sie das Cover, Anna findet durch den Rosenengel zu sich selber und immer wieder stossen wir im Buch auf Rosengedichte, die uns von Kapitel zu Kapitel geleiten.





"Dornenherz" ist eine eindrückliche, aber nicht ganz einfache Geschichte über den Umgang mit Trauer, Schuldgefühlen und den Weg zu sich selber.
Melancholisch und zum Teil beklemmend erzählt Jutta Wilke zwei Geschichten - eine im 19. Jahrhundert und eine heute - die immer mehr ineinander verwoben werden und Fragen aufwerfen.






Jutta Wilke, geboren 1963 in Hanau am Main, wollte während der Grundschulzeit zunächst Zoodirektorin werden. Der heiß ersehnte Bio-Unterricht auf dem Gymnasium erwies sich jedoch als todsterbenslangweilig. Den Zoodirektor hakte sie deshalb ab. Dafür begeisterten sie Bücher immer mehr. Und das Schreiben erst recht.

Völlig aus Versehen studierte sie nach dem Abitur allerdings Jura. 1988 machte sie zunächst das erste Staatsexamen und heiratet noch im gleichen Jahr. 1991 folgen dann das zweite Staatsexamen und eine Ausbildung zur Fachanwältin im Familienrecht.

Sie bekommt fünf Kinder, arbeitet 12 Jahre als Anwältin, wird geschieden bis schließlich das Gefühl kommt: Es reicht. Sie will endlich das machen, was sie am besten kann: Schreiben.

So erscheinen 2008 erste Veröffentlichungen kleiner Auftragsarbeiten. Sandmännchen, Adventskalender und Geschenkbüchlein. Nebenher arbeitete sie an ihrem ersten Roman, der schließlich 2011 im Coppenrath Verlag erschien.

Zur Website von Jutta Wilke: *klick*

(Bild- und Textquelle: blogg dein buch)







Ein herzliches Dankeschön für das Rezensionsexemplar geht an:


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1 Kommentar:

  1. Eine schöne Rezi und du siehst alles in etwa wie ich, obwohl ich am Ende doch 4 Sterne gegeben habe, einfach, weil ich eigentlich sehr niedrige Erwartungen hatte. Aber Jutta Wilke hat einfach einen so schönen Stil, da kam ich nicht von los. Wirklich eindringlich und schön, aber auch schwierig!

    Liebste Grüße :*

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