Dienstag, 26. September 2017

[Rezigramm] "Das Glück hat vier Farben" von Lisa Moore



Titel: Das Glück hat vier Farben
Autorin: Lisa Moore
Übersetzerin: Maren Illinger
Verlag: FISCHER Sauerländer (27. April 2017)
Genre: Coming-Of-Age
ISBN: 978-3737354806
Seitenzahl: 368
empfohlenes Lesealter: ab 14 Jahren


Inhalt:
Seit sie denken kann, ist die sechzehnjährige Flannery in Tyrone verliebt. Aber wann genau ist aus ihrem Sandkastenfreund ein Rebell und der coolste Junge der Schule geworden? Flannery, die sich oft in den Erinnerungen daran verliert, wie einfach früher alles war, beobachtet mit Erstaunen, wie die Welt um sie herum immer schneller kreist. Doch dann kommt ihr für ein Schulprojekt eine folgenreiche Geschäftsidee: Sie fertigt Liebestränke für die Mitschüler an – und ein regelrechter Hype wird ausgelöst. Plötzlich geht das Gerücht um, dass die bunten Mixturen tatsächlich wirken ...
(Bild- und Textquelle: Fischer Verlage)  




Von Anfang an bekommen wir einen guten Einblick in Flannerys Leben. Sie hat es nämlich nicht leicht. Sie wohnt mir ihrer Mutter und ihrem kleinen Bruder in einer Sozialwohnung, ihren Vater kennt sie nicht. Die Mutter ist Künstlerin und ihre unkonventionellen Projekte bringen kaum Geld ein. Und wenn sie doch einmal Geld hat, gibt sie es lieber für völlig Unvernünftiges aus als zum Beispiel die Stromrechnungen oder das Biobuch, das Flannery dringend für die Schule braucht, zu bezahlen.


So muss Flannery schon viel mehr Verantwortung übernehmen, als es es für eine 16-jährige sein sollte. Dazu kommt, dass ihre beste Freundin plötzlich lieber die Zeit mir ihrem Freund verbringt, der wohl ein Keil zwischen die beiden Mädchen treiben möchte. Einziger Lichtblick ist Tyron, den Flannery schon immer kennt und in den sie total verliebt ist.


Als sie dann mit ihm zusammen ein Schulprojekt auf die Beine stellen soll, hat sie grosse Hoffnungen. Schnell muss sie jedoch erkennen, dass sich Tyron wirklich stark verändert und ganz andere Prioritäten hat als sie.
Wenn man die Inhaltsangabe von "Das Glück hat vier Farben" liest, erwartet man eine süsse Liebesgeschichte mit der witzigen Idee, bei einem Schulprojekt Liebestränke zu produzieren, die in der Schule dann einen regelrechten Hype auslösen. Und ja, zu einem Teil erfüllt Lisa Moore auch diese Erwartungen. Doch die Mixturen-Sache kommt erst recht spät ins Spiel und die ganze Geschichte ist nicht wirklich süss, sondern holt einen ganz schnell auf den Boden der Tatsachen zurück.

Dies ist meiner Meinung nach jedoch kein grosser Kritikpunkt, denn Flannerys Geschichte ist ernster und tiefgründiger als man erwarten würde und so bietet "Das Glück hat vier Farben" viel mehr. Es geht um eine Familie, die trotz Problem zusammen hält wie Pech und Schwefel. Es geht um Freundschaften, die sich verändern und dass nicht jeder Lebensabschnitt, jedes Buch mit einem Happy End abschliessen muss, sondern dass es vor allem darum geht, welche Lebenserfahrungen man daraus zieht.

Lisa Moore Schreibstil ist angenehm und erfrischend zu lesen und enthält oft einen ironischen Beigeschmack. Auch wenn "Das Glück hat vier Farben" ausschliesslich aus Flannerys ich-Perspektive geschildert ist, setzt sich die Handlung aus ganz vielen kleinen Geschichten um die verschiedenen Charaktere zusammen, was das Buch zu etwas Besonderem macht.




feinfühlig, emotional, authentisch
"Das Glück hat vier Farben" ist so viel mehr als die erwartete süsse Liebesgeschichte. Lisa Moore beginnt ihre Geschichte ganz schlicht, bringt dann jedoch immer mehr kleine Geschichten rund um ihre lebensnahen und facettenreichen Charaktere ein, so dass die Handlung immer komplexer und scharfsinniger wird und einen richtigen Lesesog ausübt.
Ein Buch, wie es das Leben schreibt.











Mütter können nicht die Freundinnen ihrer Töchter sein. Sie sind ihre Mütter. Höchstens später im Leben, wenn die Mutter eine alte Dame ist und ein kleines trübes Glas mit ihrem Gebiss auf dem Nachttisch hat und ihre Tochter selbst sechs Töchter hat, dann können sie vielleicht Freundinnen sein.     (Seite 45)

Und vielleicht schaust du noch weiter in den Spiegel und beginnst dich zu fragen, mit jedem Atom deines Wesens, ob irgendjemand auf dieser verdammten verrückten Welt dich je lieben wird.
Und plötzlich stellst du dir dann vor, jung zu sterben.
Das ist so ein sensibler Moment.     (Seite 74)

Es ist eine grosse, unkontrollierte Hampelmannliebe, die mich verrückt und einsam macht.
[...] Denn wenn Tyron O' Rourke den Raum betritt, fällt es mir schwer, nicht zu glauben, dass wir füreinander bestimmt sind, weil ich ihn in- und auswenig kenne, schon immer.     (Seite 142)




© Favolas Lesestoff

Kommentare:

  1. Hallo Favola,
    Das Glück hat vier Farben ist ein Buch, was ich am Ende des Jahres - soviel ist sicher - zu einem meiner Jahreshighlights ausrufen werde. Ich finde die Geschichte ist so vielschichtig. Die Charaktere alle so einzigartig und alle sind irgendwie so ein wenig "schrullig". Alleine die Mutter, die über ihre Tochter bloggt und dann ernsthaft mit ihr darüber diskutiert, dass das okay ist, weil sie ja wohl ein Recht auf Meinungsfreiheit hat. Flannery pocht zurecht auf ihr Recht auf Privatsphäre. Das Buch ist voller dieser skurrilen Momente. Auch die Liebesgeschichte, die ja auf einem gewissen Level stagniert, fand ich einfach nur wundervoll. Was Flannery alles zu tun bereit ist, obwohl sie ganz genau weiß, wie unzuverlässig Tyrone ist. So ein wundervolles Buch <3 Ich freue mich, dass du es hier noch einmal in Erinnerung bringst :o)

    Ganz liebe Grüße
    Tanja :o)

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    1. Hallo Tanja
      Ja, das Buch ist wirklich toll. Schade, dass es sonst allem Anschein nach nicht viel Aufmerksamkeit bekommt.
      lg Favola

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  2. Gut zu wissen! Ich kaufe dieses Buch auch. Ein interessanter und nützlicher Artikel

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