Samstag, 1. September 2012

[Rezension] "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" von John Green






Titel: Das Schicksal ist ein mieser Verräter
Originaltitel: The Fault In Our Stars
Autor: John Green
Genre: Jugendliteratur,
Verlag: Hanser Verlag (30.07.2012)
ISBN: 978-3-446-24009-4
Seiten: 288
vom Hersteller empfohlenes Alter: ab 13 Jahren











Nachdem mich John Green mit dem Buch "Will & Will" begeistern konnte, wollte ich unbedingt mehr von diesem amerikanischen Superstar-Autor lesen. Und da mich bei seinem neusten Werk Titel, Cover und Inhaltsangabe  sofort ansprach, musste ich zugreifen.




„Krebsbücher sind doof“, sagt die 16-jährige Hazel, die selbst Krebs hat. Sie will auf gar keinen Fall bemitleidet werden und kann mit Selbsthilfegruppen nichts anfangen. Bis sie in einer Gruppe auf den intelligenten, gut aussehenden und umwerfend schlagfertigen Gus trifft. Der geht offensiv mit seiner Krankheit um. Hazel und Gus diskutieren Bücher, hören Musik, sehen Filme und verlieben sich ineinander - trotz ihrer Handicaps und Unerfahrenheit. Gus macht Hazels großen Traum wahr: Gemeinsam fliegen sie nach Amsterdam, um dort Peter Van Houten zu treffen, den Autor von Hazels absolutem Lieblingsbuch. Ein tiefgründiges, emotionales und zugleich freches Jugendbuch über Krankheit, Liebe und Tod.



Einstieg ins Buch:
Im Winter meines sechzehnten Lebensjahrs kam meine Mutter zu dem Schluss, dass ich Depressionen hatte, wahscheinlich, weil ich kaum das Haus verliess, viel Zeit im Bettverbrachte, immer wieder dasselbe Buch las, wenig ass und einen grossen Teil meiner reichlichen Zeit damit verbrachte, über den Tod nachzudenken.

Hazel hat mit ihren 16 Jahren schon viel durchgemacht: Sie leidet an Schilddrüsenkrebs, der sich über die Lunge als Metastasen ausgebreitet hat. Eine Sauerstoffflasche, die ihr das Atmen erleichter, ist ihr ständiger Begleiter. Diagnose: Unheilbar. Aus diesem Grund zieht sie sich immer mehr zurück, denn sie möchte so wenig Menschen wie möglich mit dem Schmerz belasten, den ihr Tod verursachen wird.

Der Grund, aus dem ich zur Selbsthilfegruppe ging, war derselbe, aus dem ich Krankenschwestern mit einer gerade mal achtzehn Monate langen Ausbildung erlaubte, mich mit Medikamenten mit exotischen Namen zu vergiften: Ich wollte meine Eltern glücklich machen. Denn es gibt nur eins auf der Welt, das ätzender ist, als mit sechzehn an Krebs zu sterben, und das ist, ein Kind zu haben, das an Krebs stirbt.     (Seite 13)

Und nur um ihre Eltern glücklich zu machen, geht sie trotz eigenem Widerwillen zur Selbsthilfegruppe für krebskranke Teenager. Dort lernt sie eines Tages den einbeinigen Augustus Waters kennen. Sofort ist sie von ihm fasziniert, denn er ist witzig und charmant und geht so anders mit seiner Krankheit um als sie. Mit ihm konnte sie über alles reden: über Bücher, Musik, aber auch über den Krebs.

Während er las, verliebte ich mich in ihn, so wie man in den Schlaf gleitet: langsam zuerst und dann rettungslos.      (Seite 117)

John Green erzählt die Geschichte aus der Sicht von Hazel Grace. Wir erfahren viel über ihr Leben und ihre Gefühlswelt. Dabei durchleben wir mir ihr die gesamte Gefühlspalette von distanziert sarkastisch, humorvoll offen, tragisch traurig, hoffnungsvoll ängstlich bis erschreckend ehrlich. Sofort habe ich sie in mein Herz geschlossen und mit ihr gelitten, geweint und gelacht.
Hazel und Augustus sind beide ausserordentliche Persönlichkeiten: sympathisch, klug und absolut authentisch. Die Gespräche zwischen den zweien sind herrlich, zum Teil schon fast philosophisch, ab und zu sarkastisch und regen oft zum Nachdenken an.

Auch gefallen hat mir die Geschichte in der Geschichte. Hazel hat ein absolutes Lieblingsbuch: "Ein herrschaftliches Leiden" von Per Van Houten. Schon oft hat sie es gelesen und es ist für sie ein treuer Begleiter. Doch da das Buch sehr aprupt endet, möchte sie unbedingt herausfinden, was aus den verschiedenen Charakteren aus dem Buch veworden ist. So versucht sie gemeinsam mit Gus den Autor zu finden und ihn zur Rede zu stellen.

Recht früh konnte ich mir ausmalen, wie das Buch enden muss und obwohl ich mit meinen Befürchtungen richtig lag, las ich die Seiten atemlos, unendlich traurig und auch ein wenig schockiert.

Selten habe ich ein Buch erlebt, das mir so unter die Haut gegangen ist, das mich Tage später noch mit einem Kloss im Hals zurücklässt, das ich bestimmt nie mehr vergessen werde. Gänsehaut pur!
John Green verzauberte mich mit seinem einfachen aber eindrücklichen Schreibstil von der ersten Seite an. "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" ist ein ganz besonderes Buch und hat bei mir Spuren hinterlassen. Es hat mich sprachlos zurückgelassen und nach der letzten Seite musste ich erst dreimal tief durchatmen.
Es ging mir gleich wie Hazel: Während ich las, verliebte ich mich in das Buch, so wie man in den Schlaf gleitet: langsam zuerst und dann rettungslos.

"Das ist nicht fair“, sagte ich. „Es ist so unglaublich unfair.“ „Die Welt“ sagte er, „ist keine Wunscherfüllmaschine."     (Seite 197)





Die Gestaltung des Buches ist für mich einfach stimmig. Das Cover ist schlicht und kommt ohne Schnörkel aus, wie auch die Geschichte, und ist trotzdem aussagekräftig.Wir können die Skyline von New York, Häuserfassaden von Amsterdam, viele Sterne und einen Löwenzahn erkennen.
Das Buch ist für mich ein Gesamtkunstwerk.



"Das Schicksal ist ein mieser Verräter" nimmt uns mit in eine Achterbahn der Gefühle. Die Geschichte von Hazel und Gus ist tiefgründig, dramatisch, ironisch, geht unter die Haut und lässt einen nicht mehr los. Deshalb: unbedingt lesen!



Hiermit verleihe ich dem Buch "Das Schicksal ist ein mieser Verräter"
von John Green die goldene Leseente.



John Green, 1977 geboren, erlangte bereits mit seinem Debüt Eine wie Alaska (Hanser, 2007) Kultstatus unter jugendlichen Lesern. Das Buch wurde vielfach ausgezeichnet, u.a. war es für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert. Darauf folgten die Jugendromane Die erste Liebe (nach 19 vergeblichen Versuchen) (2008) und Margos Spuren (2010), ebenfalls nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis und ausgezeichnet mit der Corine. Inzwischen wird Green mit Philip Roth und John Updike verglichen. Er lebt mit seiner Frau und seinem kleinen Sohn in Indianapolis. Das Schicksal ist ein mieser Verräter, das in den USA schon vor dem Erscheinen ein Bestseller war, erschien bei Hanser.

Zahlreiche Infos über den Autor & das Buch findet ihr auch noch hier:

Kommentare:

  1. Dieses Buch hat deine goldene Leseente wirklich verdient :) Die Zitate, die du gewählt hast, haben auch die Schmetterlinge in meinem Bauch dazugebracht, Purzelbäume zu schlagen (: ..

    Eine ganz ganz wunderbare Rezension :) Viele liebe Grüße (:

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  2. Ich kann dir nur absolut zustimmen! Dieses Buch ist wirklich wunderschön :)

    Und deine Goldene Leseente gefällt mir :)
    Hast du dein Bewertungssystem selbst gemacht?

    Liebe Grüße von deiner neuen Leserin
    Charlie

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  3. Ich habe es geahnt, spätestens nach deiner Rezi MUSS ich dieses Buch lesen! Das wird mein erstes von John Green und ich bin wirklich gespannt, ob ich mich der allgemeinen Begeisterung anschließen werde.
    Vielen Dank für deine wundervolle Rezi! Man merkt wirklich, wie sehr dir das Buch unter die Haut gegangen ist.

    Liebe Grüße

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  4. Oh nein! Obwohl dieses Buch NUR begeisterte Stimmen bekommt, habe ich Angst davor es selbst zu lesen. Nach deiner Rezi mit den toll ausgewählten Zitaten, setze ich es nun doch direkt auf meine WuLi.
    Danke für den schönen Lesetipp!

    Liebe Grüße
    Anka

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  5. @Nana:
    Danke :-) Und ich hätte ja noch viel mehr Zitate gehabt . . . .

    @Charlie:
    Schön, dass du den Weg auf meinen Blog gefunden hast :-)
    Ja, das Bewertungssystem habe ich ganz selber gemacht. Also die Leseente fotografiert, bearbeitet und dann zur Bewertung aneinandergefügt.

    @Kermit:
    Ja, es ist mir wirklich unter die Haut gegangen. Ich bekomme jetzt noch einen Kloss im Hals, wenn ich an das Buch denke . . .
    Und ja, du MUSST dieses Buch lesen! (Übrigens wird es bald ein Exemplar hier auf meinem Blog zu gewinne geben . . .) Ich bin dann gespannt, was du dazu meinst.

    @Anka:
    Ja, so eine Sternevergabe habe ich bei amazon noch kaum gesehen . . . alles 5-Sterne-Bewertungen bis auf eine . . . schön, dass es den Weg auf deine Wunschliste gefunden hat. :-)

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  6. Ganz ehrlich? Ich habe beim Lesen deiner Rezension wirklich wieder schlucken müssen und wage zu behaupten, dass dies eines deiner stärksten Besprechungen ist. Wo mir erstmal die Worte fehlten, spiegeln deine wirklich die Empfindungen ganz wundervoll wieder. Und natürlich MUSSTE DSiemV deine Leseente bekommen.
    Schön! *Tränchenrunterschluck* :)

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  7. @Sandy:
    Vielen Dank :-)
    So eine Rückmeldung freut mich um so mehr, weil mir das Buch wirklich am Herzen liegt. Schön, dass ich meine Gefühle einigermassen rüberbringen konnte. Ich mich nämlich sehr schwer mit dieser Rezension getan . . .

    lG Favola

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  8. Eine wunderschöne Rezension, liebe Favola! Du regst all die Gefühle wieder an, die ich zu verdrängen versuche...Du triffst es einfach auf den Punkt. Deine goldene Leseente sehe ich zum ersten Mal und die Idee ist echt genial! Ich muss wohl kaum erwähnen, dass dieses Buch solch eine Auszeichnung wahrlich verdient...

    Beste Grüße

    Rica

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    1. Vielen lieben Dank für das Lob :-)
      Ich hatte die goldene Leseente zwar schon lange im Hinterkopf, doch ich habe sie dann extra für dieses Buch realisiert ... wenn ich es mit den anderen 5-Stere-Rezensionen verglich, war das einfach nicht genug ....
      Die goldene Leseente gibt es auch nur ganz, ganz selten - bisher erst zweimal - doch ich muss mindestens "Dark Canopy" noch nachnominieren ....
      Ich bin schon auf deine Rezension gespannt.
      lg Favola

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    2. Sehr, sehr gerne :) richtig so! Die goldene Leseente muss ja auch was Besonderes bleiben :P oh man, "Dark Canopy" und "Dark Destiny" muss ich dringend mal lesen...

      Lieben Gruß

      Rica

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  9. Das Buch ist in aller Munde xD Mir gefällt die Rezension gut, weil du deine Meinung gut begründest und das Buch lebhaft wird. Die Kursivschriftr in den Zitaten ist zuviel - sie wirkt sehr streng. ich glaube, die Hervorhebung durch die blauen Felder ist prägnant genug.

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  10. Liebe Favola, ich finde deine Buchbeschreibung ist super. Sie hat das Buch auf den Punkt genau getroffen, aber war trotzdem nicht zu viel. Ich habe das Buch selber vier mal gelesen, weil ich es so schön fand und es so schön geschrieben ist. Die goldene Leseente ist eine gute Idde.
    lena

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