Montag, 2. Juni 2014

[Rezension] "Was wir auch tun" von Marie Lucas




Titel: Was wir auch tun
Reihe: nein
Autorin: Marie Lucas
Genre: Jugendbuch
Verlag: Fischer FJB (6. März 2014)
ISBN: 978-3841422156
Seiten: 496
vom Hersteller empfohlenes Alter: ab 14 Jahren





Mit "Zwischen Ewig und Jetzt" konnte mich Marie Lucas vor einem Jahr sehr gut unterhalten und so freute ich mich auf das neue Werk der Autorin. Dazu kommt, dass das Buch auch dieses Mal von einem wunderschönen Schutzumschlag eingefasst wird.




Die 16-jährige Robin ist daran gewöhnt, ihren Willen durchzusetzen. Sie stammt aus einem gut behüteten Elternhaus, in ihrer Klasse ist sie beliebt und bei den Jungen gilt sie als unnahbar. Umso erstaunter sind alle, als sie eines Tages mit dem Außenseiter und notorischen Schulschwänzer Alex zusammenkommt. Alex sieht auf eine dunkle, geheimnisvolle Art gut aus. Er ist cool, und trotzdem ist etwas Brutales an ihm, etwas Abschreckendes, daher ist er nicht gerade beliebt. Anfänglich gefällt Robin die schweigsame, undurchdringliche Art von Alex. Doch je länger sie ihn kennt, je mehr sie ihn wirklich mag, desto mehr stört es sie, ihm nicht näherzukommen.

Nur Jasper, Robins Exfreund, scheint plötzlich mehr über ihn zu wissen. Er lässt immer öfter Andeutungen fallen und macht seltsame Anspielungen. Schließlich bedrängt er Alex:
Jasper zwingt ihn zu einem Deal: Einen Abend mit Robin - im Austausch dafür, dass er niemandem Alex` gefährliches Geheimnis verrät.
Es wird ein Abend, der jeden der drei an ihre Grenzen führt. Ein Abend, der eine Spirale an Misstrauen und Verdächtigungen in Gang setzt, die in einer Katastrophe endet …
(Bild- und Textquelle: Fischer FJB)



Einstieg ins Buch:
Nach dem Qualm kommt die Hitze. Damit hatte sie nicht gerechnet. Irgendwo in ihrem gepeinigten, unterversorgten Hirn hat sich bisher hartnäckig die Vorstellung erhalten, dass man nicht wirklich verbrennt in einem Feuer, sondern erstickt.

Mit "Was wir auch tun" zeigt uns Marie Lucas alles andere als ein 0815-Roman. In der Geschichte begleiten wir hauptsächlich drei Charaktere. Robin und ihren Ex-Freund Jasper, die beide aus reichem Hause stammen und den Aussenseiter der Schule Alex.
Robin ist sympathisch und überall beliebt. Doch sie ist auch etwas wankelmütig und trifft manchmal Entscheidungen, die ich nicht nachvollziehen kann. Zwischendurch hätte ich sie da ganz gerne einmal geschüttelt und sie zur Vernunft gebracht. So ist sie wohl ein typischer Teenager und die Hormone spielen manchmal verrückt. Obwohl sie eigentlich weiss, was sie will, verliert sie ab und zu das Ziel aus den Augen.

Alex langt durch das Netz und packt Jasper mit beiden Händen am Kragen seines lackaffigen, teuren, die Wut noch anstachelnden Poloshirts. [...] Die Wut tobt vor Begeisterung.     (Seite 26)

Die Story wird jedoch vor allem von Alex geprägt, denn er ist für einmal ein richtiger Bad Boy - und das bezieht sich nun nicht auf Frauengeschichten. Jeden Samstag verbringt er im Besucherraum des Gefängnisses und auch in seiner Freizeit scheint sein Umgang nicht der beste zu sein.
Schnell wird klar, dass er eine düstere Kindheit hinter sich, mit der aktuellen Familiensituation zu kämpfen hat und seine Gefühle für Robin nicht zulassen möchte. So ist er immer voll mit aufgestauter Wut, die irgendwann ein Ventil nach aussen braucht.
Ich finde es sehr spannend und auch mutig, wie die Autorin das Thema Gewalt hier einbaut und einen ihrer Protagonisten zum Teil äusserst brutal agieren lässt.

Er musste sich konzentrieren, Himmel nochmal. Nicht an Robin denken, nicht an echte Gefühle. Einfach ausschalten. Nur darauf warten, dass sie kommt, die Wut. Sie ist immer da, immer. Lässt ihn nicht im Stich.     (Alex, Seite 89)

In "Was wir auch tun" prallen zwei total unterschiedliche Welten aufeinander. Robin, die in einer riesigen Villa mit Angestellten aufwächst und Alex, der lieber auf der Strasse oder in der Stammkneipe unterwegs ist, als in der einengenden Wohnung zu 'ersticken'. Der Autorin ist es sehr gut gelungen, beide Seiten bildlich und glaubhaft darzustellen.

Marie Lucas legt einen prägnanten und eindringlichen Schreibstil an den Tag. Mit oft abgehackten Sätzen, vielen Kommas und der Gegenwart baut sie eine sehr dichte Atmosphäre auf. Dies ist ganz bestimmt ihr grosses Talent und damit drückt sie ihren Büchern einen ganz eigenen Stempel auf.
Toll fand ich auch, dass die Autorin Gedichte aus dem Deutschunterricht als Stilmittel verwendet hat. Man kann sich gut vorstellen, dass Alex Problem hat, Gefühle auszudrücken oder von sich zu erzählen. So nutzt er eben diese Gedichte als Metapher für sich selber.

Er ist ... nun ja, nicht gerade ihr strahlender Ritter, aber ihr dunkler Held.     (Robin, Seite 205)

Das Cover ist einfach wunderschön und zeigt uns die unterschiedlichen Welten von Robin und Alex auf.



"Was wir auch tun" ist eine ruhige Geschichte, die mich durch einen eindringlichen Schreibstil und eine dichte Atmosphäre fesseln konnte. Marie Lucas spielt mit zwei unterschiedlichen Welten, drei Protagonisten und einem ganzen Spektrum an Gefühlen: Liebe, Eifersucht, Wut, Unsicherheit. Und vor allem zeigt sie auf, dass Vorurteile auch abgebaut werden können und jeder die Weichen seines Lebensweges selber stellen kann.









Marie Lucas liebt Geheimnisse, Schlittschuhlaufen und ihren Hund. Sie lebt in Berlin und Hannover, schreibt ihre Bücher aber am liebsten in einer kleinen Hütte irgendwo in den Bergen.
›Was wir auch tun‹ ist nach ›Zwischen Ewig und Jetzt‹ der zweite Roman der Autorin bei FISCHER FJB.(Bild- und Textquelle: Fischer Verlage)



Kommentare:

  1. Hallöchen Favola,
    ich habe dieses Buch schon länger ins Auge gefasst und ich glaube ich werde es mal noch näher ins Auge fassen :D Deine Rezension klingt ziemlich überzeugend ;)

    Liebst, Lotta

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    1. Hi Lotta

      An den Schreibstil muss man sich zu Beginn etwas gewöhnen, aber ich selber mag spezielle Schreibstile .... da entwickeln die Bücher eine ganz eigene Dynamik oder bauen eine sehr dichte Atmosphäre auf.

      lg Favola

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  2. Mist, ich habe das Buch gestern in der Hand gehabt. Erst hat mich das Cover magisch angezogen und als ich schließlich noch den Klappentext gelesen habe, war ich schon verzaubert. Ich habe es allerdings zurück gelassen. Erstmal weil ich so unendlich viele Neuzugänge habe, dass ich jetzt schon nicht weiß, wann ich die überhaupt alle lesen soll und schließlich weil ich Angst hatte, das es vielleicht doch nichts für mich ist. Ich habe "Zwischen ewig und jetzt" von der Autorin gelesen und war letztendlich ein bisschen enttäuscht von dem Roman, so dass ich jetzt natürlich Schiss habe, dass mir dieses vielleicht auch nicht zusagen könnte. Nach deiner Rezension habe ich meine Meinung allerdings geändert und bereue es zutiefst es nicht gekauft zu haben. -.- Ich hätte meinen SuB kurzzeitig mal vergessen sollen. Da fällt mir ein: Den muss ich noch aktualisieren. *lach*
    Hab einen schönen Tag.
    GLG
    Kitty ♥

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    1. Hi Kitty

      Ich habe "Zwischen Ewig und Jetzt" auch gelesen und muss sagen, dass es mich gut unterhalten hat. Ich habe damals 4 Leseenten vergeben. Ich finde aber, dass sich die beiden Bücher kaum vergleichen lassen. Die Thematik ist ja recht verschieden und auch der Schreibstil ist meines Erachtens nach anders.
      Und ja, meinen SuB muss ich gleich auch noch aktualisieren :-)

      lg Favola

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  3. Hi :)
    Ich hab das Buch auch schon auf meiner Wunschliste, nach deiner schönen Rezi werde ich es auf jeden Fall lesen! :D

    Liebe Grüße,
    Olek

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    1. Hi Olek

      Oh schön, dass ich dich dazu inspirieren konnte .... das ist es doch genau, was ich mit meinem Blog erreichen möchte :-)
      Ich bin dann sehr gespannt, wie das Buch bei dir ankommt.

      lg Favola

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  4. Liebe Favola

    dieses Buch subbt nun schon eine Weile bei mir und ich hatte mich - aus welchen gründen auch immer - irgendwie noch nicht so recht rangetraut. Aber deine Rezension hat mich nun sehr angesprochen, zumal ich diese ruhige Art von Büchern ja sehr mag.
    Ja, ich glaube, ich muss es nun endlich mal beginnen, lieben Dank für die Inspiration!

    Viele sonnige Grüße und ein schönes Pfingstwochenende!
    Alexandra

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    1. Liebe Alexandra

      Schön, dass ich dich dazu aufmuntern konnte, "Was wir auch tun" in Angriff zu nehmen. Ich bin schon sehr gespannt, wie dir die Geschichte gefallen wird.
      Auch dir wünsche ich noch ein schönes und erholsames Pfingstwochenende - wir haben bisher Sonne satt ....

      lg Favola

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  5. Huhu liebe Favola,
    als wäre meine Wuli nicht lang genug, wird dieses Schätzchen wohl nun auch drauf wandern!
    Deiner Rezi nach zu urteilen, verdient das Buch definitiv mehr Aufmerksamkeit, denn es hört sich wirklich gut an!
    Liebste Grüße
    Steffi

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    1. Hey Steffi

      Wie lang ist denn deine Wunschliste, dass dieses eine, so kleine, unschuldige Buch nicht mehr drauf Platz hat? :-P

      lg Favola

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    2. Huhu Favola,
      hast ja recht :D Ist auch schon bereits auf der WuLi gelandet. Was macht ein Buch mehr da schon aus :D
      Liebste Grüße
      Steffi

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