Freitag, 21. September 2018

"Spinster Girls. Was ist schon normal?" von Holly Bourne


Titel: Was ist schon normal?
Reihe: Spinster Girls, Band 1
Autorin: Holly Bourne
Übersetzerin: Nina Frey
Verlag: dtv Verlagsgesellschaft (20. Juli 2018)
Genre: SickLit
Themen: psychische Krankheit, Freundschaft, Feminismus
Originaltitel: Am I normal yet?
Seitenzahl: 416
vom Hersteller empfohlenes Alter: ab 14 Jahren


Inhalt:
Wir sind stark, wir lassen uns nichts sagen und küssen trotzdem. Wir sind die Spinster Girls!
Alles, was Evie will, ist normal zu sein. Und sie ist schon ziemlich nah dran, denn immerhin geht sie wieder zur Schule, auf Partys und hat sogar ein Date. Letzteres entpuppt sich zwar als absolutes Desaster, dafür aber lernt sie dadurch Amber und Lottie kennen, mit denen sie den Spinster Club gründet. Doch schafft sie es auch, mit ihren neuen Freundinnen über ihre Krankheit zu sprechen?
(Bild- und Textquelle: dtv Verlagsgesellschaft)  



Psychische Erkrankungen packen dich am Bein und verschlingen dich trotz aller Gegenwehr mit Haut und Haaren. Sie machen dich selbstsüchtig. Sie machen dich irrational. Sie verpassen dir einen Tunnelblick.     (Seite 91)


Mit einem Eintrag ins Genesungstagebuch Normalwerdetagebuch lernen wir Evie in "Spinster Girls. Was ist schon normal?" kennen. Evie leidet an einer Zwangsstörung. Nach einer längeren Therapie besucht sie nun eine neue Schule, ihre Medikamente werden immer mehr reduziert und ihr grosses Ziel ist es, normal zu sein und nachzuholen, was sie in den letzten Jahren verpasst hat. Dazu gehören Freunde, ein Freund oder wenigstens der erste Kuss und Partys.


Zuerst scheint Evies Plan aufzugehen. Sie lernt Lotti und Amber kennen und gründet mit den beiden die Spinster Girls. In ihrem Club wollen die drei Themen des Feminismus diskutieren. Es geht ihnen darum sich umeinander zu kümmern und sich für niemanden zu verändern. Trotzdem möchte Evie ihre Freundinnen nicht mit ihrer Krankheit konfrontieren. Im Laufe der Geschichte realisiert man, wie sich Evie verändert. Sie fällt in alte Denkmuster und Zwänge zurück, so dass sich ihre Lager immer mehr zuspitzt.


Als Leser fühlt man sich der Protagonistin schnell nahe. Zum einen ermöglicht uns Evie einen Einblick in ihre Gedankenwelt, zum anderen sind immer wieder Abschnitte aus ihrem Genesungstagebuch abgedruckt. Darin sind nicht nur die Hausaufgaben ihrer Therapeutin aufgeführt, Evie hält auch ihre unguten Gedanken darin fest, die durch ihre Erkrankung hervorgerufen werden.


Durch diese Einträge wird die Geschichte nicht nur immer wieder aufgelockert, sie geben einem Aussenstehenden auch eine kleine Ahnung, wie es ist, mit einer Zwangskrankheit zu leben.
Dieser erste Band von "Spinster Girls" wirkt auf mich sehr authentisch. Trotz der ernsten Thematik, schafft Holly Bourne den Spagat zwischen Ernsthaftigkeit und Humor.

"Was ist schon normal" wird als Aushängeschild für Feminismus genutzt. Dafür geht es mir dann aber zu oft trotzdem um Jungs. Die Ansätze haben mir aber gut gefallen und ich hoffe, dass diese im nächsten Band weiterverfolgt und ausgebaut werden.
Ganz klar kritisch betrachte ich den hohen Alkoholkonsum der Mädchen. Schade, dass die Autorin hier kein Gegengewicht geben konnte.


Der Schreibstil von Holly Bourne liest sich angenehm flüssig, frisch und humorvoll. Mit ihrer Geschichte um Evie konnte sie mich fesseln und faszinieren und der Mix aus Story und Tagebucheinträgen erzeugt einen richtigen Lesesog.
"Was ist schon normal?" ist der erste Teil einer Trilogie. Jedes Mädchen der Spinster Girls erzählt in einem Band seine Geschichte.




Starke Mädchen braucht die Welt. Da kommt "Spinster Girls. Was ist schon normal?" wie gerufen. Neben dem versprochenen Feminismus sind Jungs zwar trotzdem ein grosses Thema, doch Holly Bourne schafft mit diesem Auftakt die Gratwanderung zwischen ernsten Themen und humorvollen Zwischentönen. Auf eine frische und fesselnde Art präsentiert sie uns Evie, die zwischen ihrer Zwangsstörung und dem Wunsch, normal zu sein, hin- und hergerissen wird.








   

  1. Spinster Girls. Was ist schon normal?
  2. Spinster Girls. Was ist schon typisch Mädchen?

Hier geht es zum Reihenspecial.



© Favolas Lesestoff

Kommentare:

  1. Tolle Rezension! Das klingt definitiv nach einem spannenden Buch. Ich lese sehr gerne über etwas ernstere Themen und Feminismus, daher scheint diese Geschichte wie für mich gemacht zu sein.

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    1. Hallo
      Oh ja, ich denke, dann ist das Buch wirklich etwas für dich. Vor allem finde ich die Balance zwischen Ernsthaftigkeit und Leichtigkeit sehr gelungen.
      lg Favola

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  2. Liebe Favola,
    wirklich gut umschrieben und trifft so ziemlich genau meinen eigenen Eindruck. Mich störte zunehmend, dass Jungs trotz des Themas Feminismus so präsent waren.
    Ich bin aber wirklich sehr gespannt auf das zweite Buch und wie es hier weitergeht.

    Liebe Grüße
    Sandy

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    1. Liebe Sandy
      Oh ja, ich war auch sehr erstaunt, wie präsent Jungs waren. Das Buch wurde ja gerade wegen der Thematik Feminismus angepriesen ....
      Hast du Band 2 schon gelesen?
      liebe Grüsse
      Favola

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  3. Hey!
    Also ich habe das Buch im Regal und war mir noch nicht sicher, ob ich es wirklich lesen will (nicht gekauft, Leseexemplar).
    Aber schon allein, dass es sich flüssig liest, überzeugt mich doch. Besonders in den vielen Leseflauten kann ich so eine Geschichte gebrauchen.
    Schönen Sonntag wünscht:
    *Sara*
    tastenklecks.de

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    1. Hey Sara
      Also ich würde dir schon empfehlen, das Buch zu lesen. Wenn es dir gar nicht gefällt, kannst du es ja immer noch beiseite legen. Aber wie gesagt, lässt es sich sehr flüssig und schnell lesen.
      lg Favola

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  4. Hallo Favola

    Über das Buch bin ich in den letzten Wochen öfter gestolpert, ich habe aber bisher oft gelesen, das die Autorin scheinbar zu viele Themen auf einmal thematisieren will und neben der Feminismus-Thematik noch was dazu kommt. Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, aber war es Mobbing? Hast du das auch so empfunden?

    Liebe Grüsse
    paperlove

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    1. Hallo Paperlove
      Ja, es werden in "Spinster Girls" einige Themen aufgegriffen. Die psychische Erkrankung der Protagonistin steht natürlich auch im Zentrum. Ich muss aber sagen, dass für mich die Geschichte aufgeht, obwohl viele Themen drin vorkommen.
      lg Favola

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