
Titel: Atlantia
Autorin: Ally Condie
Genre: Jugendbuch, Dystopie
Verlag: FISCHER FJB (11. Februar 2015)
ISBN: 978-3841421692
Seiten: 416
empfohlenes Lesealter: ab 14 Jahren
Zwillinge.
Sie waren für ein gemeinsames Leben bestimmt.
Doch das Schicksal trennte sie.
Bay, du fehlst mir so sehr, flüsterte sie in die Muschel. Aus dem Inneren tönte ein rauschender Gesang und erinnerte an eine Zeit, als Wasser und Land noch zusammengehörten. Wo auch immer an der Landoberfläche ihre Schwester nun war, sie musste sie finden – auch wenn es niemandem erlaubt war, die Stadt unter der Glaskugel zu verlassen.
In einer Welt, die in Wasser- und Landbevölkerung aufgeteilt ist, werden die Zwillingsschwestern Rio und Bay durch einen Schicksalsschlag getrennt. Bay tritt ihre Reise zur Oberfläche an. Rio bleibt in Atlantia zurück. Um ihre Schwester wiederzusehen, muss sie herausfinden, warum Wasser und Land getrennt wurden und welche wunderbare und zugleich zerstörerische Gabe die Frauen der Familie verbindet.
(Bild- und Textquelle: Fischer FJB)

Einstieg ins Buch:
Meine Zwillingsschwester Bay und ich schreiten unter den braun-türkisfarbenen Bannern hindurch, die von der Decke des Tempels herabhängen
Schon das erste Kapitel hat Ally Condie sehr geschickt eingefädelt, weckt damit Emotionen und treibt die Spannung in die Höhe.
Die Welt oben ist zerstört, darum wurde Atlantia unter Wasser geschaffen. Ein Teil der Menschheit muss oben arbeiten, um die unten am Leben zu erhalten. Diese arbeiten hart und sterben alle an einer Krankheit. Unten muss man zwar auch arbeiten, wird aber sehr alt. Rio und Bay sind Zwillingsschwestern und recht unterschiedlich. Bay ist mit der Unterwasserwelt sehr verbunden und Rio zieht es nach oben an die Luft, zur Erde. Doch als ihre Mutter, die Hohepriesterin, stirbt, gibt sie ihrer Schwester das Versprechen, unten zu bleiben. Und daran hält sie sich auch schweren Herzens am Tag der Entscheidung. Nicht so Bay. Geschockt muss der Leser mit Rio mitlerleben, wie diese sich für ein Leben an der Erdoberfläche entscheidet. Warum nur?
Für Rio steht nun fest, dass sie irgendwie auch nach oben muss. Erstens ist das schon immer ihr Traum und zweitens will sie ihre Zwillingsschwester zur Rede stellen. Doch das ist nicht so einfach. Ob ihr ihre Tante, die eine Sirene ist, oder True helfen können? Und vor allem: kann Rio ihnen vertrauen und sich helfen lassen?
"Ich vermisse sie so sehr, dass es sich anfühlt, als wäre ich allein in einem Ozean, der die ganze Welt bedeckt." (Seite 258)
Erzählt wird "Atlantia" aus der ich-Perspektive von Rio. Sie ist wirklich ein sehr spezieller Charakter. Zum Teil kann man ihr eigenwilliges Handeln wegen ihrer Vergangenheit verstehen, aber alles wird dadurch nicht entschuldigt. Ihre Zwillingsschwester Bay bleibt leider bis zum Ende nur ein Name, es hat sich nie ein Bild von ihr vor meinen Augen gebildet.
True ist wirklich ein sehr sympathischer und netter Typ, aber er blieb mir leider zu blass. Ich hätte sehr gerne mehr über ihn erfahren.
Maire empfand ich als den spannendsten und facettenreichsten Charaktere in Atlantia. Sie ist eine sehr mächtige Sirene, doch auch sie ist im System der Unterwasserwelt gefangen. Bis fast am Ende weiss man als Leser nicht, ob Rio ihrer Tante trauen kann oder ob diese doch nur für ihre eigenen Vorteile schaut.
Das Buch ist sehr flüssig und im Präsens geschrieben, so dass sich das Buch angenehm und sehr locker lesen lässt.
Ich muss sagen, dass mir der Anfang der Geschichte wirklich gut gefallen hat. Wir lernen Atlantia und seine Religion gut kennen und mich konnte die Geschichte fesseln, obwohl sie eher ruhig ist. Doch das Ende ging mir dann einfach viel zu schnell und vor allem auch zu einfach. Da habe ich mich dann gefragt, ob der Autorin eine gewisse Länge vorgeschrieben war ....
Und obwohl ich Einzelbände wirklich sehr schätze, hätte ich mir hier für einmal eine Fortsetzung gewünscht oder aber einfach am Ende 100 Seiten mehr. So hätten vielleicht noch einige blinden Flecken geklärt und Fragen beantwortet werden können.

Ally Condie konnte mich mit ihrem spannenden Weltenentwurf von Atlantia überzeugen. Religion und Politik sind gut durchdacht, Charaktere blieben mir jedoch viele zu blass. Trotzdem habe ich "Atlantia" sehr gerne gelesen, denn diese dystopische Geschichte ist zwar recht ruhig, hat aber viel Atmosphäre und baut kontinuierlich Spannung auf. Nur am Ende geht es mir dann einfach zu schnell und einfach.


Ally Condie lebt mit ihrem Mann und ihren vier Kindern in Salt Lake City, USA. Nach dem Studium unterrichtete sie mehrere Jahre lang Englische Literatur in New York, bevor sie sich ganz dem Schreiben widmete. Die phänomenal fesselnde Serie Cassia & Ky wurde in mehr als 30 Sprachen übersetzt und war ein überwältigender internationaler Erfolg.
(Textquelle: Fischer Verlage)





