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Donnerstag, 17. September 2015

[Rezension] "Auf eine wie dich habe ich lange gewartet" von Patrycja Spychalski




Titel: Auf eine wie dich habe ich lange gewartet
Reihe: nein
Autorin: Patrycja Spychalski
Genre: Contemporary Young Adult
Verlag: cbt (13. Juli 2015)
ISBN: 978-3570309735
Seiten: 320
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: ab 14 Jahren





Ich wollte schon seit einiger Zeit ein Buch von Patrycja Spychalski lesen, denn sie wurden mir von mehreren Seiten als äusserst echt empfohlen.




Ab ans Ende der Welt, heißt es für Großstadtmädchen Laura – dort, wo sich höchstens die Wildgänse und Mamas neue Hühner gute Nacht sagen. Wie soll sie es da nur aushalten? Aber das piefige Kaff hat dann doch etwas zu bieten: Enzo, den süßen Neffen des Pizzeriabesitzers, und Irina, das hübsche, durchgeknallte Mädchen, mit dem Laura sich auf Anhieb versteht, Musik hört, am Bach herumliegt und … dann passiert es: Auf einer Party küsst Irina Laura – und Laura küsst Irina. Doch so unerwartet schön, so schrecklich verwirrend sind ihre Küsse auch. Bin ich lesbisch?, googelt Laura. Und wenn ja, warum dann dieses irre Kribbeln, wenn sie Enzo sieht?
(Bild- und Textquelle: cbt)




Einstieg ins Buch:
Ich sitze auf der Rückbank unseres alten Ford Fiesta und halte meine Hand aus dem halb geöffneten Fenster.

Aus beruflichen Gründen ihres Vaters muss Laura mit ihren Eltern umziehen. Mutter und Vater freuen sich beide riesig auf den Neustart, vor allem die Mutter richtet euphorisch das neue Haus ein. Für Laura geht die Welt unter, weil sie die Grossstadt mit all ihren Freunden gegen ein Kaff eintauschen muss. Doch dann lernt sie erst Enzo und dann Irina kennen. Mit beiden kommt sie sofort gut zurecht und fühlt sich wohl und je länger je mehr spielen ihre Emotionen verrückt und sie fühlt sich hin und hergerissen, weiss nicht mehr, was sie fühlen soll, darf, will ....

Der Verlust meiner Freunde fühlt sich an, als hätte man mir alle Wurzeln gekappt.     (Seite 104)

Erzählt wird die Geschichte aus der ich-Perspektive der 16-jähirgen Laura, wodurch wir ihre Gefühle und Gedanken hautnah mitbekommen. Obwohl die Protagonistin erst recht launisch ist, war sie mir sofort sympathisch. Dass Laura erst so den Kopf hängen lässt, ist nach solch einem Umzug mit komplettem Tapetenwechsel total nachvollziehbar und auch sonst reagiert sie ihrem Alter entsprechend.

Das Entwerfen und Ausarbeiten der Charaktere ist ganz bestimmt ein grosses Talent von Patrycja Spychalski, denn diese sind immer facettenreich und vor allem überaus authentisch, direkt aus dem Leben gegriffen.

Wenn man den Klappentext liest, erwartet man wohl eine schon zu oft dagewesenen Dreecksgeschichte. Doch wer die Autorin kennt, weiss, dass sie nicht auf solche Trittbretter aufspringt. Feinfühlig erzählt sie von Lauras Gefühlen, von ihrer inneren Zerrissenheit und findet einmal mehr eine für mich perfekt Auflösung. "Auf eine wie dich habe ich lange gewartet" ist erfrischend anders und weiss zu überzeugen. Die ruhige, sommerliche Atmosphäre hält einen bis zur letzten Seite gefangen und am Ende hätte ich sogar gerne noch etwas mehr gehabt, denn auf den 320 Seiten werden doch viele Theman angeschnitten: Selbstfindung, Freundschaft, Liebe, Sexualität, Mobbing und sogar psychische Probleme.

Patrycja Spychalski schreibt sehr jugendlich, direkt und fesselnd, so dass man sofort von der Geschichte gepackt wird und das Buch kaum mehr aus der Hand legen kann.


Findest du nicht, dass es letztendlich ein Mensch ist, in den man sich verliebt?     (Seite 311)





Liebesgeschichten für diese Altersgruppe gibt es wie Sand im Meer, doch die Bücher von Patrycja Spychalski sind immer mehr .... sie bewegen sich nicht im seichten oder trüben Wasser sondern zeigen die wahren Seiten der Pubertät, die oft hohe Wellen schlagen und Klartext reden.
"Auf eine wie dich habe ich lange gewartet" ist jetzt nicht ein Buch, auf das ich lange gewartet hätte, doch ich habe es gesehen, es hat mich angelacht und mir tolle Lesestunden geschenkt. Ich mag Spychalskis Schreibstil, ihre interessanten Charaktere, ihre Direktheit, Authentizät und vor allem auch ihre Enden - die für Jugendbücher eher unkonventionell sind, dafür aber umso glaubhafter daherkommen.







Patrycja Spychalski, geboren 1979 in Starogard, Polen, zog im Alter von neun Jahren mit ihren Eltern nach Berlin. Nach dem Abitur absolvierte sie eine Schauspielausbildung, wandte sich dann aber einem ganz anderen Bereich zu: Seit 2002 arbeitet sie in vielfältigen sozial-kulturellen Projekten mit Kindern und Jugendlichen. Sie schrieb mehrere Kurzgeschichten für Anthologien, bevor sie ihren ersten Roman Ich würde dich so gerne küssen verfasste.
(Textquelle: cbt)



Samstag, 15. August 2015

[Rezigramm] "Ich würde dich so gerne küssen" von Patrycja Spychalski



Titel: Ich würde dich so gerne küssen
Reihe: nein
Autorin: Patrycja Spychalski
Verlag: cbt (13. Februar 2012)
Genre: Jugendbuch, Contemporary Young Adult
ISBN: 978-3570307809
Seitenzahl: 272
vom Hersteller empfohlenes Alter: ab 13 Jahren


Inhalt:
In der Nacht zu ihrem 17. Geburtstag lernt die eigenwillige Frieda jemanden kennen, den sie einfach nicht vergessen kann: Jeffer, einen gut aussehenden, rebellischen Jungen und – wenn sie den warnenden Stimmen glauben soll – Herzensbrecher. Als ihre Eltern verreisen, schlägt Frieda all die wohlmeinenden, vernünftigen Ratschläge in den Wind und zieht kurzerhand bei Jeffer ein. Gemeinsam feiern sie, hören Musik, reden bis tief in die Nacht – nicht mehr. Beide spüren, dass sie etwas wirklich Besonderes verbindet, doch genau das macht ihnen Angst, zumal Frieda nicht versteht, was dieser ungewöhnliche Junge an ihr findet. Schließlich ist es genau ein Kuss, der alles verändert …
(Bild- und Textquelle: cbt)  




Der Einstieg in eine Geschichte ist ja eigentlich immer das Cover. Bei "Ich würde ich so gerne küssen" dachte ich lange, ich würde eine normale sommerliche Liebesgeschichte bekommen. Als ich dann aber einige begeisterte Stimmen gehört hatte, musste ich mir selber ein Bild machen. Und wirklich: Patrycja Spychalski hat weder eine normale noch eine seichte oder einfache Liebesgeschichte geschrieben. Dieses Buch ist viel mehr als einfach .... und alles andere als 0815.


Wir steigen an Friedas 17. Geburtstag in die Geschichte ein. Ihre beste Freundin Maya holt sie mit ein paar Jungs ab und sie fahren nach Kreuberg - am 1. Mai. Als plötzlich Eier, Steine, Bierfalschen fliegen und die Polizei aufwartet, findet sich Frieda alleine mit Jeffer, Maya hat sie aus den Augen verloren. Und so schauen die zwei, dass sie weg kommen.
Frieda ist dermassen von Jeffer fasziniert, dass sie, als ihre Eltern verreisen, auf sein Angebot, bei ihm zu wohnen, eingeht. Zum einen wegen Jeffer, zum anderen aber auch, weil sie ihr zurückgezogenes Ich leid ist.


Frieda ist eine sympathische Protagonistin. Sie ist so richtig schön normal und würde gerne hübscher und mutiger sein. Sie bewundert ihre beste Freundin Maya um deren Lockerheit. In der Gegenwart von Jeffer fühlt sie sich zum ersten Mal richtig lebendig .
Jeffer ist ein Beau und Überlebenskünstler. Im Grunde genommen ist er ja Zivieldienstleistender, doch vor allem ist er Musiker. Er spielt selber Gitarre und liebt vor allem ältere Musik wie die von Pink Floyd, Janis Joplin oder Johnny Cash.
Jeffer ist undurchschaubar. Es gibt Situationen, da verwöhnt er Frieda regelrecht, dann legt er Reaktionen an den Tag, die einen nur den Kopf schütteln lassen. Aber das macht ihn umso authentischer.


Patrycja Spychalski schafft es, eine unheimlich dichte Atmosphäre zu schaffen. Dazu trägt natürlich die unglaubliche Echtheit der Geschichte bei, aber auch das Einbinden einer ganzen Reihe von Songs aus den 60er Jahren. Das hat mir ausgezeichnet gefallen, denn die meisten davon kenne ich selber.
Auch toll ist, dass die Autorin schön durchblicken lässt, wie wichtig ihr ihre Heimatstadt ist. Ich war noch nie in Berlin, aber sie konnte mir diese Stadt näher bringen.
Für mich war auch das Ende ein positiver Punkt. Es ist alles andere als komform und wohl eher unerwartet, aber genau richtig. Denn so ist das Leben.

Viel zu kritisieren gibt es wirklich nicht. Mein einziger negativer Punkt ist, dass im Buch so viel geraucht wird. Ich bin in dieser Hinsicht wohl ein gebranntes Kind, doch dass in einem Jugendbuch stellenweise auf jeder zweiten Seite eine Zigarette angezündet oder an einem Abend 2 Schachteln vernichtet werden, war mir ein wenig zu viel. Zu einem Teil gehört es jedoch auch zur Atmosphäre ....


Die Geschichte ist aus der ich-Perspektive von Frieda erzählt.
Patrycja Spychalski schreibt sehr jugendlich, direkt und fesselnd, so dass man sofort von der Geschichte gepackt wird und das Buch kaum mehr aus der Hand legen kann.
Ganz toll finde ich auch das Detail, dass der Buchtitel in die Geschichte eingearbeitet wurde.




"Ich würde dich so gerne küssen" überzeugte mich mit einer dichten Atmosphäre, einer unglaublichen Echtheit und einer unkonventionellen Liebesgeschichte direkt aus dem Leben. Die Abstecher in die Musikgeschichte krönen dieses tolle Buch. Es wird ganz bestimmt nicht mein letztes von Patrycja Spychalski gewesen sein.









Neulich habe ich irgendwo gelesen, dass Pickel der Makel introvertierter Menschen seien. Die versteckten Gefühle wollen nach draussen.      (Seite 6)

"Ich weiss nicht, was ich aus meinem Leben machen soll. Ich bin nicht verrückt oder so. Ich habe keine besonderen Talente, keine grossen Leidenschaften. Ich bin ein stiller Zuschauer."     (Seite 45)

Ich habe immer das Gefühl, dass das Leben morgen richtig anfängt, oder dass es gestern ganz besonders war, aber im Hier und Jetzt komme ich nicht richtig an.      (Seite 47)

Ich mag keine Menschen, die sich schön finden. Ich mag lieber die, die schön sind und trotzdem nicht so viel Wind darum machen.     (Seite 116)




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