Posts mit dem Label cbt werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label cbt werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 7. November 2016

[Rezension] "Amani - Rebellin des Sandes" von Alwyn Hamilton





Titel: Amani - Rebellin des Sandes
Reihe: Band 1/3
Autorin: Alwyn Hamilton
Übersetzerin: Ursula Höfker
Genre: Fantasy
Verlag: cbt (22. August 2016)
ISBN: 978-3570164365
Seiten: 352
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: ab 14 Jahren








"Rebel of the Sands" ist mir schon oft wegen dem tollen Cover ins Auge gestochen. Das deutsche Cover kommt zwar nicht ganz an das Original heran, sieht aber auch klasse aus. Der Klappentext von "Amani - Rebellin des Sandes" klingt sehr spannend und verspricht eine starke Protagonistin.



Die 16-jährige Scharfschützin Amani will nichts mehr, als Dustwalk, einem Kaff mitten in der Wüste, den Rücken zu kehren. Bei einem Schießwettbewerb, der Amani die Freiheit bringen soll, kreuzt Jin ihren Weg: ein faszinierender Fremder, der von den Schergen des Sultans verfolgt wird. Jin soll zu den Rebellen gehören, die den abtrünnigen Prinzen Ahmed unterstützen. Amani und Jin werden Reisegefährten wider Willen und kämpfen bald ums Überleben – gegen magische Djinn, gegen die Soldaten des Sultans und eine mysteriöse, tödliche Waffe. Unversehens steckt Amani mitten in einer Rebellion, die das Schicksal ihres Landes entscheiden könnte und ihre Gefühle für Jin offenbart …
(Bild- und Textquelle: cbt Verlag)





Einstieg ins Buch:
Leute, die sich nach Einbruch der Dunkelheit noch in Deadshot aufhalten, führten nichts Gutes im Schilde, hiess es. Ich führte zwar nichts Gutes im Schilde. Aber auch nicht unbedingt etwas Schlechtes.

Nicht nur optisch kann mich "Amani - Rebellin des Sandes" begeistern, auch inhaltlich weiss Alwyn Hamilton zu überzeugen. Sie hat ihre Fantasygeschichte in einem Wüstenland angesiedelt und mit einem Hauch von 1001 Nacht und einem Schuss Western versehen. Wir begegnen Djinis, Nachtmahren, Guhlen, magischen Wüstenpferden und einer Revolverheldin. Das Setting ist einfach grandios und man bekommt das Gefühl, der Sand sickert durch alle Seiten.

Amani ist ein Wüstenkind. Sie liebt die Hitze, den Sand, nur ihren Heimatort Dustwalk will sie hinter sich lassen, koste es, was es wolle. Um an das nötige Geld für ihre Flucht zu kommen, verkleidet sie sich als Junge und nimmt an einem Schiesswettbewerb teil. Dort lernt sie den fremden Jin kennen, der von den Schergen des Sultans verfolgt wird.

"Als es noch Magie gegen Schwerter hiess, war es ein fairer Kampf. Doch jetzt haben die Galla Gewehre und die Magie blutet überall aus.".     (Seite 154)

Amani ist eine grossartige Protagonistin, die man einfach ins Herz schliessen muss. Nach dem Tod ihrer Eltern lebt sie bei ihrem Onkel, wo sie jedoch nur geduldet wird. Kein Wunder also, dass sie ein klares Ziel vor Augen hat, in der Hauptstadt ein neues Leben zu beginnen. Sie ist taff und nicht auf den Mund gefallen, hat aber auch ihre verletzliche Seite. Und genau diese Attribute machen sie so sympathisch und authentisch. Zudem legt sie während der Geschichte eine tolle Entwicklung hin.

Wie auch Amani ist auch der Leser sofort von Jin fasziniert. Auf der einen Seite ist er hilfsbereit und offen, auf der anderen Seite realisiert man schnell, dass er mehr als nur ein Geheimnis mit sich herumträgt.

"Amani - Rebellin des Sandes" bietet nicht nur sehr viel Spannung sondern zeigt sich auch von der romantischen Seite. Nicht oft kann mich eine Liebesgeschichte in einer rasanten Story überzeugen, doch Alwyn Hamilton beweist viel Feingefühl, die nötige Leidenschaft und hält diese Balance meisterhaft.

"Bevor ich dich traf, habe ich nie ans Schicksal geglaubt", sagte er und lehnte mit einem tiefen Seufzer den Kopf an die Mauer. "Seither glaube ich, dass der Zufall keinen annähernd so grausamen Sinn für Humor haben kann."     (Jin, Seite 174) 

Mit ihrem bildgewaltigen Schreibstil lässt Alwyn Hamilton verzauberte Wüstenpferde auferstehen, lässt einen die Hitze spüren und wirbelt viel Staub auf. Sie entführt in eine atemberaubende Wüstenwelt, die voller Magie und Geheimnissen steckt, und einen erst wieder auftauchen lässt, wenn der Lesedurst gestillt ist.





mitreissend, magisch, grandios
"Amani - Rebellin des Sandes" ist eine excellente Fantasygeschichte mit einem Hauch von 1001 Nacht und einem Schuss Western. Mit viel Spannung, einem atemberaubenden Setting und perfekt dosierter Leidenschaft entführt uns Alwyn Hamilton nach Maraji und wirbelt viel Staub auf.
Unbedingt lesen und die Hitze der Wüste spüren, die Geheimnisse des Sandes aufdecken und sich verzaubern lassen!









  1. Amani - Rebellin des Sandes
  2. Original "Traitor to the Throne" erscheint am 2. Februar 2017





Alwyn Hamilton wurde in Toronto geboren, doch ihre Familie pendelte zwischen Kanada, Frankreich und Italien hin und her, bis sie drei Jahre alt war, und ließ sich schließlich in der Kleinstadt Beaune in Frankreich nieder. Alwyn Hamilton studierte Kunstgeschichte in Cambridge, wo sie 2009 ihren Abschluss machte. Heute wohnt sie in London und arbeitet dort für das Auktionshaus Christie’s.

(Textquelle: cbt Verlag)




© Favolas Lesestoff

Dienstag, 26. April 2016

[Rezigramm] "Salz & Stein" von Victoria Scott


Titel: Salz & Stein
Reihe: Band 2
Autorin: Victoria Scott
Übersetzerin: Michaela Link
Genre: Dystopie
Verlag: cbt (23. November 2015)
ISBN: 978-3570163450
Seitenzahl: 480
empfohlenes Lesealter: ab 14 Jahren


Inhalt:
Das Brimstone Bleed geht in die zweite und letzte Runde. Tella hat mehr als einen Freund verloren. Einzig ihr Pandora Madox ist tapfer an ihrer Seite. Kann sie das Rennen gewinnen und ihren Bruder retten? Kann sie die Veranstalter des Brimstone Bleed ein für alle Mal vernichten, damit niemand mehr so leiden muss wie sie? Und was geschieht mit Guy und ihr – kann die Liebe über alles siegen, oder bleibt sie auf der Strecke?
(Bild- und Textquelle: cbt)  


"Salz & Stein" steigt da ein, wo "Feuer & Flut" geendet hat. Die Kandidaten des Brimstone Bleed sind seit über einer Woche im Basislager der Wüste um sich für die beiden nächsten Abschnitte zu erholen.
Der Einstieg ist mir erstaunlich gut gelungen. Häppchenweise lässt Victoria Scott Informationen zum ersten Band einfliessen, so dass man sich schnell wieder in der Handlung, den Charaktere und ihren Pandoras zurecht findet.


Die Geschichte ist wieder aus der ich-Perspektive von Tella geschrieben, die zu Beginn sehr unsicher ist. Guy hat ihr nämlich zu verstehen gegeben, dass sie ohne ihn noch im Dschungel festsitzen würde.
Doch dann fasst sie einen Entschluss: Sie will ihm beweisen, dass sie es auch alleine schafft, dass sie stark ist und nicht auf  ihn angewiesen ist. 


Die  sechzehnjährigen Tella hat sich während dem Brimstone Bleed stark weiterentwickelt. Zu Beginn habe ich sie als einen etwas launischen und sehr oberflächlichen Teenager erlebt. Zwar gibt es immer noch Szenen, in denen sie an einen Vanille-Soja-Latte oder ihre Pantoffeln mit Leopardenmuster denkt, doch nun übernimmt sie Verantwortung und entwickelt Führungsqualitäten. Vor allem liegt ihr viel an den Pandoras, was mir ausserordentlich gut gefallen hat.

Der grösste Pluspunkt in "Salz & Stein" sind ganz sicher wieder die Pandoras. Die tierischen Begleiter spielen auch in diesem zweiten Band eine wichtige Rolle. Sie sind sehr vielseitig und haben faszinierende Begabungen, so dass sie dem Buch die nötige Würze verleihen.
Doch auch so hat Victoria Scott einmal mehr eine sehr rasante und spannende Geschichte entworfen. Aber auch Freundschaft und Loyalität sind ein sehr wichtiger Punkt in diesem Buch wie auch überall sonst im Leben.


Man muss sich aber auch bewusst sein, dass die Autorin den Leser nicht schont. So weiss man nie genau, wer das Rennen wirklich überlebt, denn wie schon im ersten Teil scheut sie sich nicht vor brutalen Szenen, die schockieren.
Eigentlich habe ich gehört, dass dies eine Dilogie sei. Doch nach dem Ende hoffe ich einfach mal darauf, dass es trotzdem noch weiter geht.


Der Schreibstil von Victoria Scott liest sich wieder flüssig. Er ist schlicht und weiss zu fesseln, so dass man leicht in die Geschichte eintaucht und am liebsten erst wieder im Ziel des Brimsone Bleed auftauchen würde.
Auch das Setting und die Atmosphäre auf See und im Schnee konnten mich überzeugen.





Mit "Salz & Stein" bietet uns Victoria Scott ein mitreissendes und spannendes Rennen um Leben und Tod.
Freundschaft, Loyalität & Verlust - die Autorin spielt mit ihren Charaktere ein gefährliches Spiel und treibt sie zu Höchstleistungen an. Und auch uns Leser lässt sie kaum zu Atem kommen und raubt uns den Schlaf.





Aber Enttäuschung gehört zu diesem Rennen dazu und das muss ich akzeptieren und mich dennoch kopfüber hineinstürzen.     (Seite 58)

Sie sind nicht die Guten. Sie sind das Monster unter dem Bett, ein huschender Schatten in der Ecke um Mitternacht. Sie sind das Ding, vor dem man erst Angst bekommt, wenn es längst zu spät ist.     (Seite 61)

Das macht das Brimstone Bleed mit Menschen. Es bringt uns dazu, zwischen Leben zu wählen. Bringt uns dazu, weniger Mensch und mehr Tier zu sein, verzweifelt darauf bedacht, unser Rudel zu schützen.     (Seite 108)

Früher war ich das Mädchen, das eine Hitliste von Sandwich-Läden hatte, je nachdem, wie gut die Kekse dort waren. Jetzt bin ich das Mädchen, das den Tod katalogisiert, und das Mädchen, das Rache schwört.     (Seite 280)




   

  1. Feuer & Flut     →   zu meinem Rezigramm
  2. Salz & Stein     




@ by Favolas Lesestoff


Samstag, 23. April 2016

[Rezension] "Silfur. Die Nacht der silbernen Augen" von Nina Blazon





Titel: Silfur. Die Nacht der silbernen Augen
Autorin: Nina Blazon
Genre: Urban Fantasy
Themen: nordische Sagen, Island
Verlag: cbt (21. März 2016)
ISBN: 978-3570163665
Seiten: 480
empfohlenes Lesealter: ab 10 Jahren





Tja, einmal mehr muss ich schreiben, dass mich Nina Blazon noch nie enttäuscht hat - im Gegenteil, ganz still und heimlich hat sie sich unter meine Lieblingsautoren geschlichen. Und so freute ich mich schon riesig auf "Silfur", wieder einmal eine Geschichte für etwas jünge Leser, wie "Lillesang".





Sommerferien in Island, einem Land, in dem die Menschen sich am Lagerfeuer Geschichten über Elfenwesen und Wiedergänger erzählen. Doch handelt es sich dabei wirklich nur um Geschichten? Die Brüder Fabio und Tom sind sich da zunehmend unsicher. Gemeinsam mit Elín, dem wilden isländischen Mädchen, das ihnen nicht nur die Hauptstadt Reykjavík zeigt, sondern sie auch mit zu einem Reiterhof in der Nähe der berühmten Hraunfossar-Wasserfälle nimmt, stoßen sie auf eine geheimnisvolle Welt im Verborgenen …
(Bild- und Textquelle: cbt)



Einstieg ins Buch:
Fabios Eltern hatten also keinen Witz gemacht. Die Isländer assen tatsächlich vergammelten Haifisch!

"Silfur" beginnt gleich sehr humorvoll, denn Fabio, Tim und ihre Eltern verbringen ihre Ferien in Island und bekommen zur Begrüssung gleich eine isländische Spezialität vorgesetzt. Doch die deutschen Touristen können sich nicht für den Hákarl, vergammelten Haifisch, begeistern.

Fabio und Tim sind zwei sehr unterschiedliche Brüder. In der Geschichte begleiten wir Fabio, der eher ein stiller Beobachter ist. Er sitzt sehr gerne am Computer und blendet mit einem Fantasyrollenspiel den Alltag und seine Problem aus. Tim ist sehr intelligent und sportlich und obwohl er zwei Jahre jünger ist, hat er Fabio von der Grösse her schon eingeholt. Um seinen grossen Bruder nicht zu kränken, zeigt er viele seiner Talente nicht. Als sie Elín, die Tochter der Ferienhausvermieterin, kennenlernen, taut Tim auf, denn auch sie ist immer in Bewegung und kennt keine Angst wenn es um Tempo und Höhe geht.
Ein herber Schlag für Fabio, denn eigentlich geht er mit seinem Bruder durch dick und dünn und nun zieht Tim mit dieser Elín los, die ihn auch noch frech als Dvergur (Zwerg) bezeichnet. Und dann macht Fabio noch eine beunruhigende Entdeckung: Er kann Elfen sehen und diese sind mitten in Reykjavik.

Das Land der Vulkane. Was Björg und Elín anging, stimmte das. Zumindest Elín sah aus, als würde ihr jeden Moment glühende Lava aus den Ohren schiessen.     (Seite 57)

Einmal mehr konnte mich Nina Blazon mit facettenreichen Charaktere und vor allem einem wahnsinnig tollen Setting begeistern. Island stand nie weit oben auf meiner Wunsch-Reiseziel-Liste, doch nach "Silfur" weiss ich, dass ich dieses Land irgendwann selber kennenlernen muss. Mit ihren bilhaften Beschreibungen bringt sie dem Leser Reykjavik näher und verleiht Island mit dem Einbinden der nordischen Sagen und Elfen eine mystische Atmosphäre.

Die Autorin beweist auch ihren schier unendlichen Ideenreichtum und Humor. So kann sich ein Elf mit einem Wolfskopf teleportieren oder die Elfen haben ihr eigenes Internet.

"Silfur" ist ein Buch voller Geheimnisse und überraschenden Wendungen, so dass einem beim Lesen nie langweilig wird. Und obwohl die Geschichte schon ab zehn Jahren empfohlen wird, bekommt man auch als Erwachsener sehr viel geboten. Neben dem abenteuerlichen, mysteriösen Teil werden auch Themen wie der Umgang mit persönlichen Defiziten, Familienzusammenhalt, Vertrauen und Freundschaft wunderschön beleuchtet. Nina Blazon kratzt hier nicht nur an der Oberfläche, sondern packt einen mit Haut und Haar.

Aber die Wahrheit war, er war gar nicht wütend. Es fühlte sich eher an wie eine dumpfe Angst. Weil ihm plötzlich klar geworden war, dass Tom unbemerkt schon wieder ein Stück über ihn hinausgewachsen war.     (Seite 103) 





Mit "Silfur. Die Nach der silbernen Augen" begeistert Nina Blazon wieder mit einem rundum faszinierenden Buch. Gekonnt verknüpft sie ein Ferienabenteuer mit der Elfenwelt, eine Freundschaftsgeschichte mit den alten nordischen Sagen. Angereichert mit vielen Geheimnissen und einer guten Portion Humor kommt der perfekte Lesegenuss heraus. Für mich steht nun auf jeden Fall fest, dass ich die Insel der Elfen und Trolle selber erkunden möchte. 
Island, ich komme!









© Random House/Isabelle Grubert
Nina Blazon, geboren 1969 in Koper bei Triest, aufgewachsen in Neu-Ulm, las schon als Jugendliche mit Begeisterung Fantasy-Literatur. Selbst zu schreiben begann sie während ihres Germanistik-Studiums – Theaterstücke und Kurzgeschichten –, bevor sie den Fantasy-Jugendroman Im Bann des Fluchträgersschrieb, der 2003 mit dem Wolfgang-Hohlbein-Preis und 2004 mit dem Deutschen Phantastik-Preis ausgezeichnet wurde. Seither haben Nina Blazons Bücher zahlreiche Auszeichnungen erhalten. Die erfolgreiche Jugendbuchautorin lebt in Stuttgart.
(Bild- und Textquelle: cbt)


Samstag, 15. August 2015

[Rezigramm] "Ich würde dich so gerne küssen" von Patrycja Spychalski



Titel: Ich würde dich so gerne küssen
Reihe: nein
Autorin: Patrycja Spychalski
Verlag: cbt (13. Februar 2012)
Genre: Jugendbuch, Contemporary Young Adult
ISBN: 978-3570307809
Seitenzahl: 272
vom Hersteller empfohlenes Alter: ab 13 Jahren


Inhalt:
In der Nacht zu ihrem 17. Geburtstag lernt die eigenwillige Frieda jemanden kennen, den sie einfach nicht vergessen kann: Jeffer, einen gut aussehenden, rebellischen Jungen und – wenn sie den warnenden Stimmen glauben soll – Herzensbrecher. Als ihre Eltern verreisen, schlägt Frieda all die wohlmeinenden, vernünftigen Ratschläge in den Wind und zieht kurzerhand bei Jeffer ein. Gemeinsam feiern sie, hören Musik, reden bis tief in die Nacht – nicht mehr. Beide spüren, dass sie etwas wirklich Besonderes verbindet, doch genau das macht ihnen Angst, zumal Frieda nicht versteht, was dieser ungewöhnliche Junge an ihr findet. Schließlich ist es genau ein Kuss, der alles verändert …
(Bild- und Textquelle: cbt)  




Der Einstieg in eine Geschichte ist ja eigentlich immer das Cover. Bei "Ich würde ich so gerne küssen" dachte ich lange, ich würde eine normale sommerliche Liebesgeschichte bekommen. Als ich dann aber einige begeisterte Stimmen gehört hatte, musste ich mir selber ein Bild machen. Und wirklich: Patrycja Spychalski hat weder eine normale noch eine seichte oder einfache Liebesgeschichte geschrieben. Dieses Buch ist viel mehr als einfach .... und alles andere als 0815.


Wir steigen an Friedas 17. Geburtstag in die Geschichte ein. Ihre beste Freundin Maya holt sie mit ein paar Jungs ab und sie fahren nach Kreuberg - am 1. Mai. Als plötzlich Eier, Steine, Bierfalschen fliegen und die Polizei aufwartet, findet sich Frieda alleine mit Jeffer, Maya hat sie aus den Augen verloren. Und so schauen die zwei, dass sie weg kommen.
Frieda ist dermassen von Jeffer fasziniert, dass sie, als ihre Eltern verreisen, auf sein Angebot, bei ihm zu wohnen, eingeht. Zum einen wegen Jeffer, zum anderen aber auch, weil sie ihr zurückgezogenes Ich leid ist.


Frieda ist eine sympathische Protagonistin. Sie ist so richtig schön normal und würde gerne hübscher und mutiger sein. Sie bewundert ihre beste Freundin Maya um deren Lockerheit. In der Gegenwart von Jeffer fühlt sie sich zum ersten Mal richtig lebendig .
Jeffer ist ein Beau und Überlebenskünstler. Im Grunde genommen ist er ja Zivieldienstleistender, doch vor allem ist er Musiker. Er spielt selber Gitarre und liebt vor allem ältere Musik wie die von Pink Floyd, Janis Joplin oder Johnny Cash.
Jeffer ist undurchschaubar. Es gibt Situationen, da verwöhnt er Frieda regelrecht, dann legt er Reaktionen an den Tag, die einen nur den Kopf schütteln lassen. Aber das macht ihn umso authentischer.


Patrycja Spychalski schafft es, eine unheimlich dichte Atmosphäre zu schaffen. Dazu trägt natürlich die unglaubliche Echtheit der Geschichte bei, aber auch das Einbinden einer ganzen Reihe von Songs aus den 60er Jahren. Das hat mir ausgezeichnet gefallen, denn die meisten davon kenne ich selber.
Auch toll ist, dass die Autorin schön durchblicken lässt, wie wichtig ihr ihre Heimatstadt ist. Ich war noch nie in Berlin, aber sie konnte mir diese Stadt näher bringen.
Für mich war auch das Ende ein positiver Punkt. Es ist alles andere als komform und wohl eher unerwartet, aber genau richtig. Denn so ist das Leben.

Viel zu kritisieren gibt es wirklich nicht. Mein einziger negativer Punkt ist, dass im Buch so viel geraucht wird. Ich bin in dieser Hinsicht wohl ein gebranntes Kind, doch dass in einem Jugendbuch stellenweise auf jeder zweiten Seite eine Zigarette angezündet oder an einem Abend 2 Schachteln vernichtet werden, war mir ein wenig zu viel. Zu einem Teil gehört es jedoch auch zur Atmosphäre ....


Die Geschichte ist aus der ich-Perspektive von Frieda erzählt.
Patrycja Spychalski schreibt sehr jugendlich, direkt und fesselnd, so dass man sofort von der Geschichte gepackt wird und das Buch kaum mehr aus der Hand legen kann.
Ganz toll finde ich auch das Detail, dass der Buchtitel in die Geschichte eingearbeitet wurde.




"Ich würde dich so gerne küssen" überzeugte mich mit einer dichten Atmosphäre, einer unglaublichen Echtheit und einer unkonventionellen Liebesgeschichte direkt aus dem Leben. Die Abstecher in die Musikgeschichte krönen dieses tolle Buch. Es wird ganz bestimmt nicht mein letztes von Patrycja Spychalski gewesen sein.









Neulich habe ich irgendwo gelesen, dass Pickel der Makel introvertierter Menschen seien. Die versteckten Gefühle wollen nach draussen.      (Seite 6)

"Ich weiss nicht, was ich aus meinem Leben machen soll. Ich bin nicht verrückt oder so. Ich habe keine besonderen Talente, keine grossen Leidenschaften. Ich bin ein stiller Zuschauer."     (Seite 45)

Ich habe immer das Gefühl, dass das Leben morgen richtig anfängt, oder dass es gestern ganz besonders war, aber im Hier und Jetzt komme ich nicht richtig an.      (Seite 47)

Ich mag keine Menschen, die sich schön finden. Ich mag lieber die, die schön sind und trotzdem nicht so viel Wind darum machen.     (Seite 116)




© by Favolas Lesestoff

Donnerstag, 16. Juli 2015

[Rezigramm] "Feuer & Flut" von Victoria Scott


Titel: Feuer & Flut
Reihe: Band 1
Autorin: Victoria Scott
Genre: Dystopie
Verlag: cbt (25. Mai 2015)
ISBN: 978-3570162934
Seitenzahl: 448
empfohlenes Lesealter: ab 14 Jahren


Inhalt:
Die 17-jährige Tella zögert keine Sekunde, als sie eine Einladung zum mysteriösen Brimstone Bleed erhält, einem tödlichen Wettrennen, das sie und andere Teilnehmer durch einen tückischen Dschungel und eine sengend heiße Wüste führt. Als Preis winkt das Heilmittel für ihren todkranken Bruder. Zur Seite steht ihr ein Pandora, ein genetisch verändertes Tier, das sie bei ihrer Aufgabe unterstützen soll. In ihrem Fall ist es ein Fuchs namens Madox, und gemeinsam kämpfen sie sich durch die erste Etappe des mörderischen Rennens. Doch es kann nur einen Sieger geben, und jeder Teilnehmer ist bereit, sein Leben für das eines geliebten Menschen aufs Spiel zu setzen. Tella muss mehr über das Brimstone Bleed erfahren, bevor ihre Zeit abläuft. Doch dann verliebt sie sich in den mysteriösen Guy – und alle freundschaftlichen Gefühle scheinen dahin, als es auf die Zielgerade zugeht …
(Bild- und Textquelle: cbt)  



Tellas Bruder Cody ist schwer krank, doch die Ärzte wissen nicht, was ihm fehlt. Ihre Eltern dachten, Montanas frische Luft könnte helfen und so haben sie ein tolles Haus in Boston zurückgelassen und leben nun in einem einsamen 'Schrotthaus", wie es Tella nennt. Sie liebt ihren Bruder zwar über alles, kann sich mit diesem Umzug jedoch gar nicht anfreunden. Alles ist fremd, weit weg und auch das Internet oder ihr Handy funktonieren nicht. Doch dann findet sie auf ihrem Bett eine geheimnisvolle Schachtel, in der ein kleines Gerät liegt, das wie ein Hörgerät aussieht.
Endlich ist da etwas Interessantes in ihrem Leben, doch ihre Eltern sehen das nicht so und Tella kann ihr Gerät nur knapp retten. Als sie es sich dann endlich ins Ohr steckt, hört sie eine Einladung, am Brimstone Bleed teilzunehmen. Der Gewinner dieses Rennens bekommt ein Heilmittel für jede Krankheit.


Um an ein Heilmittel für Cody zu kommen, würde Tella alles tun. Und so packt sie einen Rucksack und macht sich heimlich auf zum Startort des Rennens. Dort gibt es erst einmal ein Gerangel um die Eier der Pandoras, die tierischen Begleiter für das Rennen. Doch Tella hat Glück und bekommt auch noch eines ab, obwohl sie nicht ganz überzeugt ist, dass es noch intakt ist. Dann geht alles Schlag auf Schlag und sie steht an der Startlinie - zusammen mir vielen anderen Personen. Alle haben das gleiche Ziel: Sie wollen das Heilmittel für eine von ihnen geliebte Person und würden dafür auch über Leichen gehen. 


Die Geschichte wird aus der ich-Perspektive der sechzehnjährigen Tella erzählt. Zwar würde sie alles für ihren Bruder Cody tun, doch zu Beginn hat sie es mir nicht ganz einfach gemacht. Man lernt sie nämlich als etwas launischen und sehr oberflächlichen Teenager kennen und legt manchmal Gedankengänge oder Entscheide an den Tag, die mich etwas irritierten. Sie macht innerhalb der Geschichte aber eine enorme Entwicklung durch, so dass man sie von einer ganz anderen Seite kennenlernt.
An ihrer Seite ist natürlich immer ihr Pandora, der kleine schwarze Fuchs, der auf den ersten Blick nichts Besonderes zu sein scheint. Doch wie so oft trügt auch hier der Schein. Maddox ist richtig klasse und so einen tierischen Begleiter würde wohl jeder an seiner Seite wollen.

Klar gibt es in "Feuer & Flut" Aspekte, die wir schon aus anderen Büchern kennen, doch das stört hier überhaupt nicht. Victoria Scott bietet ein extrem abwechslungsreiches und rasantes Rennen, so dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Neben dem eigentlichen Rennen geht es auch noch um eine geheime Organisation und Intrigen, so dass es einem wirklich nie langweilig wird. Auch Freundschaft und Loyalität sind ein wichtiger Punkt in diesem Buch wie auch überall sonst im Leben.
Dazu kommen die tollen Pandoras, die wohl jeden Leser begeistern. Damit hat die Autorin gleich einen Stein im Brett.


Sicherlich sind einige Dinge aus "Feuer & Flut" schon einmal dagewesen, doch die Autorin mischt diese gekonnt mit neuen Details auf, dass mich das überhaupt nicht gestört hat.



Der Schreibstil von Victoria Scott ist flüssig und schlicht, weiss aber sofort zu fesseln. Die Autorin erzählt so rasant, dass man nur so von Seite zu Seite blättert.
Auch das Setting und die Atmosphäre im Dschungel und der Wüste konnten mich vollends überzeugen.





Mit "Feuer & Flut" bietet uns Victoria Scott ein mitreissendes und spannendes Rennen um Leben und Tod.
Freundschaft, Loyalität & Intrigen - die Autorin spielt mit ihren Charaktere ein gefährliches Spiel und treibt sie zu Höchstleistungen an. Und auch uns Leser lässt sie kaum zu Atem kommen und raubt uns den Schlaf.
Ein richtig toller Auftakt, der Lust auf mehr macht.





Mein Dad traut mir so etwas nicht zu. Deshalb hat er versucht, das Gerät zu zerstören. Aber vielleicht kennt er sein kleines Mädchen nicht so gut, wie er gern glauben möchte. Denn wenn es darum geht, etwas für meine Familie zu tun, bin ich nicht einfach seine Tochter.
Ich bin stark.
Ich werde für meinen Bruder stark sein.


Alles, was übrig ist, ist mein Herz.





   

  1. Feuer & Flut
  2. Salz & Stein     




@ by Favolas Lesestoff