Dienstag, 23. Juli 2013

[Rezension] "Tochter des Windes" von Federica de Cesco








Titel: Tochter des Windes
Reihe: nein
Autorin: Federica de Cesco
Verlag: Blanvalet Verlag (24. Juni 2013)
ISBN: 978-3764503222
Seiten: 448
  







In meiner Jugend war Federica de Cesco meine Lieblingsautorin. Ich las von "Der rote Seidenschalt" bis "Aischa" und besitze eine ganze Reiher ihrer Bücher. Als sie dann begann, erwachsene Belletristik zu schreiben, bekam ich Jahr um Jahr das aktuelle Buch von ihr und auch diese konnten mich immer in ihren Bann ziehen. Nun hatte ich eine längere de Cesco-Pause und so wollte ich mit ihrem neusten Werk wieder einmal in eine ferne Welt eintauchen.





Im Land der aufgehenden Sonne wartet ihr Schicksal auf sie ...
Die japanische Architektin Mia stammt von den Windmenschen ab – Ninjas, die nicht nur gefährliche Kämpfer waren, sondern auch begabte Baumeister, die uneinnehmbare Festungen entwarfen. Auf einer Reise in Europa begegnet sie dem deutschen Historiker Rainer – es ist Liebe auf den ersten Blick. Bereits nach einigen Tagen muss Mia jedoch nach Japan zurück, und Rainer trifft zum ersten Mal eine spontane Entscheidung: Er kündigt seine Stelle und folgt ihr nach Tokyo – im Gepäck nur eines: den Wunsch auf ein neues Leben. Im Land der aufgehenden Sonne erwartet ihn aber nicht nur eine völlig fremde Welt, sondern auch die ruhmreiche Vergangenheit von Mias Familie – sowie ein unglaubliches Geheimnis ...
(Bild- und Textquelle: blanvalet)





Einstieg ins Buch:
Ich werde oft gefragt, warum ich denn eigentlich in Japan lebe. Was soll ich antworten? Die Wahrheit sagen? Dass meine Frau mich verlassen und eine andere mir Wein über die Hose geschüttet hatte?

Rainer Wilhelm Steckborn ist von seiner Frau verlassen worden und möchte nach längerem Suhlen in Selbstmitleid sein Leben wieder selber in die Hand nehmen. Aus diesem Grund entschliesst er sich, dem Rat seiner Mutter zu folgen, und zu verreisen. Sein Reiseziel ist Prag, wo er in der Oper die Japanerin Mia trifft, die ihn völlig fasziniert. Leider muss sie schon nach wenigen gemeinsamen Tagen zurück nach Tokio fliegen. Doch diese kurze Zeit hat Rainer gereicht um zu realisieren, dass ihn nichts in Hamburg hält, und dass er den grossen Schritt nach Japan wagen möchte. Er hängt Dozentenjob an den Nagel und reist Mia nach.

Ich war wie eine Figur auf einem Schachspiel, meiner Umwelt entnommen und versetzt. [...] Es heisst, verlieren zu können ist die Summe aller Weisheit.    (Seite 36)

Dort angekommen ist er der Gaijin, der Ausländer und muss sich mit vielen ihm unbekannten Gepflogenheiten, mit der japanischen Sprache und vor allem mit Mias Tante Azai "anfreunden", um in ihrem Haus leben zu dürfen. Dieses Haus entpuppt sich als ein grosses Geheimnis, denn Mia ist die Nachfahrin von Windmenschen, von Ninjas.

Irgendwann stiessen wir alle an die Grenze unserer Unfähigkeit (das Peter-Prinzip?), aber vielleicht gab es doch eine Chance, noch ein paar Schritte darüber hinaus ins Wagemutige zu tun.     (Seite 87)

Für mich ist "Tochter des Windes" das erste Buch von Federica de Cesco, das aus der ich-Perspektive eines Mannes geschrieben ist. Dazu kommt, dass Rainer Wilhelm Steckborn eher der totale Anti-Held ist. Bevor er seine Zelte in Deutschland abbricht, ist er eher das etwas verkorkste Muttersöhnchen, das sich nicht wirklich viel zutraut. So hatte ich Mühe, mich in ihn einzufühlen und die Geschichte ging mir nicht gleich nah wie die anderen Werke, die ich von der Autorin gelesen hatte.

Schön fand ich dann allerdings, seine persönlich Entwicklung mitzuverfolgen. Durch Mia entdeckt er eine neue Leidenschaft und einen alten Traum, ein eigenes Buch zu schreiben. Mit ihr hat er eine Seelenverwandte gefunden und traut sich einiges zu, um an ihrer Seite glücklich zu werden.
Wie in all ihren Büchern hat Federica de Cesco auch in diesem eine starke Frau entworfen. Mia führt mit ihrem Bruder ein erfolgreiches Unternehmen und weiss genau, was sie will - und vor allem auch, was sie nicht möchte. Ich muss ehrlich zugeben, dass ich mich mehr als einmal gefragt habe, was sie an Rainer findet, doch hier haben sich wohl wirklich Gegensätze angezogen.

Das Leben ist wie ein Fluss, ne? Das Wasser trägt die Vergangenheit fort.     (Seite 68)

Federica de Cesco erzählt in "Tochter des Windes"  wahnsinnig detailliert und präsentiert uns zuerst einmal beinahe die gesamte Lebensgeschichte von Rainer Wilhelm Steckborn. Vor allem zu Beginn war das so ausgeprägt, dass ich mich manchmal suchend nach dem roten Faden umsehen musste.

In Japan angekommen schildert sie nicht weniger detailliert, hier spürt man aber ihre Liebe zu diesem Land. Ihr Mann ist Japaner und so erfährt man sehr viel über dieses Land. So lernte ich nur auf wenigen Seiten, dass die japanische Sprache keine Fürwörter kennt, dass die koreanische Mafia und die chinesischen Triaden die Konkurrenz der Yakuza sind und dass diese rote Pullover und mehr Goldschmuck als Sizilianer tragen. Das Wissen, das wir durch dieses Buch erhalten, ist enorm breit gefächert, was auf der einen Seite sehr interessant ist, mich auf der anderen Seite jedoch teilweise beinahe erschlug. Politik, Geschichte, Essenskultur, Lebensweisheiten, ... man spürt, wie sehr Federica de Cesco Japan am Herzen liegt. "Tochter des Windes" ist wahrlich eine Hommage an das Land der untergehenden Sonne.

Federica de Cescos Schreibstil ist gewohnt bildhaft, zum Teil mit einem für sie bisher unbekannten zynischen, ironischen Unterton versetzt. Mias Familiengeheimnis ist eine wirklich spannende Idee, doch leider konnte die Autorin meiner Meinung nach den Spannungsbogen nicht aufrecht erhalten. Durch ihr Abschweifen und ihre Detailliebe verliert sie manchmal den roten Faden aus den Augen, wodurch ich mich manchmal dazu aufraffen musste, dran zu bleiben.

Viele hörten Musik; das fadendünne Kabel lief aus ihren Ohren in die Schultertasche. Andere studierten ihre SMS; kein Blick - weder nach rechts noch nach links. Der pure Autismus der Moderne.     (Seite 123) 






Mit "Tochter des Windes" habe ich mich auf eine romantische, leidenschaftliche Liebesgeschichte mit spannendem Familiengeheimnis gefreut, jedoch "nur" eine Hommage an Japan bekommen. Die Charaktere waren sehr facettenreich und detailliert gezeichnet, doch sie konnten mich nicht ganz in ihren Bann ziehen. So las ich das neuste Werk von Federica de Cesco ganz gerne, doch die Faszination der letzten Werke von ihr, blieb leider aus.







Federica de Cesco, geboren in der Nähe von Venedig, verbrachte ihre Kindheit in Italien, Eritrea, Deutschland und Belgien. Bereits mit sechzehn Jahren schrieb sie ihr erstes Jugendbuch, das sofort ein großer Erfolg wurde. Seitdem hat sie Millionen von Leserinnen begeistert. Wie keine Zweite versteht sie es, starke, selbstbewusste Figuren zu schaffen und großartige Panoramen fremder Kulturen zu entwerfen. Heute lebt sie mit ihrem Mann, einem japanischen Fotografen, in der Schweiz.
(Textquelle: blanvalet)

Übrigens gibt es über Federica de Cesco sogar einen Film:



Kommentare:

  1. Halli hallo

    Oh jaaaa meine absolute Lieblingsautorin als ich ein Kind war ihre Jugendbücher sind einfach genial!!
    Mit den Erwachsenenromane hatte ich immer so meine Mühe und habe sie deshalb auch nicht mehr so verfolgt ausser " Die Tibeterin" " Die Tochter der Tibeterin" " Das Haus der Tibeterin" und " Wüstenmond" , die haben mir sehr gut gefallen!!

    Schöne Rezi
    Liebe Grüsse Bea

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  2. Das Buch klingt ja eigentlich ganz gut. Ich habe bisher nichts von der Autorin gelesen aber vielleicht sollte ich das mal ändern?!

    Ich finde es ja irgendwie gut, dass es mal eine Männliche Hauptperson ist, ich finde es auch toll wenn man eine Entwicklung miterlebt. Nur schade das der Spannungsbogen immer wieder abnimmt.

    Danke für deine tolle Rezension.

    Liebe Grüße
    Vanessa

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  3. Diese Autorin kenne ich bisher noch gar nicht. Aber auch wenn mich die Inhaltsangabe des Buches schon locken würde, hätte ich wahrscheinlich das gleiche Problem damit wie du. Ich mag es nämlich nicht besonders, wenn ein Buch aus zuvielen Beschreibungen besteht und man dadurch die eigentliche Handlung aus den Augen verliert.

    LG Michaela

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  4. Die Autorin kenne ich auch noch nicht, aber das Buch klingt nicht schlecht. Aber wenn, dann werde ich eins der anderen Werke vorziehen, ich liebe Charaktere, die einen so richtig umhauen können :))

    Meine Mail Adresse steht im Impressum:

    buchlabyrinth@gmail.com

    Freue mich auf deine Antwort! :)

    LG, Fina

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  5. @Bea:
    Was war denn dein Lieblingsjugendbuch von ihr? Ich habe "Aischa" und "Kel Rela" geliebt :-) Ja, bei den erwachsenen Büchern war ich erst auch sehr erstaunt ... aber man hat gemerkt, warum sie für Erwachsene sind ;-) so erotisch wie sie waren. Das hat sich mit der Zeit aber wieder etwas gelegt. Trotzdem habe ich die Bücher immer sehr spannend und faszinierend gefunden.

    @Vanessa:
    Ich war ja sehr erstaunt, wie unbekannt Federica de Cesco in Deutschland ist. Hier ist sie sehr beliebt. Alle kennen ihre Jugendbücher, ihr erstes Buch "Der rote Seidenschal" hat sie mit 15 geschrieben und ich habe es geliebt. Und erst recht spät hat sie begonnen, erwachsene Belletristik zu schreiben.

    @Michaela:
    In der Schweiz ist Federica de Cesco wirklich sehr bekannt und beliebt - und das schon seit mehreren Jahrzehnten ... ich habe als Jugendliche ihre Bücher geliebt ... mit "Der rote Seidenschal" wurde sie bekannt und das Buch hatte sie mit 15 Jahren geschrieben. Wenn dich ein gewisser erotischer Anteil in Büchern nicht stört, kann ich dir ihre Bücher wirklich empfehlen.

    @Fina:
    Oha, wie habe ich denn gesucht? Das Impressum habe ich doch als erstes duchrgesehen ... naja, auf jeden Fall vielen Dank für die eMail Adresse :-)
    Die anderen Bücher, die ich bisher von Federica de Cesco gelesen, fand ich alle toll. Man darf aber erotischen Szenen nicht abgeneigt sein- Die sind aber immer sehr schön und mit einer sehr blumigen Sprache beschrieben. Mir gefällt vor allem, dass ihre Romane meistens in einem anderen Land spielen und man sehr vieles nebenher darüber erfährt.

    lG Favola

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  6. Ohhh, die Autorin hatte ich komplett vergessen! Aber jetzt erinnere ich mich, dass Aisha eins meiner Lieblingsbücher war. Ich habe noch gar keins ihrer Erwachsenenbücher gelesen!

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