Freitag, 8. August 2014

[Rezigramm] "Die fünfte Welle" von Rick Yancey


Titel: Die fünfte Welle
Autor: Rick Yancey
Verlag: Goldmann Verlag (14. April 2014)
Originaltitel: The Fifth Wave Vol. 1
Genre: Science Fiction
ISBN: 978-3442313341
Seitenzahl: 480 Seiten


Inhalt:
Die erste Welle brachte Dunkelheit. Die zweite Zerstörung. Die dritte ein tödliches Virus. nach der vierten Welle gibt es nur noch eine Regel fürs Überleben: Traue niemandem! Das hat auch Cassie lernen müssen, denn seit der Ankunft der Anderen hat sie fast alles verloren: Ihre Freunde und ihre Familie sind tot, ihren kleinen Bruder haben sie mitgenommen. Das Wenige, was sie noch besitzt, passt in einen Rucksack. Und dann begegnet sie Evan Walker. Er rettet sie, nachdem sie auf der Flucht vor den Anderen angeschossen wurde. Eigentlich weiß sie, dass sie ihm nicht vertrauen sollte. Doch sie geht das Risiko ein und findet schon bald heraus, welche Grausamkeit die fünfte Welle für sie bereithält ...
(Bild- und Textquelle: Heyne Verlag)  




Ich muss ehrlich zugeben, dass ich mich mit dem Einstieg in die Geschichte schwer getan habe. Zuerst kommt eine ganz kurze Szene im Jahre 1995 und danach steigen wir in den ersten Teil ein. Hier ist dann jedoch keine Jahrzahl vermerkt, so dass es schwierig einzuschätzen ist, wie viel Zeit wirklich vergangen ist.
Cassie ist alleine unterwegs, denkt, dass sie womöglich der letzte Mensch auf der Erde ist und wir erleben ihre Gedankensprünge in ihre Kind und immer wieder zu den vier vorangegangenen Wellen. Dieses Hin und Her hat mich etwas verwirrt und konnte mich nicht so richtig packen.


Doch nach knapp 100 Seiten hatte ich mich orientiert und von da an konnte mich Rick Yancey mit seinem düsteren und oft hoffnungslosen Endzeitszenario fesseln. Der Spannungsbogen wird angezogen und man taucht nicht mehr so oft in die Vergangenheit ein.
Die Geschichte erleben wir vorwiegend aus der ich-Perspektive von Cassie, doch über einzelne Teile begleiten wir auch Zombie, der im Camp Heaven zu einem skrupellosen Soldaten gedrillt wird. Zudem bekommen wir kurze Einblicke in Sammys und Evans Köpfe.


Cassie ist eine sehr willensstarke Person. Obwohl sie alles verloren hat und alleine unterwegs ist, lässt sie sich nicht unterkriegen. Sie klammert sich an den letzten Strohhalm und hofft, dass ihr kleiner Bruder Sammy noch lebt. Ihm hat sie versprochen auf seinen Teddybären aufzupassen und dass sie nachkomme und nun ist ihr genau dieser Bär eine grosse Stütze um nicht aufzugeben. In der ganzen Geschichte wirkt sie sehr authentisch, was für mich auch ihren Sarkasmus auszeichnet, den sie (wohl oft aus Hilflosigkeit) an den Tag legt.
Am Anfang wusste ich nicht so ganz, was ich von Zombie halten sollte, doch nach und nach kristallisieren sich seine wirklichen Charakterzüge heraus.

Ausserirdische finde ich ein schwieriges Thema, denn oft wird es für mich zu 'verkitscht'. Rick Yaney hat meiner Meinung nach ein richtig düsteres und hoffnungsloses Endzeitszenario geschaffen, das trotz Raumschiff und Ausserirdischen sehr realistisch wirkt. Die ganze Story ist sehr durchdacht, baut immens an Spannung auf und die vier Handlungsstränge werden je länger je mehr miteinander verknüpft und enden am Schluss in einem geballten Showdown.
Ein weiteres Highlight waren für mich die starken Charaktere, die die ganze Geschichte auszeichnen.

Wie zu Beginn angetönt ist für mich der Einstieg in die Geschichte ein Kritikpunkt. Mir waren diese unterschiedlichsten Rückblicke irgendwie zu verzettelt.
Dazu kommt, dass die vier verschiedenen Perspektiven zwar sehr interessant und wichtig waren, doch am Anfang hatte ich jeweils etwas Mühe, schnell zu erfassen, wen wir gerade begleiten. Mit der Zeit wurde das aber immer klarer.


Der Schreibstil von Rick Yancey hat mir wirklich gut gefallen und ich finde, dass er sehr gut zur Story passt. Er arbeitet oft mit Aufzählungen und Wiederholungen, was sehr gut zu den inneren Monologen von Cassie passt, die sich viele Gedanken macht. Für mich wurde die Geschichte dadurch emotionaler, authentischer.
Als Leser muss einem klar sein, dass der Autor auch harte Geschütze auffährt. Es wird hoffnungslos traurig, skrupellos brutal und schonungslos blutig.




Erst musste ich mich an den recht unruhigen Seegang gewöhnen, doch dann schwappte "Die fünfte Welle" über mich und die Strömung zog mich unaufhaltsam mit sich fort.
Rick Yancey hat hier ein düsteres Endzeitszenario geschaffen, das sehr durchdacht und realistisch ist. Dazu kommen starke Charaktere und einige Überraschungsmomente, die bei mir punkten konnten.








Die Knallharten würden überleben. Diejenigen, die der Glücksgöttin sagten, sie solle sich zum Teufel scheren. Diejenigen die ein Herz aus Stein besassen. Diejenigen, die hundert sterben lassen konnten, damit einer überlebt. Diejenigen, die den Sinn darin erkannten, ein Dorf niederzubrennen, um es zu retten.     (Cassie, Seite 96)

Ich lag regungslos in dem Bett aus Staub und Gebeinen, bedeckt mit der Asche der Opfer, der bitteren Ernte der Anderen.     (Cassie, Seite 114)

Im Fernsehen all die Demonstrationen, Protestmärsche und Ausschreitungen zu sehen, die vor dem ersten Angriff stattfanden, war, als würde man sich einen ausländischen Spielfilm oder Nachrichtenbeitrag anschauen. Es katte nicht den Anschein, als würde mich irgendetwas davon betreffen.
Sterben ist dem Ganzen gar nicht unähnlich. Man hat nicht das Gefühl, als sei man davon betroffen ... bis man davon betroffen ist.     (Cassie, Seite 126)

Grausamkeit ist kein Charakterzug. Grausamkeit ist eine Angewohnheit.     (Evan, Seite 158)

Jemand steht jetzt unmittelbar vor der Tür, und ich kann mich nicht bewegen, und selbst wenn ich es könnte, ich habe nichts ausser diesem verdammten Plüschtier. Was könnte ich damit schon anfangen? Den Typen zu Tode kuscheln?      (Cassie, Seite 170)




   

  1. Die fünfte Welle
  2. Das unendliche Meer
  3. The Last Star     (auch im Original noch nicht erschienen)




@ by Favolas Lesestoff

Kommentare:

  1. Schäm Dich! Jetzt bin ich doch neugierig! Dabei hatte ich das Buch so schön kategorisch ausgeschlossen... tz tz ;)

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    1. Ich stelle mich ja schon in die Ecke ;-)
      Warum hast du das Buch denn ausgeschlossen?

      lg Favola

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  2. Schön, dass es dich letztlich doch noch packen konnte ;) Mir war es dann mit den Perspektiven auch etwas verwirrend und leider hab ich so wirklich keinen Zugang bis zum Ende gefunden :-/

    Liebe Grüße,
    Tina

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    1. Hey Tina

      Ja, ich bin wirklich froh, dass es mich dann nach 100 Seiten doch noch richtig gepackt hat. Ich dachte schon, dass es vielleicht am Urlaub lag, dass ich nicht so richtig rein kam, doch nun habe ich gemerkt, dass es doch einigen so ging.

      lg Favola

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  3. Huhu!

    Ich habe es noch vor mir! :) Bin schon sehr gespannt und hoffe, dass ich auch bald dazu kommen werde. Nach deinen kritischen Äußerungen dazu war ich ja schon gespannt, wie du es schlussendlich finden würdest, denn die meisten Stimmen die ich bisher zu diesem Buch hörte, waren dann doch eher positiv :)

    Freut mich also, dass es dich dann doch noch packen konnte :)

    Liebe Grüße!

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    1. Hoi Nicole
      Ja, ich war auch froh, dass es mich doch noch packen konnte Erst dachte ich ja auch, dass ich die einzige mit diesen Kritikpunkten sei, doch nun entdecke ich immer mehr, die Mühe mit dem Einstieg hatten. Ich hoffe, dass du schnell Fuss in der Geschichte fasst :-)

      lg Favola

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  4. Das Buch habe ich schon so lange im Hinterkopf aber mein SuB wird mich hassen wenn ich noch eins dazulege...obwohl...hach manno...so eine tolle Rezi :-)

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    1. Hihi, das kenne ich nur zu gut ..... Mein SuB ist auch viel zu hoch und vor allem tummeln sich da so viele absolute Must-Reads von mir. Wirklich schlimm ... ich nehme mir auch immer vor, mich bei den neuen Büchern zurückzuhalten, aber so wirklich klappen tut dies nie.
      lg Favola

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