Samstag, 26. März 2016

[Rezension] "Zorn und Morgenröte" von Renée Ahdieh




Titel: Zorn und Morgenröte
Reihe: ja, Band 1
Autorin: Renée Ahdieh
Übersetzer: Dietmar Schmidt
Genre: Fantasy, Märchenadaption, 1001 Nacht
Verlag: Bastei Lübbe (one by Lübbe) (12. Februar 2016)
ISBN: 978-3846600207
Seiten: 400
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: ab 16 Jahren





"Zorn und Morgenröte" wurde mir schon an der Buchmesse empfohlen. Es soll eine Mischung aus Dystopie und 1001 Nacht sein. Überraschend bekam ich das Buch vom Verlag geschickt.




Jeden Tag erwählt Chalid, der grausame Herrscher von Chorasan, ein Mädchen. Jeden Abend nimmt er sie zur Frau. Jeden Morgen lässt er sie hinrichten. Bis Shahrzad auftaucht, die eine, die um jeden Preis überleben will. Sie stehen auf verschiedenen Seiten und könnten unterschiedlicher nicht sein ... Und doch werden sie magisch voneinander angezogen ...
(Bild- und Textquelle: Bastei Lübbe)



Einstieg ins Buch:
Niemand sehnte den Sonnenaufgang herbei.

Nur schon die Optik lockt bei "Zorn und Morgenröte" und auch der Genremix klingt verlockend. Märchenadaptionen sind zwar seit einiger Zeit sehr beliebt, aber bisher wurden dafür überwiegend klassische Märchen als Grundlage genommen. Renée Ahdiehs Werk ist jedoch an "Scheherazade" angelehnt.  Der Kalif von Chorasan nimmt jeden Abend ein neues Mädchen zur Braut, lässt es dann aber bei Sonnenaufgang hinrichten. Shahrzad hat so ihre beste Freundin verloren und will sich unbedingt rächen. Aus diesem Grund meldet sie sich freiwillig. Es scheint, dass sie damit ihre Hinrichtung selber unterschreibt, doch sie hat nur ein Ziel: unbedingt den Sonnenaufgang zu überleben. 1001 Nacht im Young Adult Bereich verspricht frischen Wind und eine reizvolle Mischung.

Doch ist hier alles so schwarz und weiss wie zu Beginn angenommen? Ist Chalid Ibn al-Rashid wirklich durch und durch böse? Schon der Prolog lässt durchblicken, dass da doch noch etwas mehr dahinter steckt. Doch als Leser muss man sich ganz schön gedulden, bis man mehr erfährt, denn die 16-jährige Shahrzad  kann den Kalifen zwar faszinieren, doch schafft sie es nicht, seine Fassade aufzubrechen. 

"Es wird gehen, wenn wir bei unseren Überzeugungen bleiben und sie Wirklichkeit werden lassen. Unsere Hoffnung wird unser Zunder sein, meine Rechtschaffenheit unser Funke."     (Reza, Seite 123)

Das Setting der Wüstenlandschaft und dem Marmorpalast entführt einen sofort in die arabische Märchenwelt und die für uns exotischen Namen und Begriffe unterstützen das noch. So konnte mich Renée Ahdieh von Anfang an fesseln, denn die Geschichte, die sie erzählt, ist atemberaubend und schockierend, so unvergleichlich und faszinierend.

Die Atmosphäre macht ganz bestimmt viel aus, doch auch die Handlung weiss zu überzeugen. Der Leser bekommt wirklich viel geboten: Geheimnisse, politische Unruhen, Intrigen, Spannung und vor allem die ganze Bandbreite an Gefühlen.
Zwar ist die Lovestory absehbar, doch mit der schlagfertig-aufbrausenden Shahrzad und dem pessimistisch-herrschsüchtigen Chalid prallen zwei sture Charaktere aufeinander, die nicht so schnell aufgeben. Und so entwickelt sich schnell eine prickelnde Spannung zwischen den beiden. Wir erleben, wie Hass in Liebe umschlägt und auch wenn ich sonst kitschigen Liebesgeschichten eher abgeneigt bin, passen hier die zum Teil etwas überspitzen Szenen, denn schliesslich sind wir in einem orientalischen Märchen.

"Manche Dinge gibt es nur einen kurzen Augenblick lang in unserem Leben. Dann müssen wir sie loslassen, damit sie fortgehen und einen anderen Himmel erleuchten können."      (Omar, Seite 299)

Renée Ahdieh jongliert gekonnt mit verschiedenen Handlungssträngen und einer Geschichte in der Geschichte. Zudem konnte sie mich auch mit ihrem wunderbaren Schreibstil überzeugen. Sie schreibt bildgewaltig und versprüht einen orientalischen Charme, dem ich mich einfach nicht entziehen konnte.

Zum Schluss wartet "Zorn und Morgenröte" mit einem derart fiesen Cliffhanger auf, dass man entgeistert da sitzt und es nicht fassen kann, dass es hier zu Ende sein soll. Hoffentlich müssen wir nicht allzu lange auf die Fortsetzung warten.







"Zorn und Morgenröte" ist ein Genre-Mix Deluxe. 1001 Nacht trifft auf Fantasy und bringt frischen Wind in die Buchwelt. Tiefer Hass schlägt in knisternde Liebe um und alles ist in ein atemberaubendes Setting gebettet. Ein märchenhaftes Buch, das man sich nicht entgehen assen sollte.



Hiermit verleihe ich dem Buch "Zorn und Morgenröte"
von Renée Ahdieh die goldene Leseente.






  1. Zorn und Morgenröte








Renée Ahdieh hat die ersten Jahre ihrer Kindheit in Südkorea verbracht, inzwischen lebt sie mit ihrem Mann und einem kleinen Hund in North Carolina, USA. In ihrer Freizeit ist die Autorin eine begeisterte Salsa-Tänzerin, sie kann sich für Currys, Schuhe, das Sammeln von Schuhen und Basketball begeistern. Mit Zorn und Morgenröte legt sie ihren ersten Roman vor, zu dem es eine Fortsetzung geben wird, an dem die Autorin gerade arbeitet.
(Textquelle: Bastei Lübbe)




© by Favolas Lesestoff


Kommentare:

  1. Liebe Favola,

    da musste ich doch gleich mal einen Blick in deine Rezi werfen und was soll ich sagen? Deine Rezi spiegelt genau das wieder, was ich beim Lesen des Buches ebenfalls gespürt habe. Eine sehr schöne Rezi :) Ich war von "Zorn und Morgenröte" ebenfalls absolut begeistert. Als Leser hatte ich schnell das Gefühl mich im märchenhaften Orient zu befinden und das gefiel mir ausgesprochen gut. Wie du schon sagst, verstärkt der orientalische Touch, den Reneé Ahdieh hier immer wieder einbaut, die ganze Sache. Ich hatte mehrmals das Gefühl, als würde ich mich im fernen Orient befinden, was durch die lebhaften und bildhaften Beschreibungen sehr verstärkt haben.

    Vielen Dank für die schöne Rezi <3

    Alles Liebe, Caterina

    AntwortenLöschen
  2. Huhu,
    die goldene Leseente hat hier einen verdienten Platz bekommen. Das war eines der Bücher, bei denen es mich beim Lesen im Bauch gekribbelt hat. Das erlebe ich nur noch selten und war darum auch hin und weg. Teil 2 wird ganz groß vorgemerkt, leider dauert er noch etwas.
    Drück!
    Damaris

    AntwortenLöschen
  3. Dieses Buch hat die goldene Leseente zu Recht verdient. Ich hätte auch nie gedacht, das mich dieses Buch so begeistern kann.

    Liebe Grüße Nadine

    AntwortenLöschen
  4. Halli hallo

    Ich fand das Buch auch ganz toll und konnte deshalb über den ein oder anderen Punkt, der mir nicht so gefiel hinwegsehen ;) Ich persönlich mochte ja zum Beispiel die Liebesgeschichte und Chalid nicht.....

    Liebe Grüsse
    Bea

    AntwortenLöschen
  5. Hey Favola,

    wow, die goldene Leseente! Aber ich kann dich nur zu gut verstehen, denn ich fand das Buch auch richtig klasse und mal eine sehr gelungene Abwechslung zu all den anderen Jugendfantasybüchern.

    Liebe Grüße
    Sandra

    AntwortenLöschen
  6. Hallo Favola,
    wie du siehst, habe ich den Weg zu dir gefunden.
    Zunächst mag ich dir für deine lieben Worte danken und ich freue mich sehr, jemanden gefunden zu haben, der meinen "Einsatz" so gut nachvollziehen kann.
    Was du zum Bib-Thema geschrieben hast, hat mir sehr gefallen !

    Komme ich zum Buch und somit zu deiner Stimme: nun, nachdem ich deine Rezension gelesen habe, kann ich sehr gut verstehen, warum du erstens dieses Buch gewählt und zweitens die goldene Leseente verliehen hast. Sehr ansprechend und offensichtlich ein Muss...nicht nur in der Bib.
    Bisher führt das Buch mit vier Stimmen. ;-)
    Liebste Grüße,
    Hibi

    AntwortenLöschen

Ich freue mich über jeden Kommentar :-)