Mittwoch, 19. Juli 2017

[Rezension] "Das dunkle Herz des Waldes" von Naomi Novik






Titel: Das dunkle Herz des Waldes
Autorin: Naomi Novik
Übersetzerin: Marianne Schmidt
Genre: High Fantasy
Verlag: cbj (21. November 2016)
ISBN: 978-3570172681
Seiten: 576
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: ab 13 Jahren








Von "Das dunkle Herz des Waldes" hat mich das Cover sofort angesprochen und auch die Inhaltsangabe klang sehr vielversprechend. Und diese zwei Gründe reichten schon, dass ich mir das Buch nicht entgehen lassen konnte.




Agnieszka liebt das Tal, in dem sie lebt: das beschauliche Dorf und den silbern glänzenden Fluss. Doch jenseits des Flusses liegt der Dunkle Wald, ein Hort böser Macht, der seine Schatten auf das Dorf wirft. Einzig der »Drache«, ein Zauberer, kann diese Macht unter Kontrolle halten. Allerdings fordert er einen hohen Preis für seine Hilfe: Alle zehn Jahre wird ein junges Mädchen ausgewählt, das ihm bis zur nächsten Wahl dienen muss – ein Schicksal, das beinahe so schrecklich scheint wie dem bösen Wald zum Opfer zu fallen. Der Zeitpunkt der Wahl naht und alle wissen, wen der Drache aussuchen wird: Agnieszkas beste Freundin Kasia, die schön ist, anmutig, tapfer – alles, was Agnieszka nicht ist. Niemand kann ihre Freundin retten. Doch die Angst um Kasia ist unbegründet. Denn als der Drache kommt, wählt er nicht Kasia, sondern Agnieszka.
(Bild- und Textquelle: cbj Verlag)





Einstieg ins Buch:
Es stimmte nicht, dass der Drache die Mädchen, die er sich holte, verspeist.

Ich lasse mich sehr gerne von schönen Covern verführen und wenn man im Nachhinein sagen kann, dass die Optik perfekt zum Inhalt passt, erfreue ich mich noch mehr an einem Buch.
Die Inhaltsangabe zu "Das dunkle Herz des Waldes" verrät nicht viel und so muss man sich einfach auf dieses Fanatsy-Erlebnis einlassen. Ich brauchte eine kurze Zeit um in Dvernik anzukommen und mich mit der Tatsache anzufreunden, dass der Drache eigentlich ein Zauberer war, doch dann konnte ich mich ganz der Faszination des Waldes hingeben.

Doch der Dunkle Wald hat ein Eigenleben entwickelt und er bedroht die Dörfer im Tal, in dem Agnieszka lebt. Eine dunkle, böse Macht scheint den Wald ergriffen zu haben, die die Menschen verdrängen will. Menschen und Tiere werden von einer schlimmen 'Krankheit' befallen oder der Wald schickt die abscheulichen Wanderer um Menschen zu verschleppen. Nur der Drache kann die Macht des Dunklen Waldes eindämmen, doch er ist bei den Dorfbewohnern sehr unbeliebt. Alle zehn Jahr wählt er nämlich ein Mädchen aus, das bis zur nächsten Wahl bei ihm im Turm leben muss. Über ihre Aufgabe ranken sich wilde Gerüchte.

Niemand verschwand im Dunklen Wald und kam wieder zurück, jedenfalls nicht unversehrt und so wie vorher. Manchmal kamen die Verschwundenen blind und schreiend zurück, manchmal so verunstaltet, dass sie nicht mehr zu erkennen waren. Am schlimmsten war es jedoch, wenn sie äusserlich unverändert heimkehrten, in ihrem Innern jedoch das Böse lauerte.     (Seite 67/68)

"Das dunkle Herz des Waldes" wird aus der ich-Perspektive von Agnieszka erzählt, deren Leben von einem auf den anderen Augenblick völlig aus den Angeln gehoben wird. Eigentlich steht nämlich für alle fest, wer dieses Mal vom Drachen ausgewählt wird und sein Zuhause verlassen muss: Kasia, Agnieszkas beste Freundin. Sie ist nämlich ausserordentlich hübsch und begabt und hat sich fast ihr Leben lang vorbereitet. Agnieszka ist das Gegenteil von ihrer Freundin: unscheinbar, ungeschickt, aber auch etwas stur. Als die Wahl des Drachen auf sie fällt, bricht für sie eine Welt zusammen.

Naomi Novik hat eine hochwertige und besondere Geschichte geschrieben, die mit einer dichten Atmosphäre überzeugen kann. Die Talbewohner würden ihre Dörfer nie im Stich lassen, obwohl der Dunkle Wald ihre Existenz, ja ihr Leben bedroht. Dieses magisch-düstere Setting ist fesselnd und mitreissend. Das Buch entwickelt epische Ausmasse und überrascht mit einigen ungewohnten Wendungen.

Bis zur Mitte wird stetig Spannung aufgebaut und Stück um Stück werden Geheimnisse aufgedeckt. Leider muss man dann einige Längen am königlichen Hof überbrücken, bevor sich Naomi Novik wieder aufs Wesentliche konzentriert und die Geschichte stimmig beendet.






"Das dunkle Herz des Waldes" ist ein Fantasy-Schmöker, in dem beinahe alles stimmt. Naomi Novik konnte mich mit ihrem bildhaften Schreibstil, dem magisch-düsteren Setting, facettenreichen Charaktere und vielen überraschenden Wendungen begeistern, so dass ich die eine oder andere Länge im Mittelteil gut verkraften konnte.
Wer komplexe, hochwertige Fantasy mag, die völlig anders herauskommt als erwartet, sollte sich in den Dunklen Wald wagen.








Naomi Novik wurde 1973 in New York geboren. Sie wuchs mit polnischen Märchen ebenso auf wie mit Geschichten um die Baba Yaga und den Werken von J.R.R. Tolkien. Sie studierte englische Literatur an der Brown University und graduierte in Informatik an der Columbia University. Sie war unter anderem an der Entwicklung und dem Design des Computerspiels »Neverwinter Nights: Schatten von Undernzit« beteiligt, das auch in Deutschland viele Fans gewinnen konnte. Doch nachdem dieses Projekt in Edmonton, Canada, abgeschlossen war, wurde ihr klar, dass sie noch wesentlich lieber schrieb, als dass sie programmierte. Sie kehrte zurück nach New York und machte sich daran, ihren ersten Roman zu schreiben, der bei Blanvalet unter dem Titel »Die Feuerreiter Seiner Majestät: Drachenbrut« erschienen ist. Mit Captain William Laurence und dessen Drachen Temeraire eroberte sie nicht nur die Herzen ihrer Leser und Kritiker. Auch bereits bestehende Fantasy-Größen wie Terry Brooks, David Weber und Stephen King hat sie zu wahren Lobeshymnen hingerissen. Peter Jackson, der Regisseur von »Der Herr der Ringe«, sagte über Noviks ersten Roman: »Das ist der Stoff, aus dem meine Kinoträume sind!« und sicherte sich sofort die Filmrechte. Im August 2007 erschien ihr zweiter Roman um Temeraire und William Laurence. Weitere Bände sind in Vorbereitung. Naomi Novik lebt heute mit ihrem Mann und sechs Computern in New York.



© Favolas Lesestoff

Kommentare:

  1. Halli hallo

    Ich habe das Buch im Dezember begonnen und war eigentlich auch voll in der Stimmung.
    Es gab Momente wo es mich fesselnd und faszinieren konnte, irgendwie war mir aber diese ganze Magie zu intensiv und detailliert dargestellt und ich fing mich auch an zu langweilen.....
    2x habe ich das Buch unterbrochen und nun steht es mit Lesezeichen im Regal....
    Mal gucken wann ich mich wieder dafür " aufraffen" kann....

    Liebe Grüsse
    Bea

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    1. Hoi Bea

      Ach, das ist bei mir immer sehr schwierig mit zur Seite gelegten Büchern. Meistens nehme ich die nämlich dann doch nicht mehr in die Hand.
      Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass man sich mit "Das dunkle Herz des Waldes" schwer tun kann, denn es ist wirklich sehr aufwändig. Zum Glück war ich in der richtigen Lesestimmung, so dass es mich packen konnte.

      lg Nicole

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  2. Hi Favola!

    Ich war leider nicht so begeistert von dem Buch. Ich bin ja auch ein "Cover Mensch" *lach* Aber so schön es auch aussieht - die Charaktere haben mir gar nicht gefallen, das wirkte mir viel zu übertrieben. Über den Wald kam mir viel zu wenig und ich fand es ingesamt sehr langatmig. Weil ich auch die Atmosphäre nicht spüren konnte.

    Aber so sieht man, wie unterschiedlich man die Geschichten auffasst ;) Freut mich jedenfalls, dass es dich begeistern konnte!

    Liebste Grüße, Aleshanee

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    1. Hi Aleshanee

      Ja, ich kann mir sehr gut vorstellen, dass sich an diesem Buch die Geister scheiden. Die Geschichte ist wirklich sehr aufwändig und kann so bestimmt langatmig werden. Ich war zum Glück in der richtigen Lesestimmung, so dass es mich mitreissen konnte.

      lg Favola

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  3. Hey,

    eine schöne Rezension :) Nachdem ich in letzter Zeit eher negative Meinungen zu dem Buch gesehen habe, macht deine mich doch wieder neugierig darauf und es rückt auf meiner Wunschliste wieder weiter nach oben. Schön, dass es dir gefallen hat!

    Liebe Grüße,
    Kerstin

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    1. Hey Kerstin

      Danke :-)
      Ich kann mir gut vorstellen, dass sich an "Das dunkle Herz des Waldes" die Geister scheiden, denn es liest sich wirklich aufwändig. Ich war zum Glück genau in der richtigen Lesestimmung, so dass es mich begeistern konnte.

      lg Favola

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  4. Hi Favola,
    dieses Buch habe ich mir auch nicht durchgelesen. Deiner Rezension nach ist es das aber wert. Irgendwie schien es doch zu "High-Fantasy" zu sein... :-)

    LG
    Erik

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    1. Hi Erika
      Ja, ich würde "Das dunkle Herz des Waldes" auch in den Bereich der High Fantasy einordnen.
      lg Favola

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