Freitag, 14. Oktober 2016

[Rezension] "Worte für die Ewigkeit" von Lucy Inglis

Eine Woche, ein Ende und der Anfang von allem



Titel: Worte für die Ewigkeit
Autorin: Lucy Inglis
Übersetzer: Ilse Rothfuss
Originaltitel: Crow Mountain
Verlag: Chicken House (1. September 2016)
Genre: historischer Roman, Liebesgeschichte
ISBN: 978-3551520876
Seiten: 400
vom Hersteller empfohlenes Alter: ab 14 Jahren




"Worte für die Ewigkeit" ist mir schon früh ins Auge gestochen, denn ich lese zwischendurch ganz gerne einmal einen historischen Roman. Hier bekommt man gleich zwei grosse Liebesgeschichten, die auf schicksalhafte Weise miteinander verbunden sind - eine davon spielt 1867.




Sommer in Montana, darauf hat Hope so gar keine Lust. Aber gegen ihre resolute Mutter kann sich die 16-Jährige einfach nicht durchsetzen. Und hier, mitten im Nirgendwo, auf einer einsamen Pferderanch begegnet sie Cal, der ihr Leben für immer verändern wird.
Montana 1867, die 16-jährige Emily ist auf dem Weg zu ihrem Ehemann, den sie nie zuvor gesehen hat. Doch die Kutsche, in der sie unterwegs ist, verunglückt und als einzige Überlebende wird sie von Nate gerettet - einem Halbindianer, der ihr zeigt, was Leben und Freiheit bedeutet.
(Textquelle: Carlsen Verlag)






Einstieg ins Buch:
"Hope! Das Taxi ist da!", rief Meredith.
Hopfe stopfte ihre Sachen vollends in die schwarze Nylontasche. "Ich komme!"

Mit "Worte für die Ewigkeit" bekommen wir gleich zwei Liebesgeschichten in einem.
Zum einen begleiten wir im Jetzt die 16-jährige Hope nach Montana. Ihre Mutter ist Umwelt- und Waldökologin und fährt beruflich für einen Monat ins staubige Montana ins Niemandsland, genauer gesagt auf die Broken Bit Ranch. Hope muss einmal mehr mit, obwohl sie dazu überhaupt keine Lust hat. Doch dann lernt sie Cal kennen und findet auf dem Dachboden ein altes Tagebuch. Beide faszinieren sie dermassen, dass sie sich von Cal für eine Trip durch den Gletscher-Nationalpark überreden lässt, der zu einem unvergesslichen Abenteuer wird.

Der zweite Handlungsstrang spielt im Jahre 1867. Die bald 16-jährige Emily ist mit der Kutsche unterwegs nach Montana, denn da soll sie reich verheiratet werden. Ihren zukünftigen Ehemann kennt sie nur aus wenigen Briefen. Es war damals jedoch keine gute Reisezeit für reiche Mädchen. Unzählige Glücksritter waren auf dem Weg zu den Goldminen und Indianer machten den Bozeman Trail unsicher. Doch Emilys Reise findet ein jähes Ende, als die Kutsche auf einer Brücke verunfallt und in die Schlucht stürzt. Ausgerechnet ein Halbindianer rettet sie aus dem Fluss und nimmt sie mit in seine Hütte in der Wildnis.

Zum ersten Mal in meinen sechzehn Jahren lebte ich ganz im Moment. Ich stand nicht länger unter dem Zwang, mich auf einen Tag vorzubereiten, der nicht kommen würde. Ich musste nichts an mir verändern oder verbessern, um anderen zu gefallen.

Die beiden Geschichten wären einzeln schon schön zu lesen, doch Lucy Inglis verknüpft die Schicksale von Hope und Emily so geschickt miteinander, dass sie zusammen ein perfektes Ganzes geben. Obwohl die Handlungsstränge Parallelen aufweisen, wusste ich immer, wen ich gerade begleitete. Die Autorin hat den Schreibstil nämlich gekonnt an die Zeit angepasst. Zudem wurde der Teil von Hope in der dritten Person geschrieben, Emily schildert hingegen in der ich-Perspektive und wendet sich mit ihrer Erzählung an eine ganz bestimmte Person, was sehr besonders ist.

Und in diesem Moment sah ich dich.
Du bist auf einem weiss-braun gescheckten Pferd auf das Hotel zugeritten, die Füsse in den Steigbügel nach aussen gedreht.      (Seite 16)

Lucy Inglis hat einen sehr angenehmen Schreibstil und erschafft eine ungewöhnlich dichte Atmosphäre. So hielt ich das Buch schon nach wenigen Seiten völlig fasziniert und gefesselt in den Händen und konnte die bergige Landschaft Montanas direkt vor mir sehen.

Die zwei Liebesgeschichten entwickeln sich langsam und glaubwürdig und sind vor allem überhaupt nicht kitschig. Trotzdem sind sie sehr emotional beschrieben, lassen einen mitleiden, gehen ans Herz.

Die Protagonisten sind alle facettenreich und vor allem sehr sympathisch. Hope hat sich durch ihre resolute Mutter gelernt anzupassen und zieht sich immer mehr in sich zurück. Wir hoffen, dass sie ihre Stärken erkennt, über ihren Schatten - beziehungsweise den ihrer Mutter - springt und an ihre Träume glaubt.
Auch Emily ist schüchtern, doch sie lebt in einer ganz anderen Zeit. Sie zwängt sich jeden Morgen in ein Korsett, Manieren und Anstand sind oberstes Gesetz, der Umgang mit Männern ist ihr völlig fremd. Und so muss sie in den Bergen Montanas lernen, aus ihrem anerzogenen Gefängnis auszubrechen.

Ich kann nicht einmal sagen, wessen Geschichte mir nun besser gefallen hat. Beide haben ihre besonderen Reize. Mit Emily erfährt man einiges über die Siedler und Indianer im 19. Jahrhundert und mit Hope erlebt man dann, was die Geschichte bis heute für Auswirkungen hat. 

berührend, fesselnd, emotional
"Worte für die Ewigkeit" verbindet zwei Schicksale, zwei Liebesgeschichten, die Vergangenheit und die Gegenwart. 
Mit ihrem besonderen Schreibstil und den zwei faszinierenden Handlungssträngen fesselte mich Lucy Inglis von Anfang an und schenkte mir wunderschöne Lesestunden im wilden Montana. Ich bin begeistert! 







Lucy Inglis ist Historikerin und hat sich auf das 18. Jahrhundert spezialisiert. Ihr Blog Gregorian London, für den sie mehrfach ausgezeichnet und der von internationalen Zeitungen und Zeitschriften hochgelobt wurde, ist inzwischen Sekundärquelle für Studenten und Institutionen. Mit ihrem Mann und dem Border Terrier lebt sie im Schatten der St Paul's Cathedral in London.

(Bild- und Textquelle: Carlsen Verlag)





© by Favolas Lesestoff


Kommentare:

  1. Liebe Favola,

    ich habe das Buch gestern zur Hand genommen und konnte es nicht mehr weglegen.
    Ich habe diese Geschichte genau so empfunden wie du!

    Liebe Grüße
    Ramona

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    1. Liebe Ramona
      Ja, es ist wirklich ein wunderbares Buch. Schön, dass es dir auch so gut gefallen hat.
      lg Favola

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  2. Hey,

    ich schaue mich gerade ein bisschen auf deinem Blog um und da fällt mir als Erstes diese Rezension ins Auge ;) Ich habe "Worte für die Ewigkeit" für eine Buchandlung gelesen und dort auch gesagt, dass ich es empfehlen würde.
    Ich kann dir nur zustimmen, denn auch mich hat die Geschichte gefesselt, wobei ich sagen muss, dass mir die Geschichte zwischen Nate und Emily wesentlich besser gefallen hat und ich Emily auch lieber mochte als Hope - aber das ist wahrscheinlich Geschmackssache :)
    Gut gefallen haben auch die Zitate, die du reingebracht hast, denn wenn man das Buch nicht kennt, kann man schon mal einen Eindruck gewinnen...

    Lieben Gruß,
    Rebekka

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    1. Hallo Rebekka
      Ach, schön, dass du dich auf meinem Blog umsiehst :-)
      Du liest Bücher für eine Buchhandlung? Das klingt ja auch sehr spannend.
      Mir haben beide Geschichten auch so gut gefallen, weil durch sie die Unterschiede in den Zeiten so schön aufgezeigt wurden.
      Ja, ich mag Zitate .... und hier ist ja dieses 'du' doch recht speziell.
      lg Favola

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  3. Hey Favola,

    dieses Buch klingt interessant, aber ich denke es wäre nichts für mich . Dennoch scheint es mir eine gute und ansprechende Lektüre zu sein. :)

    Liebe Grüße,
    Ruby

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    1. Hey Ruby
      Ja, es ist ganz klar Geschmackssache und es gibt ja viele, die Historisches nicht so mögen.
      lg Favola

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  4. Hallo Favo,
    ich habe diese Geschichte so doll inhaliert. Sie lastete hinterher richtig schlimm auf der Seele. Brauchte an dieser bestimmten Stelle Taschentücher. Eigentlich war schon tiefe Nacht, dennoch wollte ich wissen, wie es mit Hope und Caleb endet :)

    Alles Liebe,
    Conny

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    1. Hallo Conny
      Ach, es freut mich, dass dir das Buch auch so gut gefallen hat wie mir. Ich glaube, ich muss das Buch unbedingt auch noch für unsere Bibliothek kaufen :-) Das sollten so viele wie möglich lesen.
      lg Favola

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  5. Hi Favola,

    ich bin durch Zufall auf diesen Blogpost aufmerksam geworden.
    Eigentlich beschäftige ich mich nicht häufig mit historischen Romanen, aber deine Rezension zu dem Buch hat mich neugierig gemacht. :-)

    LG,
    Irina

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    1. Hallo Irina

      Ach, es freut mich immer, wenn ich jemanden neugierig machen oder sogar zum Lesen animieren kann :-)
      Vor allem, wenn das Buch genremässig nicht in das eigene Beuteschema passt. Ich kann dir aber versprechend, dass "Worte für die Ewigkeit" kein typischer historischer Roman ist. Zudem spielt die Hälfte sowieso in der Gegenwart.

      lg Favola

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