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Montag, 19. Januar 2015

[Rezension] "Atemnot" von Ilsa J. Bick





Titel: Atemnot
Autorin: Ilsa J. Bick
Originaltitel: Drowning Instinct
Genre: Jugendbuch, Drama
Verlag: Egmont INK (4. September 2014)
ISBN: 978-3863960643
Seiten: 352
empfohlenes Lesealter: 14 - 17 Jahren





Cover und Thematik sprachen mich an und ich wollte endlich auch ein Buch von Ilsa J. Bick lesen. "Ashes" wartet nämlich immer noch auf mich.





Es gibt Geschichten, in denen das Mädchen seinen Prinzen findet, und sie lebten glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende. So eine Geschichte ist das hier nicht. Jenna Lords Leben verlief bisher nicht gerade wie im Märchen. Ihr Vater ist ein kontrollbesessener Neurotiker und ihre Mutter Alkoholikerin. Früher war ihr älterer Bruder ihr einziger Halt, doch jetzt ist er im Irak stationiert. Und vor einigen Jahren wäre Jenna beinah bei einem Hausbrand ums Leben gekommen. Es gibt Geschichten, in denen das Monster das Mädchen umbringt und alle um das unschuldige Opfer trauern. So eine Geschichte ist das hier auch nicht. Mitch Anderson hat viele Qualitäten: Er ist ein engagierter Lehrer und Lauftrainer. Ein liebevoller Ehemann. Ein Mann mit einer ziemlichen … Anziehungskraft. Und dann gibt es noch die Geschichten, bei denen man schwer sagen kann, wer der Prinz und wer das Monster ist, wer das Opfer und wer es verdient, bis an sein Lebensende glücklich und zufrieden zu leben. Diese Geschichten sind die besten.
(Bild- und Textquelle: Egmont INK)




Einstieg ins Buch:
"Hör zu", sagte der Kommissar. Er starrt auf das junge Mädchen hinunter, das zusammengekrümmt auf der Trage liegt. Trotz eines halben Dutzends Decken schlottert die Arme immer noch so schlimm wie vor einer Stunde, als sie aus dem Wasser gezogen wurde.

Ilsa J. Bick wirft uns ohne Vorwarnung wortwörtlich ins kalte Wasser. "Atemnot" steigt direkt nach einem 'Unfall' ein. Als Leser weiss man nicht genau, was passiert ist, nur so viel, dass Jenna vor einer Stunde aus einem See gezogen wurde und nun von einem Polizisten aufgefordert wird, die ganze Geschichte, die Wahrheit zu erzählen. Er lässt ihr dafür ein Aufnahmegerät da.

Dadurch richtet sie ihre Geschichte an Bob, den Polizisten, was der Erzählweise etwas Spezielles aufdrückt. Jenna redet drauf los: direkt, schonungslos und manchmal etwas abgehakt in unbeendeten Sätzen. Das und auch die jugendliche Sprache ist ein Grund, dass diese Geschichte derart authentisch wirkt.

Wahrheit ist so ein interessantes Wort. Es kann so viel bedeuten. Es gibt die reine Wahrheit, die ganze Wahrheit, die halbe Wahrheit, und natürlich die Unwahrheit. Eigentlich ist die Unwahrheit meine Spezialität.     (Seite 10)

Nach und nach erfährt man von Jennas schwieriger Familiensituation: dem Kontrollfreak als Vater, der Mutter, die zu oft zum Alkohol greift, dem Grandpad, der ihr schon als Kind zu nahe gekommen ist und vom Bruder, ihrem Halt, der nun im Irak stationiert ist. Doch sie trägt nicht nur seelische Narben. Als Achtjährige wurde sie aus einem brennenden Haus gerettet und so ist ein Teil ihrer Haut vernarbt. Und um bei all dem sich selber noch zu spüren, Druck abbauen zu können, hat sie begonnen, sich zu ritzen, warum sie auch in psychologischer Behandlung ist. 

"Ich glaube, ich bin schon die ganze Zeit am Ertrinken, aber so leise, dass ich es selbst nicht gemerkt habe."

Dann steht ein Schulwechsel an, was für Jenna als Einzelgängerin und mit ihrer Geschichte, sehr schwierig ist. Anschluss findet sie dann nicht bei Mitmenschen sondern bei ihrem Chemielehrer und Lauftrainer Mitch Anderson. Er nimmt sich gerne Schülern mit Schwierigkeiten an und bei Jenna ist er mit viel mehr Engagement und Herz bei der Sache als er eigentlich müsste, eigentlich sollte .....

Ilsa J. Bick baut eine enorm dichte und beklemmende Atmosphäre auf, die einen atemlos durch die Geschichte hasten lässt, denn man möchte endlich die ganze Wahrheit erfahren. Mit einigen ungeahnten Wendungen führt sie uns gekonnt aufs Glatteis und bringt auch unsere Moralansichten stellenweise ins Straucheln. Denn die Autorin wagt sich mit "Atemnot" auf einen schmalen Grat, meistert das Tabuthema jedoch wirklich grossartig. Sie zeichnet nicht nur schwarz-weiss sondern zeigt viele Nuancen von Gut und Böse auf, so dass man als Leser selber nicht mehr genau weiss, was richtig und falsch ist.
Was sie uns hier auftischt ist weder Fastfood noch leichte Kost. Ilsa J. Bick beschönigt nicht, sondern konfrontiert uns mit einer brutalen Realität, die nichts fürs leichte Gemüt ist. "Atemnot" ist ein eindrückliches Jugenddrama fern ab von seichtem 0815-Lesefutter.

"Hör mir gut zu, Jenna. Was passiert ist, spielt keine Rolle. Es ist vorbei. Ich muss das nicht wissen. Es zählt nur das Hier und Jetzt, verstehst du? Manchmal ist es besser. die Vergangenheit loszulassen, Jenna. Wer ständig in der Vergangenheit rumstochert, vergisst darüber, nach vorn zu schauen."     (Seite 151)





Ilsa J. Bick hat mit "Atemnot" ein ausserordentlich eindringliches und beklemmendes Drama zu Papier gebracht, das einen die Seiten mit angehaltenem Atem umblättern lässt und auch nach dem Ende noch lange nachhallt.





Ilsa J. Bick ist Kinder- und Jugendpsychiaterin, Möchtegernchirurgin und ehemalige Air Force Majorin, widmet sich mittlerweile aber ganz ihrem Autorinnendasein. Am liebsten schreibt sie Jugendbücher und Kurzgeschichten, für die sie mehrfach ausgezeichnet wurde.
(Textquelle: Egmont INK)


Sonntag, 4. Mai 2014

[Rezension] "Sternschnuppenträume" von Julie Leuze







Titel: Sternschnuppenträume
Reihe: nein
Autorin: Julie Leuze
Verlag: Egmont INK (3. April 2014)
ISBN: 978-3863960650
Seiten: 352
Vom Hersteller empfohlenes Alter: ab 14 Jahren
  







Julie Leuze hat mich letzten Sommer mit "Der Geschmack nach Sommerregen" so fasziniert, dass ich ein ganzes Summer Special dazu gemacht habe. Noch nie zuvor habe ich in einem Jugendbuch so detailliert beschriebene Liebesszenen gelesen. Die erotischen Passagen sind aber wie das ganze Buch wirklich feinfühlig und schön beschrieben und lassen die Schmetterlinge im Bauch tanzen.
Im Special gab es unter anderem den Beitrag "Brennpunkt Sex in Jugendbücher" sowie auch das Statement der Autorin zum Thema "Sex oder nicht Sex?".
Mich hat aber vor allem auch die Thematik der Synästesie und wie die Autorin diese im Buch umgesetzt hat total begeistert. So hatte ich auch Julies Farbpalette der Gefühle zusammengefasst.

Ganz klar also, dass "Sternschnuppenträume" ein Muss für mich ist/war.






Als Svea den Kopf in den Nacken legt und in den sternenklaren Nachthimmel schaut, geschehen zwei Dinge, mit denen sie absolut nicht gerechnet hat. Erstens: Sie sieht eine Sternschnuppe, eine lange, strahlende, wunderschöne – eine, die Wünsche in Erfüllung gehen lässt. Zweitens: Im nächsten Moment taucht Nick neben ihr auf. Nick sieht gut aus, ist charmant und wird ihr ganz bestimmt schon morgen das Herz brechen. Doch heute Nacht will Svea nicht an morgen denken. Sie will mit Nick Sternschnuppen zählen, eng umschlungen hier am Strand, bis es nichts mehr gibt außer ihnen beiden. Und vor allem will Svea nicht daran denken, dass es für sie und Nick keine Zukunft geben kann. Morgen wird die Welt wieder so sein wie vorher. Eine Welt ohne Nick. Oder etwa nicht?(Bild- und Textquelle: Egmont INK)





Einstieg ins Buch:
Wenn es eines gibt, das Seehunde absolut von uns Menschen unterscheidet, dann dies: Verlassene Jungtiere vergessen ihre Mütter innerhalb von Tagen.
Spricht das nun für oder gegen sie?

Eine Insel in der Nordsee - eine Strandparty , an der Svea und Nick ihre Ruhe suchen und unter Sternschnuppen aufeinander treffen. Beide sehen den wahren, verletzlichen Menschen hinter der Fassade und es kommt zu einem Kuss - unvergesslich für beide und doch nicht der Anfang einer Beziehung.

Wieder hat Julie Leuze ganz tolle und facettenreiche Charaktere gezeichnet.
Wenn man die beiden Protagonisten in der Schule sieht, könnten sie unterschiedlicher nicht sein. Svea arbeitet in ihrer Freizeit in einer Seehundstation, die momentan ihr Zufluchtshafen ist. Hier trifft sie ihre beste Freundin Rieke und findet Ruhe bei den Heulern. Zuhaue hat sich nämlich innerhalb kürzester Zeit alles drastisch gewandelt. Veränderungen, die sonst niemand bemerken darf.
Nick ist ein Sonnyboy, ein Surfer, ein Frauenheld, der seine Freundin in einer On/Off-Beziehung regelmässig 'betrügt'. Das alles sind Attribute, die Svea gar nicht möchte und so versucht sie, den Kuss mit Nick so schnell wie möglich zu verdrängen.
Doch auch bei ihm ist nicht alles eitler Sonnenschein, doch was in der protzigen Familienvilla geschieht, darf natürlich niemand erfahren.

Das Leben ist, was wir daraus machen, in jedem einzelnen Augenblick.     (Nick, Seite 51)

"Sternschnuppenträume" wird abwechselnd aus der ich-Perspektive von Svea und Nick erzählt. So lernen wir die beiden Protagonisten schnell kennen und erfahren nach und nach mehr über sie - auch über ihre Geheimnisse, die sie unbedingt bedeckt halten möchten.

Wer in "Sternschnuppenträume" eine sommerlich leichte Lovestory sucht, wird definitiv nicht fündig. Eine Liebesgeschichte ja, aber nicht auf rosa Wolken sondern im knallharten Leben. Die Schicksalsschläge der beiden sind tragisch und prägen ihr Denken und Handeln. Doch es gibt immer ein Hoffnungsschimmer und Julie Leuze zeigt uns auf, dass es sich lohnt, für Träume zu kämpfen.

Ich schenke mir einen Kaffee ein, setze mich widerwillig Papa gegenüber und versüsse mir die Bitterkeit dieses Samstagmorgens mit Milch und viel, viel Zucker.     (Svea, Seite 65)

Julie Leuze schreibt wieder sehr authentisch und flüssig so dass sich die Geschichte trotz des zum Teil sehr tiefgründigen Themas leicht lesen lässt. Trotzdem gibt es einige Abschnitte, denen meiner Meinung nach etwas mehr Spannung gut getan hätten.

Auch in "Sternschnuppenträume" spricht die Autorin das Thema Sexualität sehr offen an und so müssen die Teenager merken, dass Sex im Stehen zum Beispiel nicht so einfach ist, wie es in so manchen Filmen den Anschein hat. Sehr schön finde ich, dass auch auf das Thema Verhütung eingegangen wird.







"Sternschnuppenträum" ist sicher kein 0815-Jugendbuch. Es ist nachdenklicher, kritischer, feinfühliger und behandelt Themen die nicht verschwiegen werden sollten.









Julie Leuze, geboren 1974, studierte Politikwissenschaften und Neuere Geschichte in Konstanz und Tübingen, bevor sie sich dem Journalismus zuwandte. Mittlerweile widmet sie sich ganz dem Schreiben von Romanen.
Julie Leuze lebt mit ihrem Mann und drei Kindern in Stuttgart.

http://www.julie-leuze.de/


Dienstag, 16. Juli 2013

[Rezension] "Der Geschmack von Sommerregen" von Julie Leuze






Titel: Der Geschmack von Sommerregen
Reihe: nein
Autorin: Julie Leuze
Verlag: Egmont INK (11. Juli 2013)
ISBN: 978-3-86396-062-9
Seiten: 320
Vom Hersteller empfohlenes Alter: ab 14 Jahren
  







Mit den sonnig warmen Tagen, habe ich wieder vermehrt Lust auf locker flockige Liebesgeschichten bekommen. Als ich die Inhaltsangabe von "Der Geschmack von Sommerregen" las, wusste ich, dass das die perfekte Sommerlektüre werden könnte.






Sophie ahnt nicht, dass ein halbes Lächeln alles auf den Kopf stellen wird. Dass ein einziger Blick aus schokoladenbraunen Augen ausreichen wird, um ihre Welt in Funken sprühendes Himmelblau zu tauchen. Dass ein einziger Kuss ihr den Mut verleihen wird, dem Familiengeheimnis auf den Grund zu gehen, das ihr Leben bis jetzt bestimmt hat.
Mattis ahnt nicht, dass Sophie ihm entlocken wird, was er vor allen anderen verbirgt. Dass er sich mit ihr so sicher fühlen wird wie noch mit niemandem zuvor.
Beide ahnen nicht, dass ihre Liebe sie über sich selbst hinauswachsen lassen wird. Sophie und Mattis. Mattis und Sophie.
(Bild- und Textquelle: Egmont INK)



Einstieg ins Buch:
Der Neue schwappt himmelblau über mich hinweg, mit Spuren von Schwarz und glitzernden Funken aus tiefem, geheimnisvollem Gold. Ich blinzle verwirrt. Diese Farbkombination hatte ich noch nie auf meinem inneren Monitor, und es gelingt mir nicht, sie einzuordnen.

bitteres Oliv
flauschiges Weinrot
freudiges Zitronengelb
süsses Sahneeis-Weiss
reumütiges Violett
verliebtes Gold

Sophie nimmt Emotionen auf ihrem inneren Monitor als Farben wahr. Laut ihren Eltern soll sie diese Farben unterdrücken und niemandem etwas davon erzählen. Zwar verängstigt sie diese Besonderheit, doch Sophie kann und will sie nicht verleugnen, denn sie ist ein Teil von ihr. Zu gern möchte sie der Sache auf den Grund gehen, wissen, warum sie so anders ist, doch ihre Eltern beherrschen die Taktik des Verdrängens sehr gut und so kommt Sophie keinen Schritt weiter. Sie ahnt, bei wem sie Hilfe bekommen könnte, nämlich bei ihrer Grossmutter Anne, die für ihre Mutter jedoch ein rotes Tuch ist.

Ahnt mein Vater eigentlich, wie einsam ich mich manchmal fühle? Einsamkeit ist silbergrau, eine schöne, glitzernde Farbe im Aussen. Auf meinem inneren Monitor ist sie so kalt wie tödliches Eis.     (Seite 40)


Als dann der äusserts attraktive, ruhige Mattis in ihre Klasse kommt, verliebt sie sich Hals über Kopf in ihn, muss aber feststellen, dass sie sich erst richtig auf ihn einlassen kann, wenn sie mit sich selbst im Reinen ist.

Die Geschichte ist aus der ich-Perspektive von Sophie geschrieben und so erleben wir sehr gut ihren "inneren Monitor". Julie Leuze hat dieses Farbenspiel in Sophies Wahrnehmung richtig toll in die Geschichte eingewoben und bereichert damit ihren wunderbar leichten, zum Teil schon fast poetischen Schreibstil.
Die Themen habe mich sehr angesprochen und ich fand sie richtig spannend und erfrischend umgesetzt.

Endlich macht sich Ferienstimmung in mir breit. Sie leuchtet so freudig-zitronengelb, dass ich sie beinah auf der Zunge schmecken kann.     (Seite 50)

Die beiden Protagonisten sind nichts Neues in der Buchwelt. Sie fristet ein ruhiges, unscheinbares Mauerblümchen-Dasein, er ist der äusserst attraktive Neue, den sich alle gerne angeln würden. Mattis ist beinahe zu gut um wahr zu sein - vor allem für seine 16 Jahre erscheint er mir wahnsinnig reif. Da hätte ich mir doch ein bisschen mehr Ecken und Kanten gewünscht.
Und auch die Nebencharaktere sind eher von der Stange als Massanfertigungen. Da treffen wir die durchgestilte Oberzicke, den plötzlich eifersüchtigen "Ex"-Freund und die leicht eingeschnappte beste Freundin.

Doch all dies hat dem Lesegenuss keinen Abbruch getan. "Der Geschmack von Sommerregen" ist eine sehr einfühlsame Liebesgeschichte mit Tiefgang, denn neben dem Entdecken ihrer Gefühle für Mattis muss Sophie noch das eine oder andere Geheimnis ihrer Familie lüften und sich selber kennen und akzeptieren lernen.

Unsere Blicke schlingen sich umeinander und plötzlich habe ich das Gefühl, er kann bis tief in meine Seele schauen - bis hin zu meinem Geheimnis - zu den blauen Wellen, der goldenen Gischt, dem roten Funkenregen.     (Seite 68/69)

Überrascht war ich jedoch, wie weit die Autorin in Sachen Liebe und Sexualität geht. Noch nie habe ich in einem Jugendbuch so detailliert beschriebene Liebesszenen gelesen. Auf der einen Seite ist es ganz bestimmt sehr gut, wenn Jugendliche so eine feinfühlige Art des sich näher kommens erfahren, und auch realisieren, dass man nein sagen soll, wenn man noch nicht soweit ist, doch auf der anderen Seite, finde ich es in einer Geschichte ab 14 nicht nötig. Wenn das Buch nämlich verfilmt würde, müsste da ganz bestimmt ein FSK 16 drauf stehen.
Die erotischen Passagen sind aber wie das ganze Buch wirklich feinfühlig und schön beschrieben und lassen die Schmetterlinge im Bauch tanzen.

Ich habe Mattis vom ersten Augenblick an begehrt. Ich begehre ihn himmel-, tinten-, mitternachtsblau, begehre ihn mit jeder Faser meines Körpers, begehre ihn so kompromisslos, dass ich über mich selbst erschrecke, weil ich so etwas noch nie empfunden habe.     (Seite 88/89) 



Eigentlich bin ich kein grosser Fan von Gesichtern auf Buchcovern, aber hier spiegelt das Titelbild schön den Inhalt und man kann erahnen, was einen hinter dem Buchdeckel erwartet. Die Schrift und Farbe des Titels gibt auch schön das jugendlich Alter wieder und die runden Ecken verleihen dem Aussehen den letzten Schliff.


Aprupt verstumme ich, und mein inneres Pink fährt seine Stacheln aus. (Seite 95)






"Der Geschmack von Sommerregen" ist eine sehr emotionale, tiefgründige und prickelnde Liebesgeschichte, die mich vor allem durch den farbenprächtigen Schreibstil überzeugen konnte. Einmal begonnen, konnte ich das Buch nicht mehr aus den Händen legen. Sophie und Mattis haben mir definitiv den Sommer versüsst!









Julie Leuze wurde 1974 in Wiesbaden geboren. Als Kind lernte sie das bayrische Landleben kennen, als Jugendliche München und als Abiturientin Mr Right. Sie studierte in Konstanz (viel See, wenig Stress), bekam drei Kinder (viel Liebe, wenig Schlaf) und arbeitete als Journalistin (viel Lokalkultur, wenig Skandalöses). Seit sie zeitgleich ihre Hochsensibilität  und ihre Leidenschaft fürs Romanschreiben entdeckte, verfasst sie mit grosser Begeisterung Bücher für Erwachsene und Jugendliche. Die Autorin lebt mit ihrer Familie in Stuttgart.
(Autorenbeschreib hinten im Buch: Egmont INK)

http://www.julie-leuze.de/


Montag, 11. März 2013

[Rezigramm] "Spiel des Lebens" von Veit Etzold





Inhalt:
Willkommen im Spiel des Lebens, Emily. Du hast die Wahl. Sieg oder Tod, liest Emily völlig fassungslos auf dem zerknüllten Zettel in ihrer Hand, und damit geht der Horror los. Ein Psychopath jagt sie durch ganz London und stellt sie vor unbegreifliche Rätsel. Falls sie diese nicht in der vorgegebenen Zeit löst, gibt es einen Toten. Der Killer treibt Emily an den Rand des Wahnsinns. Wer ist dieser Irre? Und warum hat er ausgerechnet sie für sein mörderisches Spiel ausgewählt?
(Bild- und Textquelle: Egmont INK)  






Der Einstieg ins Buch ist mir nicht gerade leicht gefallen. Erst nach 150 Seiten konnte mich das Buch einigermassen packen . . . und das Schlimme ist, dass ich nicht einmal genau sagen kann, woran es gelegen hat.


Die Protagonistin Emily konnte mich nicht wirklich überzeugen. Ich habe sie als sehr naiv empfunden.Sie geht recht planlos durch die Welt und obwohl sie in Gefahr schwebt und in ständiger Angst lebt, ist sie oft sehr leichtsinnig. Ihre Angst wird zwar sehr detailliert und oft beschrieben, kam aber nie wirklich bei mir an.


Der Verlauf der Geschichte ist etwas abgehackt. Oft hatte ich das Gefühl, die Idee sei doch spannend, aber irgendwie wurde das nicht wirklich so umgesetzt.
Die meisten Kapitel sind aus der Sicht von Emily geschildert. Zwischendurch erhalten wir einen Einblick in die Welt des Psychopathen. Diese kurzen Kapitel sind kursiv geschrieben.


Am meisten beeindruckt hat mich die Gestaltung des Buches. Auf dem Schnitt und auf den aufklappbaren Innenseiten des Broschurs ist die Skyline von London zu erkennen . . . das hat einen einmaligen Wiedererkennungswert. Zudem fand ich die Einblicke in die Finanzwelt neu und interessant.


Wie schon geschrieben, hatte ich lange, bis ich den Zugang zum Buch gefunden hatte. Zudem fehlte mir einfach oft die atemlose Spannung, die einen Thriller ausmacht.
Die Charakteren neben Emily blieben mir zu sehr an der Oberfläche . . . mir fehlte das Mitfiebern und so blieb ich "nur" Leser.


Der Schreibstil ist meistens einfach gehalten, doch gibt es doch einzelne sehr verschachtelte Sätze, die das Lesen etwas anstrengend machen. man findet im Buch doch einige Fremdwörter und Fachbegriffe aus der Finanzwelt.
Zudem gab es einige Szenen, bei denen weniger mehr gewesen wäre.








"Spiel des Lebens" ist auf einer guten Grundidee aufgebaut. Diese wurde von mir aus gesehen jedoch zu wenig ausgereift umgesetzt. Der Spannungsbogen liess zu wünschen übrig und die Charakteren blieben mir zu sehr an der Oberfläche, waren naiv und/oder durchschaubar. Ein Highlight ist jedoch die Gestaltung des Buches, dieses ist auch der Grund, dass ich das Buch lesen wollte. Zudem fand ich es spannend, Einblicke in die Finanzwelt zu erhalten.







So verhielten sich die Opfer in Hollywoodfilmen - sie befolgten wie Lämmer, die auf die Schlachtbank geführt wurden, alle Anweisungen ohne daran zu denken, die Polizei zu rufen, sich Hilfe zu holen.     (Seite 89)







Veit Etzold: "Spiel des Lebens", 352 Seiten, Egmont INK (13. September 2012)

ISBN 978-3863960483

Vom Hersteller empfohlenes Alter: 14 - 17 Jahre



@ by Favolas Lesestoff


Donnerstag, 7. März 2013

[Rezension] "Survive - Wenn der Schnee mein Herz berührt" von Alex Morel








Titel: Survive - Wenn der Schnee mein Herz berührt
Reihe: nein
Autorin: Alex Morel
Genre: Jugendbuch, Drama
Verlag: Egmont INK (10. Januar 2013)
ISBN:  978-3-86396-047-6
Seiten: 256
Vom Hersteller empfohlenes Alter: ab 14 Jahren








Wie ihr ja schon wisst, bin ich eine totale Cover-Fetischistin und auch beim Lesen "isst" das Auge definitiv mit. Aus diesem Grund ist mir "Survive" sofort ins Auge gestochen, denn die Gestaltung dieses Buch gefällt mir ausgezeichnet. Wieder einmal etwas anderes, das aus den anderen Cover heraussticht, das finde ich immer toll. Zudem hat die Inhaltsangabe so vielversprechend getönt, dass ich es mit dem Buch versuchen musste.







Das hochdramatische Abenteuer einer starken Heldin, die im erbitterten Kampf ums Überleben zu sich selbst findet und dabei ihrer großen Liebe begegnet. Aufreibend, ergreifend und herzzerreißend! Wie durch ein Wunder überlebt Jane einen Flugzeugabsturz mitten in den Rocky Mountains. Ironie des Schicksals – genau für diesen Tag hatte sie ihren Selbstmord geplant. Außer Jane hat es nur noch ein einziger Passagier geschafft: Paul. Gemeinsam schlagen sich die beiden Teenager durch die eisige Wildnis, und dabei erkennt Jane zum ersten Mal seit Langem: Sie will leben. Das ist vor allem Paul zu verdanken, der ihr Bestes zum Vorschein bringt. Nie zuvor hat Jane so etwas für jemanden empfunden, und für diese unverhoffte Liebe wächst sie über sich selbst hinaus … die Hände eines Fremden legen.
(Bild- und Textquelle: Egmont INK)








Einstieg ins Buch:
Es ist zehn vor zehn. Normalerweise wäre ich jetzt damit beschäftigt, mir einen Stuhl für die Gruppensitzung zu sichern.

Suicid - ein Tabuthema in unserer Gesellschaft und auch in Büchern trifft man nicht wirklich oft auf dieses brisante, hoch sensible Thema.

Jane denkt, dass sie erblich vorbelastet ist, denn bei ihrem Urgrossvater hat eine Reihe Suicide begonnen und hat auch nicht vor ihrem Vater halt gemacht - und das auch noch an Weihnachten. Diesen Schicksalsschlag hat Jane nicht verkraftet und so hatte auch sie schon zwei "Zwischenfälle".  Nun lebt sie im Life House und hat durch mustergültiges Verhalten so viele Punkte gesammelt, dass sie über Weihnachten zu ihrer Mutter nach Hause fliegen darf.

Wir steigen genau sechs Stunden, neun Minuten und dreissig Sekunden vor Janes Flugzeugabflug in die Geschichte ein. Jane ist eine Planerin. Sie weiss, dass ihre ersten zwei Versuche, den Schalter umzulegen - wie sie es nennt - eher halbherzig waren. Durch einen Traum kommt sie auf die perfekte Möglichkeit um ihrer qualvollen Existenz zu entkommen. Jane ist sehr gläubig und ist überzeugt, dass Gott in der milchig blauen Schicht, die die Erdatmosphäre vom Weltraum trennt, ist. Deshalb will sie sich im Flugzeug, möglichst nahe bei Gott, das Leben nehmen. Seither organisiert sie alles bis ins kleinste Detail, lügt und schummelt um an genügend Punkte und auch an die Zutaten für ihren tödlichen Cocktail zu kommen.

Wenn ich euch eins mit auf den Weg geben kann, Leute, dann das: Erwachsene sind so leicht auszutricksen. Lass sie glauben, dass sie Genies sind. Ihr Ego ist noch grösser als unseres.    (Seite 24)

Doch das Wetter macht einen Strich durch Janes Rechnung. Durch einen verheerenden Schneesturm stürzt das Flugzeug über den Rocky Mountains ab und wie erwartet sind Jane und Paul die einzigen Überlebenden. Und obwohl Jane ihn für ein arrogantes Arschloch hält, muss sie mit ihm zusammenarbeiten, um zu überleben. Gegenseitig müssen sie sich helfen und auf engstem Raum miteinander auskommen. Durch die eisigen Temperaturen kommen sie sich gezwungenermassen näher, denn sie müssen sich gegenseitig warm halten. So lernen sie sich nach und nach besser kenne und Jane merkt, dass es auch hinter Pauls Fassade bröckelt.

Ich lasse meine private Parade toter Engel vorüberziehen und bitte sie, die Flügel des Flugzeugs zu tragen und mich nach Hause zu bringen.     (Seite 50)

Und wie es so schön heisst, lernt man etwas erst zu schätzen, wenn man es nicht mehr hat, oder wenn es einem zu entgleiten droht. Und so realisiert Jane, dass sie gar nicht sterben möchte. Sie möchte Überleben! Und es kommt wie es kommen muss, es entwickelt sich eine zarte Liebesgeschichte zwischen den beiden. Bestimmt hat die extreme Situation auch das Ihrige dazu beigetragen, doch Jane und Paul entdecken auch einige Gemeinsamkeiten.
Durch Paul wächst Jane ein ums andere Mal über sich selbst hinaus und beginnt zu kämpfen. Sie überdenkt ihr Leben und findet in der eisigen Wildnis ihr altes, starkes Ich wieder.

"Survie" ist aus der Sicht von Jane geschrieben. So erleben wir ihr Gefühlschaos und ihre Stimme im Kopf hautnah mit. Ihre Gedanken oder inneren Monologe sind in kursiver Schrift gedruckt. Durch etliche Rückblenden erfahren wir mehr aus Janes Vergangenheit. Zu Beginn fand ich dies sehr bereichernd, gegen Ende störten mich diese Erinnerungen dann jedoch etwas, denn ich wollte viel lieber wissen, wie es in der Wildnis weitergeht, als zu erfahren, wie eine Therapiesitzung im Life House ablief.

Alex Morel hat einen flüssigen und angenehmen Schreibstil und er konnte mit seinem Debütroman mein Herz berühren. Gegen das Ende musste ich sogar eine Träne verdrücken.
Selbstverständlich war ein grosser Teil der Story vorhersehbar, doch die Lektüre konnte mich trotzdem fesseln und ich hatte das Buch innert kürzester Zeit ausgelesen.




Von der Gestaltung habe ich ja schon beim  Lesegrund geschwärmt. Toll ist auch, dass man auch unter dem Schutzumschlag einiges entdecken kann. Zudem passen die verschiedenen Elemente supergut zum Inhalt des Buches, was mir auch immer sehr wichtig ist. Hier hat Egmont INK wirklich ganze Arbeit geleistet.






"Survive - Wenn der Schnee mein Herz berührt" hält einige Schicksalsschläge bereit. So sind die Themen Suicid, Verlust, Flugzeugabsturz und Überlebenskampf in der eisigen Wildnis der Mittelpunkt dieser Geschichte und wussten mich zu fesseln - und ja, zu berühren.








Alex Morel lebt in New Jersey. Er ist Vater von zwei Kindern und hat einen Hund namens CC. "Survive - Wenn der Schnee mein Herz berührt" ist sein erster Roman.
(Textquelle: Egmont INK)