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Donnerstag, 30. März 2017

[Rezigramm] "Angelfall - Tage der Dunkelheit" von Susan Ee


Titel: Angelfall - Tage der Dunkelheit
Reihe: Angelfall, Band 2/3
Autorin: Susan Ee
Übersetzerin: Sonja Rebernik-Heidegger
Genre: Postapokalypse, Endzeit, Urban Fantasy
Verlag: Heyne Verlag (9. Januar 2017)
ISBN: 978-3453317482
Seiten: 448


Inhalt:
Kaum hat Penryn ihre kleine Schwester Paige aus dem Hauptquartier der Engel in San Francisco befreit, wird diese erneut entführt. Und so muss sich Penryn in den rauchenden Trümmern der Stadt erneut auf die Suche nach Paige machen. Dabei findet sie heraus, welch finstere Pläne die Engel wirklich verfolgen. Ihre letzte Hoffnung ist der gefallene Engel Raffe, der jedoch vor der schwierigsten Entscheidung seines Lebens steht: Soll er auf sein Herz hören und Penryn helfen, oder soll er versuchen, seine Flügel zurückzubekommen?
(Bild- und Textquelle: Heyne Verlag)  




Was hatte ich mich gefreut, als ich hörte, dass "Angelfall" doch noch weiter übersetzt werden würde. Dem ersten Band "Nacht ohne Morgen" hatte ich damals nämlich sogar die Goldene Leseente verliehen. Da ich das Ende von Band 1 nochmal etwas aufgefrischt hatte, fiel mir der Einstieg in "Tage der Dunkelheit" leicht. Die Handlung setzt nämlich nahtlos an den Vorgänger an, doch Susan Ee hat auch sowieso einige Wiederholungen eingebaut.


So steckt man schnell wieder in der apokalyptischen USA, muss aber leider feststellen, dass die Geschichte etwas auf der Stelle tritt. Penryn versucht immer noch ihre Schwester zu retten und ihre Familie zusammenzuhalten und Raffe ist immer noch auf der Suche nach seinen Engelsflügeln - nun bedauerlicherweise jedoch alleine.
Schon bald musste ich feststellen, dass sich die so spannende Engelsfantasy aus Band 1 in ein etwas zu gewolltes Horrosszenario im Monsterkabinett gewandelt hatte.


Je länger die Geschichte dauerte, desto mehr hatte ich zu bemängeln. Der grösste Kritikpunkt ist ganz klar die Abwesenheit von Raffe. Die spritzigen Dialoge zwischen den beiden so unterschiedlichen Charaktere hatten Band 1 so richtig aufgemischt und ohne die blieb fast nur noch die Angst vor den schrecklichen Skorpionen.
Dann entwickelte Raffes Schwert, das nun in Penryns Besitz war, plötzlich ein Eigenleben und zeigte ihr Einblicke in Raffes Leben. Vielleicht wollte die Autorin damit Raffes Abwesenheit ausgleichen, doch das missriet meiner Meinung nach gleich doppelt. Zum einen war das Schwert weder arrogant, sarkastisch noch sexy und zum anderen waren mir diese Rückblicke fast zu viel, sie zogen die Handlung zu sehr in die Länge.


Dann endlich, leider erst etwa 100 Seite vor dem Ende, tritt Raffe wieder in Action und "Angelfall - Tage der Dunkelheit" zeigt uns kurz, was wir an seinem Vorgänger so geliebt haben: Sarkasmus, einige humorvolle Wortgefechte und die Anziehung der beiden. Und so versöhnt der Abschluss etwas und lässt mich hoffnungsvoll auf das grosse Finale warten.


Auch wenn ich einiges an diesem zweiten Band zu bemängeln habe, ist und bleibt Penryn eine tolle Protagonistin. Obwohl ihre Situation alles andere als rosig ist, versinkt sie nicht in Selbstmitleid. Sie weiss genau, was sie will und dieses Ziel verfolgt sie - knallhart, aber mit der nötigen Portion Menschlichkeit. 

Der Schreibstil von Susan Ee ist einfach und sehr flüssig zu lesen. Auch dieses Mal baut sie eine düstere Atmosphäre auf und schafft einige Gruselmomente, gleich faszinieren konnte mich das Setting jedoch nicht mehr.
Leider ist "Tage der Dunkelheit" doch ein typischer Mittelteil und so stehen wir am Ende des Buches eigentlich wieder am gleichen Punkt wie nach Band 1. Sehr schade.




Ehrlich gesagt bin ich gerade etwas fassungslos. Wie konnte es passieren, dass eine Trilogie, die so fulminant und innovativ gestartet ist, so ins Mittelmass abrutscht? Hatte ich meine Erwartungen zu sehr geschürt?
Nur gut, dass sich "Angelfall - Tage der Dunkelheit" trotz meinen Kritikpunkten sehr flüssig lesen lässt und mich das Ende doch noch etwas versöhnlich stimmen konnte, so dass ich doch unbedingt das Finale lesen möchte. Ich würde doch so gerne nochmals eine Goldene Leseente verleihen ....




Ich beruhige mich mit dem Gedanken, dass ich bloss ein Teenager bin und keine Heldin. Denn Helden haben die Angewohnheit, einen grausamen Tod zu sterben.     (Seite 323)




   

  1. Nacht ohne Morgen     →     meine Rezension
  2. Tage der Dunkelheit

Im Rahmen unseres Specials habe ich 2013 die beiden Protagonisten Penryn und Raffe genauer vorgestellt. Ihre Steckbriefe und das zum Teil hitzige Interview mit den beiden, könnt ihr sehr gerne nachlesen.


© Favolas Lesestoff


Dienstag, 20. September 2016

[Rezension] "Die Königin der Schatten 02. Verflucht" von Erika Johansen




Titel: Die Königin der Schatten
Autorin: Erika Johansen
Reihe: Band 2/3
Originaltitel: The Invasion of the Tearling
Übersetzerin: Sabine Thiele
Verlag: Heyne (16. Mai 2016)
Genre: High Fantasy, Dystopie
Ausführung: Klappenbroschur, 608 Seiten
ISBN: 978-3453315877








"Die Königin der Schatten" sollte definitiv kein Schattendasein fristen, denn es ist ein erstklassiger Schmöker, den ich kaum aus der Hand legen konnte. So freute ich mich schon lange auf die Fortsetzung.





Seit Kelsea Glynn ihr rechtmäßiges Erbe angetreten hat, ist in Tearling ein Zeitalter der Menschlichkeit und der Gerechtigkeit angebrochen. Doch mit der Roten Königin des Nachbarreiches Mortmesne hat sich Kelsea eine ebenso mächtige wie gefährliche Feindin gemacht: Unau altsam marschiert die gewaltige Mort-Armee auf die Grenzen Tearlings zu. Noch während Kelsea versucht, einen Krieg zu verhindern, den sie nicht gewinnen kann, kommt sie einem Geheimnis aus der Vergangenheit auf die Spur – einem Geheimnis, das das Schicksal Tearlings für immer verändern wird . . .
(Bild- und Textquelle: Heyne)




Einstieg ins Buch:
"Die zweite Mortinvasion trug alle Zeichen eines Gemetzels. Auf der einen Seite stand die weitaus grössere Mortarmee, ausgerüstet mit den besten Waffen der neuen Welt und angeführt von einem Mann, der vor nichts zurückschreckte. Auf der anderen Seite stand die Teararmee, ein Viertel so gross und mit Waffen aus billig geschmiedetem Eisen, die unter dem Aufprall von solidem Stahl sofort brechen würden."

"Die Königin der Schatten" hat schon mit dem ersten Band richtiges Schmökerpotential bewiesen. Erika Johansen bot ein Genremix par excellence, facettenreiche Charaktere und ganz viel Spannung und Intrigen. So war es kein Wunder, dass ich mich riesig auf die Fortsetzung freute. Kaum mit lesen begonnen, durfte ich feststellen, dass "Verflucht" seinem Vorgänger in nichts nachstand. Im Gegenteil: die Autorin wob noch einen zweiten Zeit- und Handlungsstrang ein.

So werden bei Kelsea in Tearling weiterhin Intrigen gesponnen, politische Diskussionen geführt und die Armeen rüsten sich zum Kampf.
Kelsea selber ist immer noch eine starke Protagonistin. Sie ist enthusiastisch und alles andere als auf den Mund gefallen. Durch das tragen der Juwelen verändert sie sich jedoch nach und nach. Äusserlich wird sie zwar immer schöner, doch in ihrem Innern wird es immer dunkler, sie wird immer mehr von Zweifeln geplagt. So wird man von ihren Gedankengeängen und Handlungen ab und zu negativ überrascht, was jedoch sehr spannend mitzuverfolgen ist. Immer wieder hat sie auch Visionen von einer gewissen Lily.

Diese Lily Mayhew lebt in Manhatten und zwar noch in der alten Zeit vor der grossen Überfahrt. "Die Königin der Schatten" ist zwar in erster Linie im High Fantasy angesiedelt, doch dadurch, dass die Geschichte in der Zukunft spielt, gibt ihr Erika Johansen zusätzlich noch dystopische Züge. Und nun erfährt man endlich, was es mit dieser Überfahrt, von der schon im ersten Band die Rede war, auf sich hat, wie die alte Welt aussah.

"Wut macht einen Kämpfer anfällig. Ich habe das schon oft gesehen. Wenn er die Wut nicht überwindet oder sie zumindest für den Kampf nutzt, wird sie ihn zu Fall bringen."     (Seite 100)

Gerade die Charaktere sind es oft, die eine Geschichte ausmachen. Und diese hat Erika Johansen klasse skizziert und weiterentwickelt. Gerade dass die meisten ihre Ecken und Kanten, aber auch Schwächen haben, machen sie so sympathisch und authentisch. Und durch die unterschiedlichen Perspektiven lernt man die Personen zum einen besser kennen und zum anderen bekommt man einen tollen Überblick über das grosse Ganze.

Der Schreibstil ist auf der einen Seite sehr angenehm und flüssig zu lesen, auf der anderen Seite mitreissend und bildgewaltig.
Zwar brauchte ich zu Beginn etwas Zeit, um mich an die beiden Handlungsstränge und an Lily zu gewöhnen, doch danach entfaltete sich der gleiche Lesesog, den ich schon vom ersten Teil her kannte und liebte. Nur gut, dass "Verflucht" über 600 Seiten hat, sonst wäre der Schmökerspass viel zu schnell vorbei gewesen. Und so freue ich mich schon riesig auf die Fortsetzung, denn wer einen solch fesselnden und überzeugenden Mittelteil schreiben kann, legt bestimmt ein fulminantes Finale hin.






mitreissend, facettenreich, atemberaubend
"Die Königin der Schatten. Verflucht" steht definitiv nicht im Schatten seines Vorgängers. Die Charaktere werden authentisch und konsequent weiterentwickelt, ein neuer Handlungsstrang gekonnt eingewoben, Intrigen gesponnen und Kämpfe ausgetragen. Erika Johansen bietet 1A Schmökerstoff, den man nicht mehr so schnell aus der Hand legt.
Lesespass pur!







  


   

  1. Die Königin der Schatten     → zu meiner Rezension
  2. Die Königin der Schatten. Verflucht
  3. Original: The Fate of the Tearling







Erika Johansen wuchs in der San Francisco Bay Area auf, wo sie heute noch lebt. Sie besuchte das Swarthmore College und wurde Anwältin. Zusätzlich abslovierte sie den renommierten Iowa Writer's Workshop. Eine Rede Barack Obamas über die Freiheit inspirierte sie zu ihrem Debütroman Die Königin der Schatten.
(Textquelle: Heyne)


© Favolas Lesestoff

Mittwoch, 14. September 2016

[Rezension] "Red Rising" von Pierce Brown





Titel: Red Rising
Reihe: Red Rising, Band 1
Autor: Pierce Brown
Übersetzer: Bernhard Kempen
Genre: Science Fiction
Verlag: Heyne Verlag (14. September 2015)
ISBN: 978-3453534414
Seiten: 576








"Red Rising" stand sehr lange auf meiner Wunschliste. Viele waren begeistert von Pierce Browns Werk, plötzlich war es jedoch nicht mehr sicher, ob die gesamte Trilogie übersetzt werden würde. Doch dann hat der Heyne Verlag einen neuen Anlauf mit den Originalcover im Klappenbroschur gestartet und den muss ich nun unbedingt mitverfolgen.





Darrows Welt ist brutal und dunkel. Wie alle Roten schuftet er in den Minen des Mars, um ein Leben auf der Oberfläche des Planeten möglich zu machen. Doch dann wird seine große Liebe getötet, und Darrow erfährt ein schreckliches Geheimnis: Der Mars ist längst erschlossen, und die Oberschicht, die Goldenen, leben in dekadentem Luxus. Darrow schleust sich in ihr sagenumwobenes Institut ein, in dem die Elite herangezogen wird. Er will einer von ihnen werden – um sie dann vernichtend zu schlagen …
(Bild- und Textquelle: Heyne Verlag)




Einstieg ins Buch:
Ich hätte in Frieden leben können. Aber meine Feine brachten mir den Krieg.

Mit "Red Rising" hat Pierce Brown einen klasse Science Fiction Roman geschaffen. Er spielt auf dem Mars, wo die Gesellschaft einer strengen Hierarchie unterliegt. Die Goldenen stehen ganz oben im Gefüge und sehen sich als Götter, die über die anderen Farben herrschen und sie unterdrücken. Am anderen Ende der Rangordnung stehen die Roten, die unter der Marsoberfläche hart arbeiten, um den Planeten bewohnbar zu machen. 

Die Geschichte wird aus der ich-Perspektive von Darrow erzählt, der auch ein Roter ist. Er ist ein sehr sympathischer Charakter und seine Familie und Freunde stehen bei ihm immer an erster Stelle. Ganz anders ist das bei seiner grossen Liebe Eo. Sie hat den Traum, in einer freien und gerechten Gesellschaft zu leben, doch bei Darrow findet sie kein Gehör für ihre Visionen. 
Erst mit ihrem Tod setzt Darrow alles daran, gegen die Goldenen, die so brutal herrschen, vorzugehen. Doch um möglichst viel zu erreichen, muss er über seinen Schatten springen, sich total verändern und einer von ihnen werden.

Auf dem Mars ist die Schwerkraft nicht sehr gross. Also muss man an den Füssen des Gehängten ziehen, um ihm das Genick zu brechen. Diese Aufgabe überlassen sie den Angehörigen.     (Seite 11)

Zu Beginn muss man sich erst ein wenig an das komplexe System und das Leben unter der Marsoberfläche gewöhnen, doch schnell hat mich "Red Rising" gepackt und nicht mehr losgelassen. Die Geschichte ist wahnsinnig spannend und facettenreich, so dass man die 576 Seiten schneller verschlungen hat als gedacht.

Ich fand es sehr interessant, die Entwicklung von Darrow mitzuverfolgen - wie er von einem friedvollen, folgsamen Menschen zu einem bemerkenswerten Anführer wird. Dafür muss er jedoch in die Haut des Feindes schlüpfen und hat ab und zu mit seinem inneren Zwiespalt zu kämpfen. Doch Darrow sieht immer das Gute im Menschen, sogar wenn es seine Feinde sind. Für ihn gibt es nicht nur schwarz-weiss, sondern er entdeckt viele Grauschattierungen, die ihn als Charakter ausmachen.

"Der Tod ist nicht sinnlos, wie du sagst. Sinnlos ist ein Leben ohne Freiheit, Darrow. Sinnlos ist ein Leben in den Ketten der Angst, der Angst vor Verlust, vor Tod. Ich sage, dass wir diese Ketten sprengen müssen."     (Seite 56)

Klar hat Pierce Brown mit "Red Rising" das Rad nicht neu erfunden. Es gibt einzelne Parallelen zu anderen Büchern, doch der Autor hat sie sehr fesselnd und auch überraschend verpackt. Man geht immer mit einigen Erwartungen an ein Buch heran, doch hier habe ich etwas ganz anderes erhalten als gedacht. Und so war ich total positiv überrascht und fasziniert.
Sehr gut gefallen hat mir auch, dass der Autor die griechische und römische Mythologie in seinen Science Fiction Roman einfliessen hat lassen.

Der Schreibstil ist klar, schon fast etwas distanziert. Doch das hat hier auch seinen Vorteil, denn "Red Rising" beinhaltet einige brutale Szenen, die so jedoch recht nüchtern abgehandelt werden.
Der Autor schafft eine dichte Atmosphäre, so dass ich völlig fasziniert vom Geschehen, das Buch kaum noch auf der Hand legen konnte. Nur gut, dass Band 2 und 3 schon erschienen sind, so dass ich meine Geduld nicht mehr zügeln muss.





brutal überraschend & wahnsinnig spannend
Mit "Red Rising" ist Pierce Brown ein faszinierender Science Fiction Roman gelungen. Mit einer erbarmungslosen Gesellschaft, brutalen Machtkämpfen und einem überraschenden Protagonisten wird der Spannungsbogen konstant hoch gehalten, so dass die 576 Seiten fast zu schnell vorüber sind.
So kann ich euch "Red Rising" nur weiterempfehlen.









      
  1. Red Rising
  2. Red Rising. Im Haus der Feinde
  3. Red Rising. Tag der Entscheidung





Nach dem Collegeabschluss hätte Pierce Brown eigentlich nichts dagegen gehabt, seine Studien in Hogwarts fortzusetzen. Da es ihm dafür leider an der nötigen magischen Gabe fehlte, versuchte er es mit verschiedenen Jobs in der Medienbranche. Seine Red-Rising-Trilogie wurde ein so sensationeller Erfolg, dass Pierce Brown sich jetzt ganz dem Schreiben widmen kann. Der Autor lebt in L.A.

(Textquelle: Heyne Verlag)




© Favolas Lesestoff